Lieferengpässe

Aufmerksamkeit im Hessischen Rundfunk

28.10.2013, 09:29 Uhr


Das Problem der Lieferengpässe hat das Fernsehen erreicht. Am Sonntag um 18 Uhr berichtete das Magazin „defacto“ im Hessischen Rundfunk über die Mühen eines Schilddrüsenpatienten, dessen Thyroxin-Präparat nicht lieferbar ist. Der Patient wurde auf einer Tour durch etliche Apotheken begleitet, die das verordnete Produkt nicht bestellen konnten.

Die Angst des Patienten um seine Gesundheit wurde in dem Beitrag deutlich. Außerdem wurde angesprochen, dass etliche weitere wichtige Arzneimittel betroffen sind, aber zu den Ursachen des Problems wurden nur einige Ansätze vermittelt. Die Firma Merck als Hersteller des betroffenen Produktes habe auf eine Anfrage des Hessischen Rundfunks nur schriftlich geantwortet und auf technische Probleme bei einer Systemumstellung verwiesen. Eine Verpackungslinie müsse bei mehrtägigem Stillstand umgerüstet werden. Außerdem kam Dr. Hans Rudolf Diefenbach, stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes, zu Wort. Er erklärte die Lieferengpässe bei vielen Herstellern mit dem Preisdruck durch Rabattverträge und der Produktion der Arzneimittel außerhalb Europas. Der von vielen Fernsehredaktionen gerne interviewte Gesundheitsökonom Prof. Dr. Gerd Glaeske wurde ebenfalls befragt und erklärte, dass Lagerbestände Kapital binden. Daher würden teure Arzneimittel zunehmend „just in time“ produziert, doch dies führe in globalisierten Märkten mit Warenströmen über große Entfernungen zu Problemen.

Nach der Sendung sprach DAZ.online mit Hans Rudolf Diefenbach, der für den Beitrag ausführlich im Kontakt mit der „defacto“-Redaktion gestanden hatte. Diefenbach bedauerte gegenüber DAZ.online, dass viele angesprochene Themen leider nicht erwähnt worden seien. Der Themenkreis der generischen Substitution wurde in dem Beitrag nicht angesprochen. Daher sei auch nicht deutlich geworden, wie die Apothekenteams die Probleme der Patienten lösen könnten und welche Mühe sie damit hätten. Außerdem seien die Zusammenhänge zur Produktion von Arzneimitteln im Ausland nicht deutlich erklärt worden, so Diefenbach. Doch Diefenbach zeigte sich erleichtert, dass das Problem nun endlich in die Öffentlichkeit getragen worden sei. Die Apotheker müssten nun weiter auf ihre Schwierigkeiten aufmerksam machen. „Die Debatte darf nicht beendet werden“, forderte Diefenbach.

 Die defacto-Sendung vom 27. Oktober können Sie hier sehen.


Dr. Thomas Müller-Bohn


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