DAZ aktuell

Lieferengpässe sind Thema im Fernsehen

HAV-Vize Hans Rudolf Diefenbach bei „defacto“ im Hessischen Rundfunk

tmb | Das Problem der Lieferengpässe hat das Fernsehen erreicht. Am 27. Oktober um 18 Uhr berichtete das Magazin „defacto“ im Hessischen Rundfunk über die Mühen eines Schilddrüsenpatienten, dessen Thyroxin-Präparat nicht lieferbar ist. Der Patient wurde auf einer Tour durch etliche Apotheken begleitet, die das verordnete Produkt nicht bestellen konnten. Letztlich sei er in der siebten Apotheke versorgt worden, aber er muss nun statt einer Tablette zwei Tabletten in anderer Stärke einnehmen und musste auch zwei Zuzahlungen bezahlen, so der Fernsehbeitrag.

Die Angst des Patienten um seine Gesundheit wurde in dem Beitrag deutlich. Außerdem wurde angesprochen, dass etliche weitere wichtige Arzneimittel betroffen sind, aber zu den Ursachen des Problems wurden nur einige Ansätze vermittelt. Die Firma Merck als Hersteller des betroffenen Produktes habe auf eine Anfrage des Hessischen Rundfunks nur schriftlich geantwortet und auf technische Probleme bei einer Systemumstellung verwiesen. Eine Verpackungslinie müsse bei mehrtägigem Stillstand umgerüstet werden. Außerdem kam Dr. Hans Rudolf Diefenbach, stellvertretender Vorsitzender des Hessischen Apothekerverbandes, zu Wort. Er erklärte die Lieferengpässe bei vielen Herstellern mit dem Preisdruck durch Rabattverträge und der Produktion der Arzneimittel außerhalb Europas. Der von vielen Fernsehredaktionen gerne interviewte Gesundheitsökonom Prof. Dr. Gerd Glaeske wurde ebenfalls befragt und erklärte, dass Lagerbestände Kapital binden. Daher würden teure Arzneimittel zunehmend „just in time“ produziert, doch dies führe in globalisierten Märkten mit Warenströmen über große Entfernungen zu Problemen.

Foto: hr-online.de
Preisdruck durch Rabattverträge ist in vielen Fällen für Lieferengpässe schuld, erklärte HAV-Vize Hans Rudolf Diefenbach in der Sendung „defacto“.

Nach der Sendung sprach die DAZ mit Hans Rudolf Diefenbach, der für den Beitrag ausführlich im Kontakt mit der „defacto“-Redaktion gestanden hatte. Diefenbach bedauerte gegenüber der DAZ, dass viele angesprochene Themen leider nicht erwähnt worden seien. Der Themenkreis der generischen Substitution wurde in dem Beitrag nicht angesprochen. Daher sei auch nicht deutlich geworden, wie die Apothekenteams die Probleme der Patienten lösen könnten und welche Mühe sie damit hätten. Außerdem seien die Zusammenhänge zur Produktion von Arzneimitteln im Ausland nicht deutlich erklärt worden, so Diefenbach. Doch Diefenbach zeigte sich erleichtert, dass das Problem nun endlich in die Öffentlichkeit getragen worden sei. Die Apotheker müssten nun weiter auf ihre Schwierigkeiten aufmerksam machen. „Die Debatte darf nicht beendet werden“, forderte Diefenbach. 

Keine „Dritte-Welt-Zustände“

(ks). Der Verband der Einzelimporteure (VEIA) warnt angesichts der Berichte über Lieferengpässe vor „übertriebener Dramatisierung“.

„Die Patienten können versorgt werden“, so die Botschaft der VEIA-Vorsitzenden Sabine Paukert. Für sie ist es „übertriebene Panikmache, wenn jetzt Dritte-Welt-Land-Zustände suggeriert werden“. Vielfach handele es sich bei den nicht lieferbaren Präparaten um Rabattarzneimittel in bestimmten Stückzahlen. Hier sieht Paukert Kassen und Pharmaindustrie in der Pflicht. Aber für die Patienten bestehe kein Versorgungsengpass, so die Apothekerin. Anders sieht es bei Arzneimitteln aus, für die es tatsächlich keine verfügbare Alternative gibt. Hier können die Einzelimporteure helfen. Allerdings: Nach wie vor wüssten viele Apotheken und Ärzte über die Möglichkeit des Einzelimportes nicht Bescheid. Auf der Webseite des VEIA findet sich im Bereich für Apotheken ein entsprechendes Informationsblatt.

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