Apothekenbetriebsordnung

Dobbert lässt nicht locker

Potsdam - 20.06.2013, 14:57 Uhr


Jens Dobbert, Präsident der Landesapothekerkammer Brandenburg, will vom Präsidenten der Bundesapothekerkammer (BAK), Andreas Kiefer, mehr Einsatz sehen. Der BAK-Präsident hatte in der Vergangenheit stets betont, in Sachen Apothekenbetriebsordnung nicht untätig zu sein – auch er sehe Probleme. Ebenso unmissverständlich machte er aber auch klar, dass die Verordnung deshalb nicht noch einmal geöffnet werden müsste. Dobbert reicht dies nicht.

Der Brandenburger Kammerpräsident hielt sich gestern in seinem Bericht vor Kammerversammlung nicht zurück: Ihm missfällt es mächtig, dass die Bundesebene – ABDA und BAK – nicht über die Punkte der  Apothekenbetriebsordnung debattiert, die die Brandenburger als kritisch ausgemacht haben. Vielmehr werde dort darauf abgestellt, dass die neue Verordnung in ihrer Gesamtheit als Chance zu begreifen sei.

Dobbert untermauerte dies mit Zitaten des ABDA-Präsidenten Friedemann Schmidt sowie des BAK-Präsidenten. Wobei er zunächst ausdrücklich betonte, dass er Schmidt sehr schätze – „trotz seiner Aufklärung über ‚Larmoyanz‘ und ‚kleinen Buden‘“. Für Dobbert ist Schmidt „genau der Richtige in der Position des ABDA-Präsidenten“. Dennoch: Beim Sächsischen Apothekertag im März erklärte Schmidt, die Apothekenbetriebsordnung zeige in die richtige Richtung – auch wenn manche Vorschrift nach „Gängelung oder Bevormundung“ aussehe. „Hier sollten wir uns nicht in Debatten über Randaspekte verzetteln“, so der ABDA-Präsident. Dobbert hingegen meint: Gerade über diese Randaspekte müsse man sprechen. Denn sie seien es, die die Apotheken an der Umsetzung der Apothekenbetriebsordnung hinderten. „Wir kommen vor Dokumentation – z.B. mit welchem Desinfektionsmittel wer welche Stelle der Apotheke gereinigt hat – gar nicht dazu, uns mit pharmazeutisch wichtigen Punkten der Apothekenbetriebsordnung zu befassen“.

Schärfer fiel Dobberts Kritik an Kiefer aus. Sein Zitat „Wir tun nicht nichts“ und sein Verweis auf den „langsamen Weg“, den die BAK zur Lösung der Probleme mit der Apothekenbetriebsordnung einschlagen will, reichen ihm nicht. Er wünscht sich mehr Tatkraft vom BAK-Präsidenten. Wenn er die Kritikpunkte der Brandenburger tatsächlich kenne: „Warum haben Sie sich bis heute nicht eindeutig im Sinne der Apothekerschaft positioniert?“, fragt der Kammerpräsident. Er fürchtet, für viele Apotheken könnte es zu spät sein, bis ihre Standesorganisationen auf Bundesebene etwas bewegt haben.

„Erschreckt“ hatten Dobbert im vergangenen März Kiefers Aussagen auf dem PZ-Managementkongress auf Mallorca. Dieser hatte dort sein persönliches Geschäftsmodell vorgestellt: Er setzt neben der Apotheke auf einen eigenen Herstellungsbetrieb – die Sophien-Arzneimittel GmbH. Als einen Grund für den Einstieg in die Arzneimittelherstellung nannte Kiefer die „Verbesserung des eigenen Betriebsergebnisses mit Arzneimitteln von hoher Qualität“. Dobbert kontert: „Dieses Ziel verfolgt jedes pharmazeutische Unternehmen und ist damit nicht als Idee für die Zukunft einer Apotheke geeignet“. Auch eine Versandapotheke, wie Kiefer sie betreibt, ist für den Apotheker aus Brandenburg kein Zukunftsmodell. Der Kammerversammlung zeigte er einen Screenshot der Online-Apotheke Sophien24.de: Hier gibt es derzeit ASS 500 30 Stück zu 1,95 Euro statt 3,39. Einen Rabatt von 42 Prozent könne er sich in seiner Apotheke nicht erlauben, erklärte Dobbert. „Sie vermutlich schon, da Sie durchgestylt – vom eigenen Herstellungsbetrieb bis zur Apotheke – sind“, wandte er sich an den nicht anwesenden Kiefer. Werde dann noch ein eigener Großhandel zwischengeschaltet, sei man komplett vertikal aufgestellt: von der Herstellung bis zu Abgabe. Genau gegen diese Entwicklung wehrten sich die Apotheker jedoch, wenn sie um den Erhalt der inhabergeführten Apotheke kämpften, betonte Dobbert. Er fürchtet, Kiefer gehe es gar nicht mehr um den Heilberuf Apotheker in seiner eigenen Apotheke, sondern mehr um den Kaufmann und den pharmazeutischen Unternehmer in seinem Betrieb.

Und so setzt Dobbert auf die Basis – durch sie fühlt er sich nach der Umfrage gestützt. Ebenso durch den Zuspruch der Kolleginnen und Kollegen, den er schon bei seinen vorherigen Aktionen in Sachen Apothekenbetriebsordnung erhalten hat.


Kirsten Sucker-Sket


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