Umsetzung der Apothekenbetriebsordnung

Brandenburg benennt Probleme

Berlin - 17.06.2013, 11:44 Uhr


Der Präsident der Apothekerkammer Brandenburg, Jens Dobbert, macht keinen Hehl aus seiner Kritik an der Apothekenbetriebsordnung. Die aus seiner Sicht kritischsten Elemente hat er mit seinen Vorstandskollegen herausgearbeitet und die Brandenburger Apotheker hierzu befragt. Am Mittwoch will Dobbert die Ergebnisse bei der Kammerversammlung vorstellen. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, räumt schon vorab ein, dass auch er Probleme sieht – deshalb müsse die Apothekenbetriebsordnung aber nicht noch einmal aufgeknöpft werden.

Insbesondere die Regelungen zur Rezeptur und Defektur sind aus Sicht des Brandenburger Kammervorstands dringend überarbeitungsbedürftig. Man wolle die Rezeptur nicht verbannen – es müsse aber möglich sein, vernünftig zu arbeiten, so Dobbert zu DAZ.online. Einige Kollegen, die viele Rezepturen herstellten, sprächen sich jetzt lieber mit Ärzten ab, bei welchen Patienten auf Fertigarzneimittel umgeschwenkt werden könne. Aber auch die Vorgaben zur Barrierefreiheit ärgern Dobbert und seine Kollegen. In Brandenburg zeige die Praxis, dass einige Apotheken nicht mehr verkäuflich seien, weil sie nicht barrierefrei gestaltet werden könnten.

Insgesamt 17 „kritische Elemente“ habe der Kammervorstand in der Apothekenbetriebsordnung ausgemacht und zur Diskussion gestellt, sagte Dobbert. Mehr als die Hälfte der Apotheken des Bundeslandes habe auf die Umfrage der Kammer geantwortet – und von diesen sprächen sich 98 Prozent dafür aus, dass an der Apothekenbetriebsordnung etwas geändert werden müsse. Dieses Ergebnis hatte Dobbert bereits kürzlich bei einem Fortbildungskongress in Potsdam kundgetan.

Bei der BAK wiegelt man angesichts der Alarmrufe aus Brandenburg ab. Vor allem will man hier nicht hören, die ABDA sei untätig. Dies sei falsch, betonte BAK-Präsident Andreas Kiefer gegenüber DAZ.online. Die Kritikpunkte seien bekannt, die BAK habe diese auch mit den Brandenburgern besprochen. So habe man etwa die Probleme bei Rezeptur und Defektur fixiert und dem Bundesgesundheitsministerium weitergeleitet. Ein Änderungsverfahren an der Apothekenbetriebsordnung solle es aber nicht geben, dies hätten auch andere Kammerpräsidenten klar herausgestellt. Eine Verweigerungshaltung mache ebenfalls keinen Sinn, so Kiefer. Die BAK setzt vielmehr auf einen „langsamen Weg“, die Probleme zu lösen. So werde die DAC/NRF-Kommission Vereinfachungen im Hinblick auf Rezepturen vorschlagen, kündigte Kiefer an. Derzeit gebe es „Überinterpretationen“ bei der Frage, wie Rezepturen richtig zu machen seien. Der BAK-Präsident meint aber, die Auslegungsprobleme seien zu lösen, ohne dass man die Apothekenbetriebsordnung wieder aufmachen müsste. Auch bei der Frage der Honorierung von Rezepturen bleibe die BAK am Ball. Schon früher sei die Rezeptur unterfinanziert gewesen – mit dem nun hinzukommenden Dokumentationsaufwand sei dies nur evidenter geworden. Kiefer könnte sich vorstellen, dass man hier eine ähnliche Regelung wie beim Apothekennotdienst findet: Mit dem ANSG werden Apotheken künftig erstmals für übernommene Gemeinwohlverpflichtungen honoriert.

Was die Barrierefreiheit betrifft, so gibt sich Kiefer ebenfalls zuversichtlich. Die Apothekenbetriebsordnung sehe hier eine Einzelfallentscheidung vor. Wer durch einen Umbau für Barrierefreiheit sorgen könne, werde diesen sicher schon von sich aus vornehmen. Als gesellschaftspolitisches Ziel akzeptiere die BAK die Barrierefreiheit – sei es allerdings nicht möglich umzubauen, so dürfe dies kein Grund sein, eine Apotheke zu schließen. Kiefer ist überzeugt, dass sich dies Auffassung auch vor Gericht durchsetzen lässt.  

Ob die Brandenburger genügend Geduld und Zuversicht für den „langsamen Weg“ der BAK besitzen, muss sich nun zeigen. Dobbert betont jedenfalls: „Wir stellen die Apothekenbetriebsordnung nicht infrage“. Die Apotheken wollten Qualität – und einiges in der Verordnung stärke sie hierin. Allerdings: Vielfach komme man gar nicht dazu, sich um diesen Aspekt zu kümmern – weil man viel zu sehr mit bürokratischen Dingen beschäftigt sei.


Kirsten Sucker-Sket


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