Grippeimpfstoffe

Spahn: Ausschreibungen überdenken

Berlin - 19.10.2012, 12:19 Uhr


Noch immer müssen in Bayern, Schleswig-Holstein und Hamburg viele gesetzlich Krankenversicherte auf eine Grippeimpfung warten. Beim Bayerischen Apothekerverband (BAV) gingen mittlerweile mehr als 1.200 Faxe von Apotheken ein, die beklagen, keine oder nicht ausreichend Impfstoffe beschaffen zu können. Der CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn will die Impfstoffausschreibungen nun überdenken.

In Hamburg hat der Apothekerverein seine Mitglieder mit einem Info-Fax von gestern Abend ebenfalls aufgefordert, die aktuelle Liefersituation für Grippeimpfstoffe per Fax zu melden. Überdies sollten die Apotheken alle Vorgänge rund um die (Um-)Bestellung, Stornierung und Lieferung zwecks Beweissicherung zu dokumentieren.

Der für die 40. Kalenderwoche zugesagte Novartis-Ersatzimpfstoff Fluad – der ohnehin nur für Patienten ab 65 Jahren zugelassen ist – sei noch immer nicht auf dem Markt, heißt es im Info-Fax zur allgemeinen Versorgungslage in Hamburg und Schleswig-Holstein. Optaflu sei zwar lieferbar – doch hier gebe es psychologische Vorbehalte in der Bevölkerung. Immer mehr Patienten, aber auch Ärzte verweigerten die Impfung mit Optaflu, sodass mutmaßlich ein Drittel der Gesamtmenge aktuell nicht angenommen werde. Durch die nunmehr erfolgte Freigabe aller verfügbaren Impfstoffe konnten nach Angaben des Großhandels rund 50.000 zusätzliche Dosen im Norden zur Verfügung gestellt werden. Doch der Markt sei bereits „leergefegt“, so der Apothekerverein. Zudem: Der Bedarf in den Bundesländern liege bei 750.000 Dosen. Selbst wenn nun die zugesagten 100.000 Dosen Fluad kommen, gebe es ein Defizit von mindestens 400.000 Impfdosen für die nächsten Wochen.

Novartis Vaccines äußert sich nach wie vor nur karg zur Situation. Es sei „oberste und wichtigste Priorität, Grippeimpfstoffe an unsere Kunden zu liefern“, versichert ein Sprecher gegenüber DAZ.online. Seit der 39. Kalenderwoche werden Begripal mit Kanüle und Optaflu kontinuierlich nach Hamburg und Schleswig-Holstein geliefert. Zudem habe man „gewissenhaft und transparent mit der AOK Nordwest zusammengearbeitet, um die Versorgung mit saisonalen Grippeimpfstoffen sicherzustellen“. Im Moment prüfe Novartis Vaccines alle rechtlichen Optionen – gegen wen, lässt das Unternehmen jedoch offen.

Prüfen will auch der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn: „Bei Impfstoffen müssen wir das Instrument der Ausschreibungen überprüfen“, sagte er. "Generell wollen wir für steigende Impfquoten sorgen. Das sollte ein zentraler Teil unserer Neuregelungen bei der Prävention sein."


Kirsten Sucker-Sket


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