Impfstoffversorgung

Hamburg setzt auf Lösung am Runden Tisch

Hamburg - 19.09.2012, 18:06 Uhr


In Hamburg wird am Donnerstagabend ein zweiter „Runder Tisch Grippeimpfstoffversorgung 2012/13“ stattfinden. Vertreter der Kassen, Ärzte, des MDK Nord, der Behörden, der Firma Novartis Vaccines werden dabei sein - und des Apothekervereins Hamburg. Dieser sieht noch einigen Klärungsbedarf, nachdem nunmehr auch Optaflu, Fluad und Begripal mit Kanüle als rabattierte Impfstoffe vereinbart sind.

Eigentlich sollte der Ausschreibungsgewinner in Schleswig-Holstein und Hamburg den Grippeimpfstoff Begripal ohne Kanüle liefern – doch bekanntlich bestehen Lieferschwierigkeiten. Der Impfstoff wird Novartis zufolge nicht vor Anfang November zur Verfügung stehen. Mit der AOK NordWest sich das Unternehmen nun aber über ergänzende Verträge darauf geeinigt, dass auf andere Impfstoffe von Novartis zurückgegriffen werden soll, die nun ebenfalls rabattiert werden. Laut einem aktuellen Fax-Info des Hamburger Apothekervereins sehen Novartis-Mitbewerber diese Ausweitung der Rabattvereinbarung kritisch. Rechtliche Schritte hiergegen seien bereits in Vorbereitung.

Der Apothekerverein verweist erneut darauf, dass lediglich das nur in geringen Mengen verfügbare Begripal mit Kanüle die pharmakologischen Anforderungen der Ausschreibung erfüllt. Sowohl Optaflu als auch Fluad haben keine Zulassung für Kinder ab sechs Monaten. Zudem ist Fluad adjuvantiert – das sollte es laut Ausschreibung gerade nicht sein.

„Gegen Impfstoffe mit Adjuvanz und gegen den massenhaften Einsatz von Optaflu wurden in der Vergangenheit wiederholt fachliche Bedenken vorgetragen, die im Internet bei entsprechenden Recherchen auch zu finden sind“, heißt es im Info-Fax des Apothekervereins. Auf Nachfrage habe Novartis Vaccines erklärt, dass aus ihrer Sicht die vorgetragenen Bedenken aus der Vergangenheit für die aktuellen Produkte nicht mehr zutreffen. Schließlich werde die – für Optaflu immer noch ausstehende – Zulassung attestieren, dass die Impfstoffe den Anforderungen und Standards entsprechen. Das für die nationale Freigabe zuständige Paul-Ehrlich-Institut hat bislang keine Bedenken wegen der besonderen biotechnologischen Produktionsweise von Optaflu geäußert.

Der Apothekerverein kritisiert, dass Novartis die Apotheken nun zu einer schnellen Umbestellung drängt. Dies sollte jedoch keinesfalls ohne Rücksprache mit dem Arzt erfolgen, heißt es im Info-Fax. Überdies fehle den Apotheken für das notwendige fachliche Gespräch mit dem Arzt aktuelles Informationsmaterial zu den nun neu rabattierten Impfstoffen. Novartis Vaccines stimme einer schnellen Ausgabe dieser Informationen zwar grundsätzlich zu – zugleich erkläre das Unternehmen aber, derzeit noch heilmittelwerberechtlich daran gehindert zu sein. Hintergrund ist das Verbot, für (noch) nicht zugelassene Arzneimittel fachlich zu werben. 

Aus Apotheken sei nun zu erfahren, dass der Außendienst von Novartis Vaccines mit einer veralteten Fachinformation für Optaflu der Saison 2010/11 arbeite. Dazu merkt der Apothekerverein an, dass es im letzten Jahr keinen nennenswerten Einsatz von Optaflu in der Fläche gegeben habe. Nach Auskunft von Novartis sei lediglich eine kleine Menge probeweise hergestellt worden.

Klar ist bislang immerhin eins: Für Kinder und Jugendliche können bis zur Lieferfähigkeit von Novartis alle geeigneten und verfügbaren Grippeimpfstoffe verordnet und geliefert werden.

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Kirsten Sucker-Sket


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