Runder Tisch Impfstoffversorgung

Enttäuschte Hoffnungen in Hamburg

Hamburg - 21.09.2012, 16:35 Uhr


Keine Entschärfung im Streit um Grippeimpfstoffe: Die gestrige zweite Gesprächsrunde am Runden Tisch hat der Hamburger Apothekerverein enttäuscht verlassen müssen. Die Krankenkassen hätten sich nicht entschließen können, die Impfstoffverordnung freizugeben, bis der Ausschreibungsgewinner Novartis seine Ersatzimpfstoffe zur Verfügung stellen kann, schreibt der Verein heute in einer Fax-Info an seine Mitglieder.

Damit müssen gesetzlich versicherte Erwachsene in Hamburg und Schleswig-Holstein weiterhin Geduld haben, wenn sie sich gegen Grippe impfen lassen wollen. Der von der Novartis Vaccines Vertriebs GmbH für die kommende Woche angekündigte Ersatzimpfstoff Optaflu ist nach wie vor nicht behördlich zugelassen. Dennoch geht der Hersteller davon aus, dass die Zulassung und Freigabe „in wenigen Tagen“ erfolgen können – doch ganz sicher ist man nicht: Gegebenenfalls könne es auch einige Wochen dauern. Die Stammanpassung des zweiten – adjuvantierten – Ersatzimpfstoffes Fluad ist zwar vom Paul Ehrlich Institut genehmigt – allerdings ist er nur für Patienten über 65 Jahre zugelassen. Novartis erklärte gestern, er solle ab der 40. Kalenderwoche ausgeliefert werden. Auch Begripal mit Kanüle soll bald als Ersatzimpfstoff zur Verfügung stehen. Überraschend wurde gestern sogar ins Spiel gebracht, dass auch Begripal ohne Kanüle – der ursprüngliche Gewinner-Impfstoff – das Rennen machen und zuerst ausgeliefert werden könnte.

Für den Hamburger Apothekerverein ist diese Situation für eine seriöse Impfstoffauslieferung unzumutbar. Klarheit besteht damit weiterhin nur für Kinder und Jugendliche: Solange das für sie zugelassene Begripal nicht verfügbar ist, können sie mit Impfstoffen anderer Hersteller versorgt werden. 

Laut Fax-Info des Apothekervereins war es gestern das Hauptanliegen der anwesenden Kassenvertreter, Zweifel an der Zuverlässigkeit von Optaflu auszuräumen. Die sofortige Lieferung der Impfstoffe stand für sie im Hintergrund. Die Vertreter von Novartis und des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen betonten, dass neuere Erkenntnisse die alten Zweifel nicht bestätigten. Schließlich werde mit den noch zu erlangenden Zulassungen die Unbedenklichkeit behördlich attestiert.

Indessen hat sich auch Novartis-Konkurrent GlaxoSmithKline in die Angelegenheit eingeschaltet. Gestern ging an die AOK NordWest ein Schreiben, in dem der Kasse Verstöße gegen das Vergaberecht vorgehalten werden. Es seien Rabattverträge mit Novartis abgeschlossen worden, die einer öffentlichen Ausschreibung bedurft hätten. Denn die nun ebenfalls rabattierten Ersatzimpfstoffe entsprechen nicht den ursprünglichen Ausschreibungskriterien. GlaxoSmithKline fordert die AOK daher auf, den vergaberechtswidrigen Zustand unverzüglich zu beseitigen. Zudem seien Apotheken, Kassen und Ärzte in Schleswig-Holstein und Hamburg hierüber zu informieren – auch darüber, dass die Impfstoffe nun frei gewählt werden könnten. Sollte die Kasse nicht bis heute 17 Uhr hinreichende Abhilfe schaffen, behalte man sich vor, weitere rechtliche Schritte einzuleiten.


Kirsten Sucker-Sket


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