SCHWEIZER APOTHEKEN

netCare: Arztbesuch im Hinterzimmer

Berlin - 04.04.2012, 14:33 Uhr


Seit Beginn dieses Monats müssen viele Schweizer Patienten nicht mehr in überfüllten Wartezimmern auf ihren Arztbesuch warten. In den 200 netCare-Apotheken können Kunden nun direkt per Videoschaltung einen Arzt konsultieren und nach erfolgter Ferndiagnose ein Rezept ausgestellt bekommen. Anschließend erhalten sie das verschriebene Arzneimittel in der Apotheke. An dem netCare-Projekt sind der Schweizerische Apothekerverband pharmaSuisse, das Schweizer Zentrum für Telemedizin Medgate und der Krankenversicherer Helsana beteiligt.

Durch das neue Konzept erhoffen sich die Initiatoren für die Bevölkerung einen verbesserten Zugang zu Basis-Gesundheitsdienstleistungen. Schätzungen zufolge wird die Zahl der Schweizer Hausärzte künftig abnehmen. Deshalb sollen Apotheken gezielt in die medizinische Grundversorgung eingebunden werden.

Vorgesehen ist, dass zu Beginn der netCare-Konsultation ein speziell geschulter Apotheker abklärt, wie dem Patienten geholfen werden kann. Beispielsweise händigt der Apotheker dem Kunden entweder ein nicht-verschreibungspflichtiges Arzneimittel aus oder empfiehlt ihm einen Arzt zu Rate zu ziehen. Das Gespräch mit dem Arzt kann über eine Videoschaltung in einem abgetrennten Raum direkt in der Apotheke stattfinden. Anschließend kann der Arzt ein Rezept ausstellen und es umgehend der Apotheke senden. So kann der Apotheker das Arzneimittel dem Patienten aushändigen und ihn entsprechend beraten. Am Ende der ärztlichen Beratung kann auch die Empfehlung für ein nicht rezeptpflichtiges Medikament oder eine Überweisung an einen Arzt oder ein Krankenhaus stehen. Drei bis sieben Tage nach der Konsultation ruft eine medizinische Fachperson den Patienten an und erkundigt sich nach dessen Befinden.

Die bewährten Beratungsleistungen in der Apotheke bleiben weiterhin kostenlos, betonen die Initiatoren in einer gemeinsamen Erklärung. Erst bei vertieften Abklärungen durch den Apotheker und im Falle einer Videoschaltung würden die moderaten Kosten den Patienten in Rechnung gestellt, heißt es weiter. Für einen Großteil der bei der Helsana-Gruppe Versicherten sei die Dienstleistung kostenlos.

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Svenja Schwob


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