FDP Führungskrise

Rösler Favorit für FDP-Chefsessel

04.04.2011, 09:34 Uhr


Zum ersten Mal könnte ein amtierender Gesundheitsminister Parteichef werden: Nach dem erzwungenen Rückzug von Guido Westerwelle gilt Philipp Rösler als Favorit für den Chefposten in der FDP. Am Tag eins nach der zehnjährigen Ära Westerwelle versucht die FDP noch heute, ihre Parteispitze neu aufzustellen.

In der FDP-Zentrale ist dazu am Vormittag eine dreistündige Präsidiumssitzung angesetzt. Westerwelle will beim Parteitag Mitte Mai in Rostock nicht erneut für den Vorsitz kandidieren. Erwartet wird, dass bei der Sitzung bereits die Weichen für die neue Parteiführung gestellt werden. Die endgültige Entscheidung soll Dienstag fallen, wenn sich die Parteispitze mit der FDP-Bundestagsfraktion trifft. Neben Westerwelle steht auch die Zukunft von Birgit Homburger als FDP-Fraktionsvorsitzende und von Rainer Brüderle als Bundeswirtschaftsminister zur Disposition.

Favorit für den FDP-Vorsitz ist Gesundheitsminister Philipp Rösler. Unklar ist jedoch, ob der 38-Jährige dann Gesundheitsminister bleiben kann und will. Gesundheitsminister zählen traditionell auf der politischen Popularitätsskala nicht zu den Lieblingen der Nation. Als Parteichef müsste Rösler jedoch für die FDP in Wahlkämpfen als Zugpferd taugen. Das passt nicht zusammen.

Andererseits waren in der Vergangenheit bis auf Guido Westerwelle alle Außenminister bei den Bürgern sehr beliebt. Das galt sogar für Joschka Fischer bis weit hinein ins bürgerliche Lager. Auch das spricht dafür, dass Westerwelles Tage als Außenminister gezählt sind. Rösler könnte aber auch Bundeswirtschaftsminister Brüderle verdrängen und als Vize-Kanzler im Kabinett sitzen.

Ein weiterer möglicher Kandidat für die Westerwelle-Nachfolge ist FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Eine Übergangslösung an der FDP-Spitze mit der 59-Jährigen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gilt dagegen als unwahrscheinlich.

Der Vorsitzende des mitgliederstärksten FDP-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen, Daniel Bahr, hat nach dem Rückzug Westerwelles weitere personelle Konsequenzen gefordert. Beim Parteitag im Mai gehe es um die Neuaufstellung der gesamten Führungsspitze, dies erwarte auch die Basis, sagte Bahr im Deutschlandfunk. „Wir müssen die gesamte Mannschaftsaufstellung finden“, sagte Bahr, der selbst als Nachfolger von Rösler im Gesundheitsministerium im Gespräch ist.


Lothar Klein