Schweizer Generikapreise deutlich über EU-Niveau

Preisüberwacher fordert deutsches Festbetragssystem

Berlin - 22.12.2010, 10:29 Uhr


In der Schweiz sind die Preise für Originalpräparate zwar leicht gesunken. Generika sind aber weiterhin deutlich teurer als in Deutschland.

Laut einer aktuellen Studie sind die schweizer Preise für Generika-Medikamente immer noch 46 Prozent höher als im Ausland. Die Branche begründet dies unter anderem mit falschen Anreizen und dem breiteren Angebot. Dies ergab ein Vergleich des Krankenversicherungsverbands Santésuisse und der Branchenverbände Interpharma und Vips mit den EU-Ländern Deutschland, Dänemark, den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich und Österreich.

Eine Preisnivellierung erlebten laut Studie vor allem die Original-Präparate. Dort liegen die Schweizer Herstellerpreise noch sechs Prozent über den Durchschnittspreis der ausgewählten EU-Länder. Untersucht wurden hier die 200 umsatzstärksten patentgeschützten Originalmedikamente. Im Vorjahr hatte die Differenz noch neun Prozent betragen. Vor 4 Jahren waren sie noch 40 Prozent teurer gewesen.

Bei den 250 umsatzstärksten Generika hingegen liegen die Preise noch immer 46 Prozent über dem ausländischen Durchschnitt. 2009 hatte der Unterschied noch 52 Prozent betragen, wie Christoph Stoller, Vorstandsmitglied beim Branchenverband Intergenerika, im Schweizer Radio DRS erklärte.

Stoller begründete den Unterschied unter anderem mit den Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit, wonach beim Generikum von allen Dosierungen alle Packungsgrößen und alle Formen angeboten werden müssten wie beim Originalpräparat. So seien auch unrentable Produkte im Angebot, während man sich etwa in Deutschland auf die „Verkaufsrenner“ beschränken könne.

Als „weiterhin massiv überhöht" kritisierte der staatliche Preisüberwacher Stefan Meierhans die schweizer Generikapreise. Die Ursache dafür sei das „Anhängen" der Generikapreise an die

Preise „überhöhter" Originalpräparate. Diesen Missstand gelte es zu beseitigen. Deshalb setze er sich seit gut einem Jahr für die Einführung des deutschen Festbetragssystems ein. Dieses dynamische System beinhalte Anreize für Generikahersteller und Anbieter patentabgelaufener Originale zur ständigen Reduzierung ihrer Preise.


Lothar Klein


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