Neuer Auslandspreisvergleich

Warum Generika in der Schweiz so teuer sind

Remagen - 29.04.2019, 11:30 Uhr

In der Schweiz liegt der Generika-Anteil bei gerade einmal 23 Prozent. Das zeigt der neue Auslandspreisvergleich. Und: Originalpräparate sind in Deutschland teurer als in der Schweiz. (r / Foto: Schlierner/stock.adobe.com)

In der Schweiz liegt der Generika-Anteil bei gerade einmal 23 Prozent. Das zeigt der neue Auslandspreisvergleich. Und: Originalpräparate sind in Deutschland teurer als in der Schweiz. (r / Foto: Schlierner/stock.adobe.com)


Generika sind in der Schweiz immer noch doppelt so teuer wie in neun anderen Ländern. Das zeigt der zehnte gemeinsame Auslandpreisvergleich, den der Kassenverband santésuisse und der Pharmaverband Interpharma jetzt präsentiert haben. Mit der Einführung des Referenzpreissystems und einer Senkung der Vertriebsmargen ließe sich viel sparen, meinen die Krankenversicherer.

Die Schweiz gilt insgesamt als „teures „Pflaster“. Das triff auch auf Arzneimittel zu. Um die Preise unter Kontrolle zu behalten, führen der Krankenversicherungsverband santésuisse und der Branchenverband der forschenden Pharmaindustrie Interpharma seit zehn Jahren alljährlich einen Auslandspreisvergleich durch. In diesen werden neun europäische Länder einbezogen: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Österreich und Schweden. Der Vergleich wird auf Basis der Fabrikabgabepreise vorgenommen, und zwar getrennt für patentgeschützte (wertmäßiger Marktanteil: 56 Prozent), und patentabgelaufene Medikamente sowie für Generika (Marktanteile von 21 bzw. 23 Prozent). In diesen Tagen haben santésuisse und Interpharma der Presse die Ergebnisse des aktuellen Auslandspreisvergleichs präsentiert.

Bei Originalpräparaten schmilzt die Preisdifferenz

Nach den Ergebnissen des aktuellen Vergleichs liegt das Preisniveau der rund 250 umsatzstärksten, patentgeschützten Originalpräparate der Spezialitätenliste (Erstattungsliste) in den europäischen Vergleichsländern um 7 Prozent niedriger als in der Schweiz (stand April 2019, angewandter Wechselkurs Schweizer Franken/Euro: 1.11). Die Preisdifferenzen zum Ausland haben gegenüber dem Vorjahr weiter abgenommen. Als wichtigste Gründe für das Schmelzen der Differenz werden die Wechselkursentwicklung und die regelmäßigen Preisüberprüfungsrunden durch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) angegeben. „Bei den regulären Preissenkungen 2017/2018 wurden rund 325 Millionen Franken eingespart“, erklärt dazu der Geschäftsführer von Interpharma René Buholzer. „Zusätzlich fielen durch weitere Preissenkungen nochmals Einsparungen in der Höhe von 105 Millionen Franken an. Die Pharmaindustrie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Dämpfung der Gesundheitskosten.“

Patentabgelaufene Originalpräparate in Deutschland teurer als in der Schweiz

Der Vergleich bei den patentabgelaufenen Originalpräparaten und den Generika, der auf den rund 250 umsatzstärksten patentabgelaufenen Wirkstoffen beruht, fällt jedoch deutlich anders aus (Stand Februar 2019). So sind patentabgelaufene Originalpräparate in den Vergleichsländern im Schnitt 14 Prozent günstiger als in der Schweiz. In Deutschland sind sie übrigens nach dem Ranking der Länder um rund 20 Prozent teurer.



Dr. Helga Blasius (hb), Apothekerin
redaktion@daz.online


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