Arzneimittel und Therapie

Migräne als kardio­vaskulärer Risikofaktor?

Kohortenstudie findet Assoziation

Dass Migränepatienten einem erhöhten Risiko für ischämische Schlaganfälle und Myokardinfarkte ausgesetzt sind, ist bereits seit Längerem bekannt. Nun hat eine Forschergruppe der dänischen Universität Aarhus in einer großen populationsbasierten Kohortenstudie die Zusammenhänge zwischen Migräne und dem Risiko anderer kardiovaskulärer Erkrankungen prospektiv untersucht.

Dazu wurden 51.032 Patienten nach der Erstdiagnose einer Migräne hinsichtlich des Auftretens eines kardiovaskulären Ereignisses über einen Zeitraum von 19 Jahren beobachtet. Diese wurden mit einer nach Alter und Geschlecht angepassten Kohorte aus der dänischen Allgemeinbevölkerung verglichen, die aus 510.320 Personen ohne Mi­gräne bestand. In beiden Gruppen wurden nur Personen ohne bisher diagnostizierte Herz-Kreislauf-Erkrankungen berücksichtigt. Das Risiko für Myokardinfarkt, ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfall, venöse Thromboembolien, Vorhoffflimmern und -flattern war bei den Migränepatienten gegenüber der Vergleichsgruppe signifikant erhöht. Diese Erhöhung zeigte sich am deutlichsten im ersten Jahr nach der Diagnosestellung; das Schlaganfallrisiko zum Beispiel war in diesem Zeitraum gegenüber dem der Allgemeinbevölkerung um das Achtfache erhöht. Die Unterschiede waren bei Frauen stärker ausgeprägt als bei Männern und beim Auftreten einer Aura größer als bei Migräne ohne Aura. Bezüglich peripherer arterieller Verschlusskrankheit oder Herzinsuffizienz konnten keine Unterschiede zwischen den beiden Gruppen festgestellt werden. Insgesamt war die Häufigkeit kardiovaskulärer Ereignisse gering, was auf das geringe Durchschnittsalter der Probanden (35 Jahre im Median bei Studienbeginn) zurückzuführen ist. So betrug die kumulative Inzidenz für das Auftreten eines Myokardinfarkts über den gesamten Beobachtungszeitraum 25 Fälle pro 1000 Personen (17 in der Vergleichsgruppe) und für einen ischämischen Schlaganfall 45 bzw. 25 Ereignisse. Die genauen Zusammenhänge zwischen Migräne und dem Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse bleiben auch nach dieser Studie unklar, sodass weitere Untersuchungen dringend erforderlich sind. Es ist nicht bekannt, ob die Migräne selbst das Risiko kardiovaskulärer Ereignisse erhöht oder ob es andere Faktoren gibt, die die Entstehung beider Krankheitsbilder begünstigen. Auch die Frage, ob eine Reduktion von Häufigkeit und Intensität der Migräneepisoden auch das kardiovaskuläre Risiko des Migränepatienten senkt, ist offen. In jedem Fall muss die Mi­gräne als kardiovaskulärer Risikofaktor der bei Erstdiagnose meist noch relativ jungen Patienten ernst genommen werden. |

Quelle

Adelborg K et al: Migraine and risk of cardiovascular diseases: Danish population based matched cohort study. BMJ 2018;360:k96

Apothekerin Dr. Julia Podlogar

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