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Das Pharmazie­studium neu gestalten

Forderungen der Bayerischen Akademie für Klinische Pharmazie

Der Bundesverband der Pharmaziestudierenden in Deutschland (BPhD) hat Anfang des Jahres ein „Thesenpapier zur Bewertung und Überarbeitung der Approbationsordnung und Verbesserung des Pharmaziestudiums“ vorgelegt (s. DAZ 2017, Nr. 2, S. 17). Nun gab die Bayerische Akademie für Klinische Pharmazie (BA KlinPharm) das nachfolgende Statement dazu ab, das wir im Wortlaut veröffent­lichen:

Die Bayerische Akademie für Klinische Pharmazie (BA KlinPharm) begrüßt das „Thesenpapier zur Bewertung und Überarbeitung der Approbationsordnung und Verbesserung des Pharmaziestudiums“ des Bundesverbandes der Pharmaziestudierenden in Deutschland e. V.

Viele der darin genannten Ansätze sind sinnvoll und teilweise längst überfällig. Im Speziellen gilt es zu nennen: die Ausweitung/Vertiefung der Fächer Klinische Pharmazie und Pharmakotherapie, Pharmakologie und Toxikologie sowie der Anatomie und Physiologie, auch weil diese eine unerlässliche Basis für die heilberuf­liche Arbeit und Kommunikation mit der Ärzteschaft und den Patienten sind.

Die Klinische Pharmazie ist das Bindeglied zwischen der isolierten Betrachtung des Arzneimittels hin zur angewandten Pharmakotherapie durch den einzelnen Patienten. Die ­Fokussierung auf den individuellen Patienten und seine Therapie hat hinsichtlich der Therapieeffektivität und -sicherheit in den letzten Jahren – sowohl im ambulanten wie auch im stationären Bereich –, zunehmend an Bedeutung gewonnen. Auch vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung, mit immer komplexer werdenden therapeutischen Anforderungen, und aus gesundheitsökonomischen Aspekten müssen und wollen wir Apotheker in Zukunft noch mehr Mitverantwortung in der Arzneimitteltherapie übernehmen.

Eine Anpassung der Studieninhalte an bereits bestehende und zukünftige Anforderungen an den Berufsstand ist somit erforderlich, um die Berufs­fähigkeit durch das Studium auch in ­Zukunft gewährleisten zu können.

Die interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit, die inter­national zum Teil bereits Standard ist, muss gefördert werden (vgl. auch „Standards zur universitären Ausbildung im Fach Klinische Pharmazie“ der Fachgruppe für Klinische Pharmazie der Deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft e. V. aus dem Jahr 2015, www.dphg.de/fileadmin/pharmazie2020/StandardsKlinPharmazie_%2011-2015.pdf). Die Grundlagen hierfür müssen bereits im Studium ­geschaffen werden. Folglich muss auch die heilberufliche Kommunikation Bestandteil der Ausbildung werden. Die Kommunikationskompetenz, also die „sprechende Pharmazie“, in der Ausbildung zu fördern, ist nicht zuletzt Inhalt der „Allianz für Gesundheitskompetenz“ des Bundes­ministeriums für Gesundheit.

Daneben müssen auch das selbstständige wissenschaftliche Arbeiten sowie ein sicherer Umgang mit digitalen ­Lösungen, die zunehmend Einzug in das Gesundheitssystem erhalten, im Rahmen des Studiums etabliert und gefördert werden.

Die bestehenden Studieninhalte, u. a. Allgemeine Chemie, Pharmazeutische Analytik, Pharmazeutische Biologie usw. haben selbstverständlich ihre ­Berechtigung in der Ausbildung zum Apothekerberuf, können aber sicherlich aktualisiert und zeitlich gestrafft werden. Eine umfassende Anpassung des Studiums an die aktuellen Erfordernisse erscheint im Rahmen der bestehenden Approbationsordnung jedoch nicht möglich. Vielmehr ist eine Verlängerung der Studiendauer mit Verstärkung/Vertiefung der Fächer Klinische Pharmazie, Pharmakologie und Toxikologie sowie Anatomie und Physiologie unumgänglich.

Die Bayerische Akademie für Klinische Pharmazie fordert daher eine Verlängerung des Pharmaziestudiums in Deutschland um ein Jahr, um den aktuellen und zukünftigen Anforderungen – die auch im Perspektiv­papier 2030 der ABDA formuliert sind – gerecht zu werden.

Durch die Verlängerung der Studiendauer und einer Anpassung der bereits bestehenden Studieninhalte ­entspräche das deutsche Pharmaziestudium dann dem internationalen Standard und würde zudem die Berufschancen der Pharmazeuten mit deutschem Studienabschluss auf dem europäischen Arbeitsmarkt verbessern. |

Vorstand und Wissenschaftlicher Beirat der Bayerischen Akademie für Klinische Pharmazie

Zum Weiterlesen

Die DAZ veröffentlichte im Nachgang zum Thesenpaper des BPhD einen „Schwerpunkt Ausbildung: Pharmaziestudium entrümpeln“ in DAZ 2017, Nr. 5, S. 22

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