Aus den Ländern

Becker fordert Extra-Honorar für Cannabis-Abgabe

Mitgliederversammlung des LAV Baden-Württemberg

STUTTGART (jb) | In der Mitgliederversammlung des Landesapothekerverbandes Baden-Württemberg, die am 19. Juli in Stuttgart stattfand, ließ Präsident Fritz Becker den großen Hammer zwar aus – vergangenes Jahr hatte er recht deutliche Worte dafür gefunden, dass Apo­theker mit lukrativen Großhandelsgeschäften mitschuldig an der Engpass-Misere sind. Die politischen Geschehnisse des vergangenen Jahres zu kommentieren, ließ er sich aber natürlich nicht nehmen.

Becker streifte in seinem Bericht u. a. das AMVSG, das EuGH-Urteil, das er als Tiefpunkt des Jahres 2016 bezeichnete, und den DocMorris-Automaten in Hüffenhardt – eine Klage des Verbandes hatte letztendlich zur Schließung geführt. „Das Ding ist zu, und das ist das Wichtigste. Und das Ding muss auch zu bleiben“, sagte Becker. An dieser Front werde man weitermachen. Auch wenn das eigentlich Aufgabe der Kammer gewesen sei, wie er später gegenüber DAZ.online erklärte.

Foto: LAV BW
Mitglieder des LAV Baden-Württemberg …

Honorar für Dienstleistungen gesetzlich regeln

Eines der nächsten großen Ziele sei dann die Änderung des SGB V dahingehend, dass Apotheker mit den Krankenkassen Dienstleistungen abrechnen können. Das werde auch ein Thema auf dem Deutschen Apothekertag in Düsseldorf sein, so Becker. „Wir brauchen einen ordnungspolitischen Rahmen, Dienstleistungen honoriert zu bekommen“, erklärte er. Auch die Arzneimittelpreisverordnung müsse in diese Richtung weiterentwickelt werden.

Foto: LAV BW
… während der Jahresversammlung am 19. Juli.

Kurzfristig gelte es, eine Regelung zu finden, den Aufwand bei der Cannabis-Abgabe in irgendeiner Weise zu vergüten. Diesbezüglich werde bereits verhandelt ebenso wie über die Hilfstaxe und die Substitutionstherapie. Bei Letzterer können Apotheker seit Kurzem bei der Sichtvergabe mehr in die Pflicht genommen werden. Becker sieht darin erste Schritte, dass Apotheker in Zukunft nicht mehr nur am Arzneimittel Geld verdienen. „Das Arzneimittel muss in den Hintergrund rücken“, so Becker.

Foto: LAV BW
Fritz Becker

Außerdem stellte der LAV im Rahmen der Veranstaltung die Zahlen der Fachabteilung Taxation vor. Demnach wurde fast jeder zweite Retax-Euro von den Krankenkassen zurückgeholt. So waren im Jahr 2016 in Baden-Württemberg 13.266 von den Kassen be­anstandete Rezepte geprüft worden. Insgesamt bearbeiteten die Experten 6688 Retaxationen, und damit mehr als im Vorjahr (mehr dazu: AZ 2017, Nr. 30, S. 1: „Jede zweite Retaxation unberechtigt“).

Zum Schluss der Mitgliederversammlung wurden drei langjährige Mitglieder für ihre Verdienste um den LAV bzw. um die Apothekerschaft geehrt. Zwei Ehrenmitgliedschaften und eine Ehrennadel wurden vergeben:

  • Der Stuttgarter Apotheker Wolf Kümmel und der Mannheimer Kollege Theo Reinert erhielten die Ehrenmitgliedschaft des LAV. Sie sparen sich nun die Beiträge, wie Becker scherzhaft erklärte.
  • Die Ehrennadel des Verbandes ging an Dr. Manfred Tillwich, Arzt und Apotheker aus der Region Schwarzwald-Nord. |

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