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Beratung

Soweit die Puste reicht

Asthma-Selbstcheck mit dem Peak-Flow-Meter

Effektives Management verringert die Anzahl beklemmender Asthmaanfälle und führt zu einer erhöhten Lebensqualität der Patienten. Eine wichtige Rolle hierbei spielt die regelmäßige Messung und Dokumentation des Peak-Flows, des stärksten aus den Lungen ausgestoßenen Luftstroms am Beginn einer schnellen und starken Ausatmung. Innerhalb einer Asthmaschulung können Betroffene ausführlich die Anwendung eines Peak-Flow-Meters erlernen. Die Bestimmung des Spitzenflusses ermöglicht dem Arzt eine gute Kontrolle der Krankheit und ihrer Therapie. Der Patient selbst kann mithilfe des Ampelschemas leicht erkennen, ob sein Zustand im grünen Bereich liegt oder aber Alarmstufe rot und somit eine Notfallsituation besteht. | Von Ines Winterhagen

Die Peak-Flow-Messung ist eine wichtige Methode, mit welcher der Patient selbständig seine Lungenfunktion überprüfen, den Krankheitsverlauf und die Therapie kontrollieren sowie drohende Asthmaanfälle rechtzeitig feststellen kann. Hierzu gibt es einfach zu bedienende, handliche Peak-Flow-Meter für Kinder und Erwachsene. Diese Hilfsmittel bestehen aus einer Röhre, in der sich eine Scheibe befindet, die von einer geeichten Feder gehalten wird. Je stärker der Atemstoß, desto weiter wird die Feder gedehnt. Durch das Pusten gegen die Scheibe bewegt sich ein damit verbundener Zeiger und gibt den sogenannten Peak-Flow-Wert (Peak Expiratory Flow = PEF) in Litern pro Minute an. Jeder Patient mit Asthma oder COPD sollte im Rahmen des Selbstmanagements seiner Erkrankung den PEF regelmäßig bestimmen. Die richtige Anwendung des Peak-Flow-Meters ist dabei von entscheidender Bedeutung.

Anleitung zur Selbstmessung

Die korrekte Messung mit dem Peak-Flow-Meter (Abb. 1) erfordert eine praktische Unterweisung und einige Übung, denn nur wenn sie richtig absolviert wird, liefert sie zuverlässige Ergebnisse. Der PEF ist idealerweise regelmäßig morgens und abends zu messen, möglichst immer zur gleichen Tageszeit. Dabei sollte der Wert am Morgen gegenüber dem Abend zuvor nicht um mehr als zehn Prozent abweichen. Der Patient atmet so schnell und kraftvoll wie möglich in das Gerät aus. Die Messung wird insgesamt dreimal durchgeführt und der Bestwert sorgfältig in einem Protokoll dokumentiert. Der persönliche Normalwert lässt sich ermitteln, indem die Peak-Flow-Werte von zwei bis drei aufeinander folgenden beschwerdefreien Wochen gemittelt werden. Bei Beschwerden, z. B. Atemnot, ist eine Messung sowohl vor der Verwendung eines bronchienerweiternden Sprays als auch 10 bis 20 Minuten danach zu empfehlen.

Abb. 1: Peak Flow: Schritt für Schritt korrekt messen [nach www.atemwege.hexal.de/selbstkontrolle/peak-flow-meter]

Um dem Patienten eine Interpretation seiner gemessenen Werte zu ermöglichen, muss ihm detailliert erklärt werden, was unter dem PEF zu verstehen ist, welchen Nutzen die Messung hat und welche Aussage mit dem Ergebnis getroffen werden kann. Die Mitgabe von schriftlichem Informationsmaterial kann zu einem nachhaltigen Verständnis beitragen. Der Patient sollte auch eine regelmäßige Reinigung des Peak-Flow-Meters beachten. Verwendet dazu wird warmes Wasser, das im Anschluss vorsichtig vom Gerät abzuschütteln ist. Vor der nächsten Anwendung sollte das Peak-Flow-Meter vollständig trocken sein. Es darf nicht mit kochendem Wasser in Berührung kommen und sollte frei von Staub gehalten werden. Ein sorgfältiger Umgang erfordert nur ca. alle drei Jahre einen Austausch des Gerätes. Bei Gebrauch von Peak-Flow-Metern unterschiedlicher Firmen können sich die erzielten Messwerte unterscheiden, da die Hilfsmittel nicht geeicht sind.

Verschiedene Geräte

Zur Messung der Lungenfunktion sind unterschiedliche Peak-Flow-Meter erhältlich. Die als Standard bezeichneten Instrumente mit einem Messbereich von 80 – 800 l/min eignen sich zur Bestimmung der Lungenfunktion bei Erwachsenen, Geräte mit einem Niedrigmessbereich von 30 – 400 l/min dagegen speziell für Kinder, ältere Menschen und Patienten mit geringerer Ausatemkraft der Lunge. Peak-Flow-Meter (Tab.) können vom Arzt als Hilfsmittel auf Rezept verordnet werden.


Tab. 1: Peak-Flow-Meter und ihre Messbereiche – Beispiele
Gerätename
Messbereich
Besonderheiten
Peak Flow Meter Param, PZN 02025990
50 – 800 l/min
Keine Hilfsmittel-Positionsnummer vorhanden
Pari Peak Flow Meter, PZN 01589093
50 – 800 l/min
Erw., abnehmbares Mundstück, Ampelschema auf Gerät
Pari Peak Flow Meter Kids, PZN 01589070
50 – 800 l/min
Kdr., schmales Mundstück, abnehmbar; Ampelschema auf Gerät
Mini Wright Peak Flow Meter Standard Range (Fa. Beckmann), PZN 3955082
60 – 800 l/min
Kdr., Jugendliche, Erw.; abnehmbares Mundstück
Mini-Wright Peak Flow Meter Low Range mit Windmühle, PZN 03955099
30 – 400 l/min
Kleinkdr., abnehmbares Mundstück; aufsteckbare Windmühle zum spielerischen Erlernen des richtigen Ausatmungsstoßes
Mini-Wright Peak Flow Meter Low Range ohne Windmühle PZN 00158037
30 – 400 l/min
Kdr., Senioren, Erw. mit mittlerem - schwerem Asthma; abnehmbares Mundstück
Digital Peak Flow Meter eMini-Wright (Fa. Beckmann), mit USB-Schnittstelle: PZN 03064302; ohne USB-Schnittstelle: PZN 03064288
60 – 850 l/min
elektronisches Messgerät, speichert 240 Messwerte, Display-Anzeige von schlechten Werten
Peak Flow Meter universal (Fa. Vitalograph), PZN 11068521
50 – 800 l/min
für Kinder und Erw.; kann zu Übungszwecken auch von mehreren Patienten genutzt werden (z. B. im Krankenhaus oder in der Arztpraxis): Sicherheitsmundstücke mit Rückstromventil und Adapter als Zubehör erhältlich
Digital Peak Flow Meter asma-1TM (Fa. Vitalograph), PZN 06138283
PEF: 0 – 999 l/min
FEV1: 0 – 9,99 l
Messung von PEF und FEV1 (Einsekundenkapazität); digitale Anzeige; speichert 600 Messungen; für Kdr. und Erw. geeignet
my Spiro Sense (Fa. Pari)
PEF: 10 – 840 l/min
FEV1: 0,1 – 9,9 l
mobiles Patientenspirometer; integrierte Ampelfunktion;
kinderfreundliche, animierte Lernsoftware;
USB-Schnittstelle zum schnellen Auslesen der im Gerät gespeicherten Daten

Was sagt der Peak-Flow aus?

Referenztabellen mit Normwerten für Männer, Frauen und Kinder sind für den einzelnen Patienten wenig aussagekräftig. Sehr viel wichtiger ist der individuelle Normwert, der von Körpergröße, Geschlecht, Alter und Tageszeit (gerin­gere Werte morgens; Minimum zwischen 4 und 6 Uhr) abhängt. Die Bewertung der klinischen Situation erfolgt durch Vergleich des aktuellen PEF im Verhältnis zum persönlichen Normwert. Abfallende Peak-Flow-Werte weisen auf eine verschlechterte Lungenfunktion, Verengung der Bronchien und Atemnot hin. Ursachen hierfür können eine beginnende Infektion sowie eine unregelmäßige Medikamentenanwendung sein. Das rechtzeitige Feststellen einer bronchialen Konstriktion hilft, frühzeitig gegenzusteuern. Typisch für Asthmatiker ist der häufig wechselnde Schweregrad ihrer Beschwerden. Der Verengungsgrad ihrer Atemwege, also ihr Atemwegswiderstand, und damit auch ihre Peak-Flow-Werte schwanken oft hin und her (Peak-Flow-Variabilität). Für die Beurteilung einer Atemwegsverengung besitzen daher vor allem die Schwankungen der gemessenen Werte eine Bedeutung, nicht die einzelnen Absolutwerte an sich.

Bei COPD-Patienten treten meist weniger starke Veränderungen des Peak-Flows auf.

Frühwarnsystem: Das Ampelschema

Jeder Patient sollte einen Therapieplan besitzen, welcher das Selbst-Management beim Auftreten von Symptomen genau festhält. Das Ampelschema (siehe Abb. 2) ermöglicht dem Patienten, das gemessene Ausatmungsvolumen der entsprechenden Farbzone zuzuordnen und somit einen schnellen Überblick zu erhalten, wie er bei dem jeweilig ermittelten PEF-Wert vorgehen muss. Der Vergleich des aktuellen Wertes mit dem persönlichen Normwert erlaubt ihm die Kontrolle der Therapie: Liegt der gemessene PEF-Wert bei 80 – 100% des eigenen Normwertes, kann die bestehende Behandlung unverändert weitergeführt werden. Beträgt er 60 – 80%, ist sie nach Absprache mit dem Arzt zu ergänzen oder die Medikamentendosis zu erhöhen. Bei einem PEF-Wert unter 60% muss der Patient umgehend den Arzt konsultieren, denn ein derartiger Abfall der Mess­werte kann häufig bereits Tage vor dem vollständigen Auftreten der Asthmasymptome auf eine behandlungs­bedürftige Atemwegsobstruktion hindeuten.

Abb. 2: Das Ampelschema [nach Deutsche Atemwegsliga e. V.; www.atemwege.hexal.de/selbstkontrolle/ampelschema/]

In Aktion treten

Eigenkontrolle spielt bei Atemwegserkrankungen eine wichtige Rolle. Um Patienten im Umgang mit einem Peak-Flow-Meter zu schulen und die richtige Inhalationstechnik der einzelnen Medikamente zu trainieren, bieten sich Aktionen in der Apotheke an, bei denen Beratung, Tipps sowie Prävention beim Asthma bronchiale im Fokus stehen. Darüber hinaus können den Betroffenen zur Unterstützung der Peak-Flow-Messung kostenfreie Apps empfohlen werden. Diese täglichen Begleiter ermöglichen, Peak-Flow-Werte und Beschwerden auch unterwegs im Blick zu behalten. Sie helfen beim Führen des Asthma-Tagebuchs und liefern neben der grafischen Auswertung und dem Datenexport auch lokale Vorhersagen zu Pollen- und Feinstaubbelastung vor Ort.

Lungenfunktionsprüfung mit Spirometrie

Neben der Peak-Flow-Messung kommt die Spirometrie als ein weiteres Verfahren zur Lungen-Funktionsprüfung und Verlaufskontrolle bei Asthma oder COPD zum Einsatz. Sie wird beim Hausarzt durchgeführt und dient der Erfassung der persönlichen Ventilationsgrößen. Der Patient atmet über ein Mundstück ein und aus, wobei die Nase mit einer Nasenklemme verschlossen ist. Das Spirometer erfasst die Menge der geatmeten Luft sowie die Geschwindigkeit des Luftstroms. Von besonderem Wert ist die Einsekundenkapazität (FEV1 = forciertes expiratorisches Volumen in einer Sekunde), das Volumen, welches bei tiefstmöglicher Einatmung in einer Sekunde maximal ausgeatmet werden kann. Umso stärker die Bronchien verengt sind, desto mehr sinkt die Ausatemmenge.

Spirometrie zu Hause und in der Apotheke

Für eine schnelle und einfache Messung zu Hause gibt es mittlerweile auch mobile Patientenspirometer (z. B. my Spiro Sense, Fa. Pari oder Digital Peak Flow Meter asma-1TM, Fa. Vitalograph). Interessant in diesem Zusammenhang ist eine Studie, bei der rund 16.000 deutsche Apothekenkunden an einem Lungenfunktionstest teilnahmen [Kardos P et al.]. Anhand des Screenings in den involvierten Apotheken konnten wichtige Risikofaktoren (Atemnot, Asthma, COPD und Rauchen) für eine vorzeitige Lungenalterung identifiziert werden. Die Studienergebnisse zeigten eine erstaunliche Diskrepanz von zehn Jahren zwischen dem berechneten „Lungenalter“ und dem tatsächlichen Lebensalter. |

Literatur

Patientenberatung im Rahmen der Peak-Flow-Messung, Standardarbeitsanweisung (SOP) für die Apotheke, www.abda.de, Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis, Stand 07.2006

Kardos P et al. Pathophysiological Factors in the relationship between chronological age and calculated lung age as detected in a screening setting in community-dwelling subjects, Frontiers in Medicine, Volume 3, Article 2, February 2016

www.vitalograph.de, Stand 2012

www.pari.de

www.drbeckmann.de

www.param.de

www.luft-zum-leben.de, Fa. gsk, Stand 2016

www.atemwege.hexal.de/selbstkontrolle/ampelschema/, Stand 2016

http://www.daab.de/atemwege/die-peak-flow-messung/, Deutscher Allergie- und Asthmabund e. V., Stand 2016

www.lungenaerzte-im-netz.de

Autorin

Ines Winterhagen hat in Marburg Pharmazie studiert und ist seit der Approbation 2003 in der öffentlichen Apotheke tätig. Sie ist Fachapothekerin für Offizinpharmazie, Homöopathie und Naturheilkunde. In der Reihe „Beratungspraxis“, die im Deutschen Apotheker Verlag erscheint, schrieb sie die Bücher „Neurodermitis“ und „Psoriasis“. Sie ist Referentin und Mitglied im Weiter­bildungsausschuss der LAK Baden-Württemberg.

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