Arzneimittel und Therapie

Besser als Viagra und Co?

Neuer PDE-5-Hemmer Avanafil

In diesem Jahr kam mit Avanafil (Spedra®) nach Sildenafil, Vardenafil und Tadalafil der vierte Phosphodiesterase-5(PDE-5)-Hemmer auf den deutschen Markt. Der Wirkstoff wird ebenfalls zur Behandlung der erektilen Dysfunktion eingesetzt und zeichnet sich durch einen besonders schnellen Wirkeintritt aus. Eine Metaanalyse untersuchte Wirksamkeit und Sicherheit von Avanafil.

Der Vorteil von Avanafil im Vergleich zu den anderen PDE-5-Hemmern liegt im schnellen Wirkungseintritt und in der hohen Selektivität. Maximale Plasmaspiegel von Avanafil werden innerhalb von 30 bis 45 Minuten erreicht, die Halbwertszeit beträgt sechs bis 17 Stunden. Im Vergleich:

  • Avanafil (Spedra®): 30 bis 45 Minuten, HWZ: sechs bis 17 Stunden
  • Sildenafil (Viagra®): 30 bis 120 Minuten (Mittel: 60 Minuten), HWZ: drei bis fünf Stunden
  • Tadalafil (Cialis®): 120 Minuten, HWZ: 17,5 Stunden („weekend pill“)
  • Vardenafil (Levitra®): 30 bis 120 Minuten (Mittel: 60 Minuten), HWZ: vier bis fünf Stunden

Daneben wirkt Avanafil höchst selektiv auf die Phosphodiesterase 5. Seine Wirkung auf die PDE-5 ist deutlich stärker als auf andere bekannte Phosphodiesterasen. Die um den Faktor von etwa 20.000 höhere Selektivität für die PDE-5 im Vergleich zur PDE-3 ist wichtig, da die PDE-3, ein in Herz- und Blutgefäßen vorkommendes Enzym, an der Kontrolle der Herzkontraktilität beteiligt ist. Im Vergleich:

  • Avanafil: 20.000-fach höhere Selektivität gegenüber der PDE-5 als der PDE-3
  • Sildenafil: > 4000-fach höhere Selektivität gegenüber der PDE-5 als der PDE-3
  • Tadalafil: > 10.000-fach höhere Selektivität gegenüber der PDE-5 als der PDE-3
  • Vardenafil: > 1000-fach höhere Selektivität gegenüber der PDE-5 als der PDE-3

Auch die über 100-fach höhere Selektivität von Avanafil für die PDE-5 gegenüber der PDE-6 ist klinisch bedeutsam, da letztere in der Retina vorkommt und dort für die Phototransduktion verantwortlich ist. Verändertes Farbsehen wie z.B. bei Sildenafil wird durch eine Inhibition der PDE-6 verursacht. Im Vergleich:

  • Avanafil: > 100-fach höhere Selektivität gegenüber PDE-5 als der PDE-6,
  • Sildenafil: 10-fach höhere Selektivität gegenüber PDE-5 als der PDE-6
  • Tadalafil: > 700-fach höhere Selektivität gegenüber PDE-5 als der PDE-6,
  • Vardenafil: > 15-fach höhere Selektivität gegenüber PDE-5 als der PDE-6,
Bild 184140: 9_NA_ck_Avanafil
Im Endothel der Blutgefäße wird unter anderem Stickstoffmonoxid (NO) gebildet, das bei einer sexuellen Erregung zu einer cGMP-vermittelten Erschlaffung der glatten Muskulatur im Schwellkörper und damit zu einem gesteigerten Bluteinstrom im Penis führt. Hierdurch wird eine Erektion hervorgerufen. Der Spiegel an cyclischem Guanosinmonophosphat (cGMP) wird über die Syntheserate aus Guanosintriphosphat (GTP) durch Guanylatcyclase und über den Abbau durch die Phosphodiesterase 5 (PDE 5) geregelt, die zur Bildung von inaktivem Guanosinmonophosphat (GMP) führt. PDE-5-Inhibitoren vermindern den Abbau von cGMP und verstärken dadurch die Wirkung von NO. Avanafil hat bei fehlender sexueller Stimulation keine Wirkung.

Vier randomisierte klinische Studien mit insgesamt 1381 Patienten wurden in der Metaanalyse berücksichtigt. Dabei wurde Avanafil in Dosierungen von 100 und 200 mg mit Placebo verglichen. Avanafil in einer Dosierung von 100 mg war deutlich wirksamer als Placebo sowohl im Hinblick auf eine erfolgreiche vaginale Penetration (odds ratio 5,06) als auch auf einen erfolgreichen Geschlechtsverkehr (odds ratio 3,99). Studienabbrüche aufgrund von Nebenwirkungen waren in Verum- und Placebo-Gruppe vergleichbar. Als spezifische Nebenwirkung von Avanafil wurden – ähnlich wie bei den anderen PDE-5-Hemmern – Kopfschmerz und Flush identifiziert. Diese Nebenwirkungen waren unter Avanafil deutlich höher als unter Placebo (odds ratio 8,12). Das Nebenwirkungsprofil der 100 bzw. 200 mg-Dosis war ähnlich, wobei bei einer Dosierung von 200 mg häufiger Kopfschmerzen auftraten.  

Quellen

Yuan-Shan C et al. Avanafil for male erectile dysfunction: a systematic review and meta-analysis. Asian Journal of Andrology 2014; 16:472-477. Doi: 10.4103/1008-682X.123670

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Apothekerin Dr. Birgit Benedek