Arzneimittel und Therapie

Erektile Dysfunktion

Plötzlicher Hörverlust unter PDE-5-Inhibitoren

Die zur Behandlung der erektilen Dysfunktion eingesetzten Phosphodiesterase Typ 5 (PDE5)-Inhibitoren Sildenafil (Viagra®), Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®) können möglicherweise in Einzelfällen zu Hörstörungen führen. Dies teilt die amerikanische Zulassungsbehörde FDA mit. Sie hat die Hersteller angewiesen, entsprechende Hinweise in die Fachinformationen aufzunehmen.

Im Zusammenhang mit Phosphodiesterase-5-Hemmern seien außerdem Tinnitus, Schwindel oder Höhenangst aufgetreten. Die FDA reagiert mit der Warnung auf 29 Fälle, die in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme von Sildenafil, Tadalafil oder Vardenafil stehen. Auch in klinischen Studien sind diese Nebenwirkungen offenbar bereits aufgetreten. Die Einzelfälle belegen nach Aussage der FDA keine kausale Beziehung, schließen sie aber auch nicht aus. Die Hersteller Pfizer, Lilly und Bayer wurden in den USA aufgefordert, vor dem vermeintlichen Risiko zu warnen.

Aufmerksam wurden die Behörden durch den Fall eines Mannes aus Indien, der über einen sensoneuralen Hörverlust klagte, nachdem er 50 mg Sildenafil pro Tag über 15 Tage eingenommen hatte. Nach einer Recherche der FDA in ihrer UAW-Datenbank AERS (Adverse Event Reporting System) konnten 29 weitere Berichte aufgezeigt werden, in denen es in zeitlicher Assoziation zur Einnahme eines PDE-5-Inhibitors zu einem plötzlichen Hörverlust mit oder ohne begleitende vestibuläre Symptome wie Tinnitus, echtem Schwindel oder Benommenheit gekommen war. Der Hörverlust war fast immer einseitig und in einem Drittel der Fälle nur vorrübergehend. Bei den anderen zwei Dritteln lagen keine Daten zur Nachbeobachtungen vor. Die FDA rät daher, die PDE-5-Hemmer nach dem Auftreten des Hörverlustes abzusetzen und Rücksprache mit dem Arzt zu halten.

Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil sind selektive Hemmstoffe der cGMP-spezifischen Phosphodiesterase, Typ 5 (PDE5) im Corpus cavernosum, wo diese für den Abbau von cGMP verantwortlich ist. Die Hemmstoffe der Phosphodiesterase Typ 5 üben keinen direkten relaxierenden Effekt auf isoliertes menschliches Corpus-cavernosum-Gewebe aus, verstärken jedoch die relaxierende Wirkung von NO auf dieses Gewebe. Wenn unter sexueller Stimulation die Aktivierung des NO/cGMP-Stoffwechselweges stattfindet, bewirkt die PDE-5-Hemmung erhöhte cGMP-Spiegel im Corpus cavernosum. Nebenwirkungen (mit einer Inzidenz von 1%) wurden aus Placebo-kontrollierten klinischen Studien berichtet, in denen Patienten mit den empfohlenen Dosierungen behandelt worden waren. Die Nebenwirkungen waren leichter bis mäßiger Natur, Inzidenz und Schweregrad nahmen mit steigender Dosierung zu. In Studien mit festgelegter Dosierung traten Dyspepsie und Sehstörungen bei Gabe von 100 mg häufiger auf als bei niedrigeren Dosierungen. Die am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen waren Kopfschmerzen und Flush.

Quelle

FDA Announces Revisions to Labels for Cialis, Levitra and Viagra. Potential risk of sudden hearing loss with ED drugs to be displayed more prominently. Pressemitteilung der FDA, vom 18. Oktober 2007.

B Mukherjee, et al.: A case of sensorineural deafness following ingestion of sildenafil. J. Laryng. Otol. (2007), 121: 395-397.

ck

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