Arzneimittel und Therapie

Interview: Das wirksamste Arzneimittel bei erektiler Dysfunktion

(hel). Seit fünf Jahren ist Sildenafil (Viagra®) zur Behandlung der erektilen Dysfunktion auf dem Markt. Im vergangenen Jahr wurden mit Tadalafil (Cialis®) und Vardenafil (Levitra®) zwei weitere Arzneimittel dieser Wirkstoffklasse eingeführt. Prof. Dr. Hartmut Porst, Urologe aus Hamburg, hat in seiner Praxis alle drei Phosphodiesterase-5(PDE-5)-Inhibitoren eingesetzt und vergleicht sie nun in einer derzeit noch laufenden, offenen, firmenunabhängigen und praxisnahen Vergleichsstudie direkt miteinander.

DAZ:

Welche Erfahrungen haben Sie mit den drei Phosphodiesterasehemmern Sildenafil, Tadalafil und Vardenafil?

Porst:

Seit seiner Einführung vor fünf Jahren hat meine Praxis mehr als 8000 Patienten mit erektiler Dysfunktion mit Viagra® behandelt. Zusätzlich war meine Praxis europaweit verantwortliches Prüfzentrum für die beiden anderen neuen PDE-5-Hemmer Vardenafil (Levitra®) und Tadalafil (Cialis®), wobei fast 10% aller weltweit mit diesen Substanzen behandelten Prüfpatienten von meiner Praxis behandelt wurden.

Außerdem führen wir derzeit zusätzlich eine komplett unabhängige Studie durch, in welcher die Patienten alle drei Medikamente hintereinander ausprobieren, dann jeweils Fragebögen zu Wirksamkeit und Vor- und Nachteilen der Medikamente ausfüllen müssen und am Ende der Studie dann mitteilen sollen, welche Substanz sie vorziehen würden und auf Dauer verschrieben haben möchten.

Derzeit sind über 1000 Patienten in dieser Studie integriert. Basierend auf diesem umfangreichen Erfahrungsschatz lässt sich ohne Einschränkungen sagen, dass alle drei Medikamente hoch effektiv und sehr sicher sind und zweifelsohne eine nicht mehr wegzudenkende Bereicherung in der Therapie von Potenzstörungen darstellen.

DAZ:

Wie wirken diese Phosphodiesterasehemmer?

Porst:

Da alle drei Substanzen am gleichen Zielort wirken, insbesondere das im Schwellkörper reichlich vorhandene Enzym Phosphodiesterase 5 hemmen, bewirken alle dasselbe: Sie verhindern den Abbau von cGMP, ohne das eine Erektion nicht zustande kommen kann. Hierzu muss man wissen, dass alle Erektionsstörungen – psychische und organische – letztendlich immer dasselbe Ergebnis zur Folge haben: Es wird zu wenig cGMP im Penis produziert, und dadurch bleibt die Erektion aus. Hemmt man nun den Abbau dieses Erektionsstoffes, wie dies zum Beispiel durch die PDE-5-Hemmer erfolgt, so kommt es zu einer Zunahme des an sich primär zu wenig gebildeten cGMP im Schwellkörper, und die Erektion kann dann doch noch eintreten. Prinzipell sind alle drei Medikamente deshalb gleich wirksam, wobei es aber in der täglichen Anwendung durchaus vorkommen kann, dass der eine Patient Unterschiede in der Erektionsstärke oder bei den Nebenwirkungen zwischen den drei Substanzen empfindet.

DAZ:

Der Wirkungsmechanismus ist also immer derselbe. Wie unterscheiden sich die drei Phosphodiesterasehemmer dann?

Porst:

Der Hauptunterschied der drei Substanzen liegt in ihrer Pharmakokinetik, das heißt, in dem Wirkbeginn und der Wirkdauer. Mit Levitra® und Viagra® kommt es am schnellsten zu einer steifen Erektion, meist innerhalb von 30 bis 40 Minuten, während nach Cialis® bei vielen Patienten die beste Erektion oftmals erst nach 2 bis 3 Stunden erreicht wird. Dafür wirkt Cialis® bei der Mehrzahl der Patienten auch noch nach 1 bis 2 Tagen, weshalb diese Substanz auch den Spitznamen "Wochenendpille" erhalten hat. Diese lange Wirkdauer ermöglicht es den Paaren, ihre sexuellen Aktivitäten wieder spontaner und nicht so sehr nach der Uhr zu gestalten, wie dies bei Viagra® und Levitra® der Fall ist, da diese Substanzen bei vielen Patienten nur zwischen 4 und 10 Stunden wirksam sind.

Als Faustregel gilt hierbei, dass bei der Höchstdosis des jeweiligen PDE-5-Hemmers die klinische Wirkdauer der 2,5- bis 3fachen Halbwertszeit (t½) entspricht, die bei Viagra® bei etwa 4 Stunden, bei Levitra® zwischen 4 und 5 Stunden und bei Cialis® bei 17,5 Stunden liegt.

DAZ:

Gibt es noch weitere Unterschiede?

Porst:

Zusätzlich unterscheiden sich die Substanzen bezüglich ihrer Interaktionen mit der Nahrungsaufnahme: Während die Wirksamkeit und der Wirkeintritt von Cialis® durch Nahrungsaufnahme jeglicher Art unbeeinflusst bleibt, kommt es bei Viagra® und Levitra® nach einem ausgiebigen Abendessen durchaus zu einer Verzögerung des Wirkeintrittes von einer Stunde und mehr, teilweise auch zu einer Verminderung der Effektivität.

DAZ:

Können Sie geeignete Substanzen für bestimmte Patientengruppen empfehlen?

Porst:

Da alle drei Medikamente stets am selben Ort wirken, gibt es per definitionem keine spezielle Patientengruppe, welche für eines der drei Medikamente am besten geeignet erscheint.

Aufgrund der eigenen Erfahrungen in der Praxis kann es aber durchaus vorkommen, dass bei dem einen oder anderen Patienten eines der drei Medikamente besser wirkt, weshalb ich generell empfehle, dass die Patienten hintereinander alle drei Medikamente ausprobieren sollen. Dann können sie und natürlich ihre Partnerin am besten entscheiden, welcher PDE-5-Hemmer der für sie geeignetste ist, sowohl was Erektionsqualität, Wirkeintritt und Dauer als auch die Nebenwirkungen angeht.

DAZ:

Mit welchen Nebenwirkungen müssen die Anwender rechnen?

Porst:

Fasst man alle Daten der klinischen Studien zusammen, sind bei allen drei Substanzen häufigere Nebenwirkungen Kopfschmerzen (etwa 14 bis 15%), Gesichtsröte (4 bis 14%), Sodbrennen (4 bis 10%), verstopfte Nase (3 bis 9%) sowie bei Cialis® Rücken- und Muskelschmerzen bei etwa 5% und bei Viagra® Farbsehstörungen bei rund 5 bis 6% der Anwender.

Die genannten Nebenwirkungen sind meist nur leicht bis mäßig ausgeprägt und führten bei nur 2 bis 3% aller behandelten Patienten zu einem vorzeitigen Therapieabbruch. Hierbei kann es durchaus vorkommen, dass der Patient als Reaktion auf einen PDE-5-Hemmer starke Kopfschmerzen oder Sodbrennen empfinden kann, während er dies bei einem anderen Wirkstoff aus dieser Klasse nicht hat. Auch aus diesem Grunde erscheint es vernünftig, dass die Patienten alle drei

PDE-5-Hemmer hintereinander ausprobieren. Schwerere Nebenwirkungen am Herz-Kreislauf-System waren in den Studien unter Plazebo häufiger als unter dem jeweiligen PDE-5-Hemmer. Wahrscheinlich können die PDE-5-Hemmer durchaus schützende Eigenschaften auf das Herz-Kreislauf-System aufweisen.

DAZ:

Welche Patienten dürfen keine Phosphodiesterasehemmer einnehmen?

Porst:

Absolut kontraindiziert sind Viagra®, Cialis® und Levitra® bei allen Patienten, welche wegen einer koronaren Herzkrankheit oder anderweitiger Herzschädigungen regelmäßig Nitrat- oder Molsidomin-haltige Medikamente benötigen, da es bei gleichzeitiger Gabe der genannten PDE-5-Hemmer zu einem lebensbedrohlichen Kreislaufabfall kommen kann.

Vorsichtsmaßnahmen sind auch unbedingt angezeigt bei Patienten, welche wegen Bluthochdrucks oder gutartiger Prostatavergrößerung der gleichzeitigen Medikation eines so genannten Alpha-Blockers bedürfen, da es hierunter auch zu stärkeren Blutdruckabfällen kommen kann. Aus diesem Grunde sollte ein Zeitintervall von mindestens sechs Stunden zwischen der Gabe des Alpha-Blockers und des PDE-5-Hemmers eingehalten werden.

Bei Patienten mit frischem Herzinfarkt oder Schlaganfall (< 6 Monate) gelten PDE-5-Hemmer ebenfalls als nicht indiziert und sollten nur nach sorgfältiger Untersuchung durch den jeweiligen Kardiologen eingesetzt werden. Bei Patienten mit schwereren Augenerkrankungen (z. B. Retinitis pigmentosa) sind Sildenafil und Vardenafil ebenfalls kontraindiziert.

DAZ:

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Porst, wir bedanken uns für dieses Gespräch!

Seit fünf Jahren ist Sildenafil (Viagra) zur Behandlung der erektilen Dysfunktion auf dem Markt. Im vergangenen Jahr wurden mit Tadalafil (Cialis) und Vardenafil (Levitra) zwei weitere Arzneimittel dieser Wirkstoffklasse eingeführt. Prof. Dr. Hartmut Porst, Urologe aus Hamburg, hat in seiner Praxis alle drei Phosphodiesterase-5(PDE-5)-Inhibitoren eingesetzt und in einer derzeit noch laufenden, offenen, firmenunabhängigen Vergleichsstudie miteinander verglichen.

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