Prisma

Die Vorgeschichte von HIV-1 M

Schon um 1910 gab es Aids

cae | Schon vor über hundert Jahren starben Einwohner Zentralafrikas an Aids. Aber erst die Zivilisation und eine Mutation brachten den pandemischen Typus HIV-1 M hervor.

Die Aids-Pandemie begann früher als allgemein bekannt. Die älteste von einem Opfer isolierte HIV-1-Gensequenz stammt aus dem Jahr 1959, aber die rückblickende Betrachtung und Diagnose von Krankheitsfällen lässt mit großer Sicherheit darauf schließen, dass Aids schon vor hundert Jahren eine tödliche Krankheit war – allerdings nicht so infektiös wie heute. Denn damals gab es nur die weniger virulenten HIV-1-Untergruppen N, O und P.

Aids war ursprünglich eine endemische Krankheit in der Gegend von Kinshasa, der Hauptstadt des (ehemals belgischen) Kongo. Dort traten etwa 95 Prozent der Aids-Fälle auf, die ein Team von Wissenschaftlern in Oxford und Löwen retrospektiv im Zeitraum von 1909 bis 1930 diagnostiziert hat. Mehrere Faktoren ließen die Fallzahlen allmählich ansteigen, insbesondere die Entstehung der Großstadt Kinshasa mit ihrer hohen Bevölkerungsdichte, die Prostitution und der Bau von Eisenbahnen, die jährlich eine Million Menschen im Kongo beförderten. Hinzu kam um 1960 eine Mutation des HIV-1 in der C2V3-Region, die einen für die Zelladhäsion wichtigen Teil des Oberflächenproteins GP120 kodiert. Dadurch stieg die Infektiosität des Virus auf das Dreifache. Derzeit schätzt man die Zahl aller HIV-Infizierten weltweit auf 75 Millionen.

Die kürzlich publizierte Untersuchung widerlegt einmal mehr die Verschwörungstheorien, dass das pandemische HIV-1 in einem Labor künstlich erschaffen worden und von dort durch Unvorsichtigkeit der Wissenschaftler ins Freie entkommen sei. 

Quelle: Faria NR, et al. The early spread and epidemic ignition of HIV-1 in human populations. Science, 2014;346(6205):56

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