Aus den Ländern

PHARM-CHF-Studie

Aktionen und Berufspolitik in Nordrhein

In der Kammerversammlung der Apothekerkammer Nordrhein am 21. November in Neuss präsentierte Prof. Dr. Ulrich Laufs, Universitätsklinik Homburg/Saar, die ersten Ergebnisse der PHARM-CHF-Studie; dabei geht es um die Betreuung von Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (CHF) in der Apotheke.
Prof. Dr. Ulrich Laufs , Kammerpräsidentin Gabriele Overwiening, Prof. Dr. Martin Schulz und Kammerpräsident Lutz Engelen (von links). Foto: Alois Müller

Unter einer chronischen Herzinsuffizienz leiden 2,8 Mio. Bundesbürger, insbesondere im höheren Lebensalter. Wenn sie ihre Arzneimittel nicht regelmäßig einnehmen, riskieren sie Komplikationen, die zu Krankenhausaufenthalten führen. Um dem entgegenzuwirken, wurde eine Strategie erdacht, die in einer Pilotstudie erfolgreich überprüft wurde. Daran schließt sich nun eine prospektive randomisierte offene Studie mit folgenden Zielen an:

  • Konsolidierung des Medikationsplans und Erfassung der Gesamtmedikation;
  • regelmäßiger und strukturierter Kontakt des Patienten mit dem Apotheker;
  • wöchentliches Stellen der gesamten Medikation individuell in einem Dispenser.

Die Studie soll mit 2060 Patienten im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit etwa 300 Praxen und 300 Apotheken durchgeführt werden. Sie wird allein mit Mitteln aus Institutionen der Apothekerschaft, wie der Apothekerstiftung Nordrhein, der Apothekerkammer Westfalen-Lippe und der Lesmüller-Stiftung, finanziert.

Aufforderung zum Mitmachen

Gemeinsam mit Prof. Laufs warben Kammerpräsident Lutz Engelen (Nordrhein), Kammerpräsidentin Gabriele Overwiening (Westfalen-Lippe) und Prof. Dr. Martin Schulz von der ABDA für die Teilnahme an der Studie. Apotheken, die mitmachen möchten und sich dafür angemeldet haben, werden speziell geschult und mit dem elektronischen Case-Report vertraut gemacht.


Internet


www.pharm-chf.de


Die an der Studie teilnehmenden Patienten entscheiden sich jeweils für eine betreuende Apotheke. Diese konsolidiert gemeinsam mit dem behandelnden Arzt und dem Patient einen Medikationsplan, gibt dem Patienten wöchentlich die Medikamente ab, führt dabei strukturierte Gespräche, überprüft das Gewichtstagebuch und misst den Blutdruck, um eine Dekompensation frühzeitig zu erkennen.

Das Medikationsreview und die Betreuung werden vierteljährlich vergütet, denn es ist auch Ziel der Studie, eine honorable Dienstleistung zu etablieren.

Aktuelle Themen

In seinem Vortrag über die derzeitige politische Situation bewertete Engelen die geplante Vergütung des Notdienstes als einen ersten Schritt, Leistungen zu honorieren, die die Apotheke anbieten muss, auch wenn sie nur wenig genutzt werden. Den Apothekenabschlag sieht Engelen als ein Relikt aus den Anfangszeiten der Krankenkassen, das ihnen Gewinn zulasten der Apotheken bringt, aber auch die zeitnahe Bezahlung der Apotheken sichert. Wenn die Apotheken den Abschlag verweigern, riskieren sie, dass die Krankenkassen die Rechnungen nicht mehr zeitnah begleichen.

Engelen kommentierte auch die auf dem Deutschen Apothekertag geführte Diskussion zur Strukturveränderung der ABDA. Das Votum von über 40% der Delegierten, den ABDA-Präsidenten durch die Mitgliederversammlung wählen zu lassen, sei genauso bemerkenswert wie das schnelle Verschwinden einiger Anträge von der Tagesordnung.

Über die neue Apothekenbetriebsordnung hat die Kammer Nordrhein einen intensiven Austausch mit den Amtsapothekern geführt. Man sei – das wurde von allen bestätigt – bemüht, bei der Umsetzung allen Kollegen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Für die Defektur und die Anforderungen bezüglich der Qualitätssicherung wurde die Einrichtung eines Arbeitskreises auch unter Beteiligung der Hochschulen beschlossen.

Die Ausführungen Engelens ergänzte die stellvertretende Geschäftsführerin Dr. Bettina Mecking mit einem kurzen Bericht über aktuelle Entscheidungen des Bundesverwaltungsgerichts – z. B. über das OTC-Selbstbedienungsverbot oder zur angemessenen Nähe bei der Krankenhausversorgung – und über wettbewerbsrechtliche Entscheidungen der letzten Zeit, die als "System sichernd" zu beurteilen seien.

Konzentration auf Nordrhein

Die aktuellen Herausforderungen in Nordrhein, wie das Projekt zur Arzneimitteltherapiesicherheit in Apotheken (Athina), die PHARM-CHF-Studie und die finanzielle Situation der PTA-Lehranstalten sieht Engelen als Chefsache an, weshalb er sich entschlossen habe, seine berufspolitischen Aktivitäten auf der Bundesebene nicht weiter zu verfolgen.


Dr. Constanze Schäfer MHA



DAZ 2012, Nr. 49, S. 84