Arzneimittel und Therapie

Kombitherapie auch gegen resistente Tuberkuloseerreger

Ergebnisse mit neuen Wirkstoffen vielversprechend

Die Therapie selbst der unkomplizierten Tuberkulose ist aufwendig. Nach den derzeitigen Leitlinien der WHO besteht sie aus einer über zwei Monate applizierten Kombination von vier Antituberkulotika, die Therapie wird anschließend für weitere vier Monate mit zwei dieser Präparate fortgesetzt. Wissenschaftler der unabhängigen südafrikanischen Tbc-Alliance haben die vorläufigen Ergebnisse einer Phase-IIA-Studie mit einer neuen Kombinationstherapie vorgestellt, die ohne die zur Zeit eingesetzten Arzneimittel auch gegen multiresistente Erreger eingesetzt werden könnte.
In afrikanischen Ländern wie hier in Nigeria ist die Tuberkulose nach wie vor ein Problem. Durch Tröpfcheninfektion beim Husten oder Niesen werden die Erreger übertragen. Je mehr Menschen auf engem Raum zusammenleben, um so größer ist daher die Gefahr einer Ansteckung. Eine neue Kombinationstherapie ohne drei der derzeit vier Standardpräparate gegen Tuberkulose zeigte in ersten Studien vielversprechende Ergebnisse.Foto: Deutsche Lepra- und Tuberkulosehilfe e.V. , www.dahw.de

An der weltweit am häufigsten tödlich verlaufenden Infektionskrankheit Tuberkulose (Tbc) sterben nach Angaben der WHO jährlich über 1,8 Millionen Menschen. Vor der Einführung der Chemotherapie beschränkte sich die Therapie mit geringem Heilerfolg auf die Unterbringung in Lungenheilanstalten. Die derzeitigen WHO-Leitlinien zur Chemotherapie einer unkomplizierten Tuberkulose besteht aus einer Vierfachkombination von Isoniazid, Rifampicin, Ethambutol und Pyrazinamid, die zunächst für zwei Monate durchgeführt wird. Anschließend wird die Behandlung für weitere vier Monate mit Isoniazid und Rifampicin fortgesetzt. Als Reservemedikament steht bei Unverträglichkeiten noch Streptomycin zur Verfügung. Bei gleichzeitiger HIV-Infektion wird Thiacetazon, ein weiteres, preisgünstiges Antituberkulotikum mit erheblichen Nebenwirkungen, nicht empfohlen.

Effektive Wirksamkeit bei guter Verträglichkeit

Seit etwa 30 Jahren ist es zunehmend zu Resistenzen gegen Rifampicin und Isoniazid gekommen. Die Therapie dieser multidrug-resistenten Tuberkulose (MDR-Tbc) ist auch unter Reserveantibiotika langwierig. Sie dauert 24 Monate, die Nebenwirkungen sind sehr ausgeprägt und der Therapieerfolg liegt bei etwa 60%. Zudem kommt es seit einigen Jahren auch zu Resistenzen gegen die Reservemedikamente.

Wissenschaftler der unabhängigen Tbc-Alliance in Südafrika haben jetzt erste Ergebnisse einer klinischen Phase-IIA-Studie mit einer neuen, vielversprechenden Kombinationstherapie vorgestellt, die das von Resistenzen noch wenig betroffene Standardmedikament Pyrazinamid mit dem Gyrasehemmer Moxifloxacin (Bayer Healthcare) und der experimentellen Substanz PA-824 (Novartis) verbindet. Nachdem im Tierversuch eine starke bakterizide Wirkung gegen Mycobacterium tuberculosis nachgewiesen worden war, wurden jetzt in einer prospektiven, randomisierten Studie verschiedene Kombinationen miteinander verglichen. Dabei wurde die bakterizide Wirkung auf Sputumkulturen in den ersten 14 Tagen der Therapie überprüft. Dies lässt allerdings noch keine Vorhersage über den endgültigen weiteren klinischen Verlauf der Krankheit zu, aber bereits innerhalb der ersten beiden Therapiewochen wurden mit der PA-824-Moxifloxacin-Pyrazinamid-Kombination mehr als 99% der Erreger abgetötet, wobei sie gleichzeitig offensichtlich gut verträglich ist. Weitere Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit soll eine Anfang des Jahres begonnene Folgestudie aufzeigen.

Nach Ansicht der Wissenschaftler könnte sich die neue PA-824-Moxifloxacin-Pyrazinamid-Kombination zu einer Standardmedikation entwickeln, wobei durch den Verzicht auf drei von vier der derzeitigen Standardpräparaten gerade auch eine Therapie der multidrug-resistenten Tuberkulose als Erfolg versprechend erscheine. Zudem seien die möglichen Wechselwirkungen mit HIV-Medikamenten gering. Dies sei besonders wichtig für zahlreiche afrikanische Patienten bei einer Koinfektion von HI-Viren mit Tuberkulose. Langfristige Vorhersagen zur Resistenzentwicklung seien jedoch auch für die jetzt verwendeten Präparate der Dreifachkombination grundsätzlich nicht möglich.


Quelle

Diacon, A.H.; et al.: 14-day bactericidal activity of PA-824, bedaquiline, pyrazinamide, and moxifloxacin combinations: a randomised trial. Lancet 2012; doi:10.1016/S0140-6736(12)61080-0 vom 23. Juli 2012.


Dr. Hans-Peter Hanssen



DAZ 2012, Nr. 31, S. 38

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