Arzneimittel und Therapie

Neues Breitband-Cephalosporin Ceftobiprol

Im Kampf gegen bakterielle Infektionserkrankungen kommt den Cephalosporinen wegen ihrer guten Verträglichkeit und Wirksamkeit, aber auch einfachen Anwendung eine besondere Bedeutung zu. Bereits seit Mitte der 90er Jahre werden verschiedene "neuartige" Cephalosporine entwickelt, die eine hohe Aktivität gegen Enzyme zeigen, die für Resistenzbildungen von Bakterienstämmen verantwortlich sind. Mit Ceftobiprol liegt jetzt ein Breitband-Cephalosporin vor, das auch gegen multiresistente Problemkeime eine ausgezeichnete Wirksamkeit zeigt.

In den USA wurde in den vergangenen Jahren ein deutlicher Anstieg von MRSA (Methicilin-resistente Staphylococcus aureus; heute vielfach auch multiresistente S. aureus)-Infektionen beobachtet. Waren es 1974 noch 2% und 1995 bereits 22%, so betrug der Zuwachs bis 2003 mehr als 60%. Aber auch für viele europäische Länder wurde bis 2008 ein Anstieg von fast 50% berichtet.

Die antimikrobielle Wirkung vom Cephalosporinen beruht wie die anderer β-Lactam-Antibiotika auf der Hemmung von Penicillin-bindenden Proteinen (PBP). Dabei werden diese Transpeptidasen und Carboxypeptidasen unter Öffnung des β-Lactam-Ringes und kovalenter Bindung gehemmt. Die Aktivität von Cephalosporinen gegen Staphylococcus aureus erfolgt häufig über die Hemmung der Proteine PBP1 und PBP2, die Resistenz durch die Bildung eines weiteren Proteins (PBP2a). Dieses Protein wird durch das mecA-Gen kodiert, es bewirkt eine Kreuzresistenz gegen alle derzeit verfügbaren β-Lactam-Antibiotika.

Ceftobiprol – eines der "neuen" Cephalosporine

 

Das erste Anti-MRSA-Breitband-Cephalosporin-Antibiotikum ist gegen verschiedene schwer zu behandelnde grampositive und -negative nosokomiale Infektionen wirksam. In klinischen Studien konnten bei komplizierten Hautinfektionen, u. a. bei tiefen Wunden und diabetischen Fußinfektionen, aber auch MRSA-Infektionen hohe Heilungsraten erreicht werden. Auch beim Kampf gegen andere gefürchtete Erreger nosokomialer Infektionen wie Pseudomonas aeruginosa und Pneumo- und Enterokokken wurden beeindruckende Ergebnisse erzielt. Das Prodrug Ceftobiprol Medocaril wurde von dem Schweizer Unternehmen Basilea Pharmaceutica Ltd und Johnson & Johnson Pharmaceutical Research and Development LLc, New Jersey (USA), entwickelt. Ceftobiprol (BAL9141) selbst ist schwer löslich in Wasser; das Prodrug (BAL5788) wird durch Plasmaesterasen nach intravenöser Applikation rasch in Ceftobiprol, einen inaktiven Diacetylmetaboliten sowie CO2 umgewandelt.

In den USA und Australien wird der Einsatz von Ceftobiprol zur Behandlung komplizierter Infektionen des Weichgewebes bei Erwachsenen geprüft. In Kanada wurde das Mittel im August 2008 zugelassen und unter der Markenbezeichnung Zeftera® auf dem Markt eingeführt. In der Schweiz wurde Ceftobiprol im November 2008 zugelassen.

Nach erfolgter Zulassung planen die Janssen-Cilag AG und die Basilea Pharmaceutica Ltd. den Wirkstoff in Nordamerika und auf den wichtigsten europäischen Märkten zu vermarkten.

 

Quelle

Vidaillac, C. u. Rybak, M.J.: Ceftobiprole: First Cephalosporin with Acticity Against Methicillin-resistant Staphylococcus aureus; Pharmacotherapy 2009; 29(5): 511 – 525.

 


Dr. Hans-Peter Hanssen

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