Arzneimittel und Therapie

Neues Carbapenem: Ertapenem zur Behandlung von schweren Mischinfektionen

Das Beta-Lactam-Antibiotikum Ertapenem (Invanz®) hat jetzt die europaweite Zulassung erhalten, nachdem die amerikanische FDA Ertapenem bereits Ende 2001 zugelassen hatte. Das Carbapenem zur parenteralen Anwendung wurde von Merck & Co. Inc. (USA, in Deutschland MSD Sharp & Dohme) für die stationäre, empirische Initialtherapie schwerer ambulant erworbener Mischinfektionen entwickelt und wirkt gegen ein breites Spektrum aerober und anaerober Bakterien.

Das europäische Committee for Proprietary Medicinal Products (CPMP) empfiehlt nach einer positiven Bewertung zunächst die Zulassung bei intraabdominellen Infektionen, ambulant erworbener Pneumonie und akuten gynäkologischen Infektionen. In den USA darf Ertapenem außerdem bei komplizierten Haut- und Weichteilinfektionen sowie bei komplizierten Harnwegsinfektionen angewendet werden.

Gegen breites Erregerspektrum wirksam

Das neue Carbapenem wirkt gegen ein breites Spektrum aerober und anaerober Bakterien. Besonders empfindlich sind die für schwere ambulant erworbene Mischinfektionen verantwortlichen gramnegativen und grampositiven Aerobier und Anaerobier, einschließlich Staphylococcus aureus, Streptococcus pyogenes, Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae und Bacteroides fragilis. Typische Erreger nosokomialer Infektionen (z. B. Pseudomonas aeruginosa, Acinetobacter ssp., MRSA) werden dagegen nicht erfasst.

Hemmung der Zellwandsynthese

Wie alle Carbapeneme hemmt Ertapenem die Zellwandsynthese von Bakterien nach Bindung an penicillinbindende Proteine (PBP). Bei Escherichia coli ist die Affinität zu den PBP 2 und 3 am höchsten. Bei Bakterienstämmen, die als gegen Ertapenem sensibel gelten, war in Überwachungsstudien in Europa selten eine Resistenz zu beobachten. Von den resistenten Isolaten zeigten einige, wenn auch nicht alle, eine Resistenz gegen andere Antibiotika der Carbapenem-Klasse. Ertapenem ist ausreichend stabil gegenüber der Hydrolyse durch die meisten Klassen von Beta-Lactamasen wie Penicillinasen, Cephalosporinasen, und Breitspektrum-Beta-Lactamasen, nicht aber gegenüber Metallo-Beta-Lactamasen.

Pharmakokinetik

Ertapenem wird nach parenteraler Gabe in hohem Ausmaß an menschliche Plasmaproteine gebunden. Abgebaut wird Ertapenem durch eine Dehydropeptidase-I-vermittelte Hydrolyse des Beta-Lactam-Ringes. Ertapenem beeinflusst den Cytochrom-P450-Stoffwechsel nicht. Die Substanz wird zu 80% im Urin und 10% mit den Fäzes ausgeschieden; von den 80% der im Urin wiedergefundenen Dosis wurden ca. 38% unverändert als Ertapenem und ca. 37% als Hauptmetabolit ausgeschieden. Die mittlere Plasmahalbwertszeit beträgt etwa vier Stunden. Ertapenem kann auch bei Patienten mit Niereninsuffizienz eingesetzt werden. Bei Patienten mit einer Kreatinin-Clearance > 30 ml/min/1,73 m² ist keine Dosisanpassung erforderlich.

Einmal täglich 1 g

Ertapenem wird in einer Dosis von 1 g einmal täglich über einen Zeitraum von 30 Minuten intravenös infundiert. Normalerweise beträgt die Therapiedauer drei bis 14 Tage, wobei sie nach Art und Schwere der Infektion und den zugrundeliegenden Krankheitserregern entsprechend schwanken kann. Wenn klinisch angezeigt, kann, nachdem eine Verbesserung des klinischen Befundes beobachtet wurde, auf ein geeignetes orales Antibiotikum umgestellt werden.

Gut wirksam

In Zulassungsstudien mit fast 2000 Patienten zeigte Ertapenem eine klinische Wirksamkeit von rund 90 Prozent und wirkte mindestens so effektiv wie die Vergleichssubstanzen Piperacillin/Tazobactam bzw. Ceftriaxon, muss jedoch nur einmal täglich verabreicht werden. Da Ertapenem auch gegen Anaerobier gut wirksam ist, ist keine zusätzliche Gabe von Metronidazol erforderlich. Zu den meist moderaten Nebenwirkungen gehören Diarrhö (5,5%), lokale Reaktionen an der Infusionsstelle (3,7%), Übelkeit (3,1%), Kopfschmerzen (2,2%), Vaginitis bei Frauen (2,1%), Phlebitis/Thrombophlebitis (1,3%) und Erbrechen (1,1%).

Überempfindlichkeitsreaktionen sind möglich

Nebenwirkungen traten bei rund 20% der mit Ertapenem behandelten Patienten auf. Bei 1,3% der Patienten wurde die Therapie aufgrund von Nebenwirkungen abgebrochen. Während der Therapie und einer 14-tägigen Nachbeobachtungsphase traten folgende Nebenwirkungen am häufigsten auf: Diarrhö, Komplikationen an der Infusionsstelle und Übelkeit.

Unter der Behandlung mit Beta-Lactam-Antibiotika können schwere und gelegentlich auch letale Überempfindlichkeitsreaktionen (Anaphylaxie) auftreten. Diese Reaktionen sind insbesondere bei Personen mit multiplen Allergien in der Anamnese zu erwarten. Vor Beginn der Behandlung mit Ertapenem ist daher eine sorgfältige Nachfrage hinsichtlich einer früheren Überempfindlichkeitsreaktion auf Penicilline, Cephalosporine, andere Beta-Lactam-Antibiotika und weitere Allergene einzuholen. Tritt eine allergische Reaktion auf Ertapenem auf, muss die Therapie sofort abgebrochen werden. Schwerwiegende anaphylaktische Reaktionen erfordern sofortige Notfallmaßnahmen.

In Hinblick auf eine Schwangerschaft ergaben Tierstudien keinen Hinweis auf direkte oder indirekte schädigende Wirkungen. Ertapenem sollte dennoch während der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn der potenzielle Nutzen das mögliche Risiko für das ungeborene Kind rechtfertigt. Ertapenem tritt in die Muttermilch über. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen auf den Säugling darf während der Behandlung mit Ertapenem nicht gestillt werden.

Quellen

Odenholt, I.: Ertapenem: a new carbapenem. Expert. Opin. Investig. Drugs 10, 1157 – 1166 (2001) Presseinformationen von MSD Fachinformation von Ertapenem (Invanz®)

Das Beta-Lactam-Antibiotikum Ertapenem (Invanz) hat jetzt die europaweite Zulassung erhalten. Das Carbapenem zur parenteralen Anwendung wurde für die stationäre, empirische Initialtherapie schwerer ambulant erworbener Mischinfektionen entwickelt und wirkt gegen ein breites Spektrum aerober und anaerober Bakterien.

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