Aus Kammern und Verbänden

Morsellen und mehr

Ein Kurs "Freude an alten Arzneiformen – Morsellen, Rotuli und Trochisci" fand am 24. und 25. Oktober in der Abteilung Pharmazeutische Technologie der Universität Heidelberg statt.
Morsellen – ins Brett gegossen und geschnitten.
Foto: Barthlen

Dr. Albert Borchardt referierte über alte pharmazeutische Gewichte. Als Basis diente seit dem 12. Jh. (Antidotarium Nicolai) das Weizenkorn, lateinisch "granum". 20 Körner machten einen Skrupel aus. Dieses kleine Gewicht findet sich noch heute in dem Wort "skrupellos". Ein skrupelloser Apotheker hat nicht lege artis gearbeitet.

Nach der theoretischen Einführung kam die Praxis: Wir haben alle Zutaten für die Morsellen abgewogen und die Masse in einem Kupfertopf bis zur Federprobe erhitzt, um sie dann in ein Morsellenbrett auszugießen, nach dem Erkalten in Bissen (lat. morsus) zu schneiden und in Dosen zu verpacken.

Die Rotulae kamen Ende des 17. Jahrhunderts auf. Es waren sehr kleine, halbkugelige bis flache Zuckerplätzchen, die ätherisches Öl oder eine Tinktur enthielten. Für die Herstellung war wichtig, dass der Zucker die Qualität eines Pulvis subtilis hatte. Auf diese Weise haben wir im Kurs wohlschmeckende, erfrischende Zitronenküchlein hergestellt.

Die dritte Spezialität waren Süßholzpastillen (lat. Trochisci liquiritiae). Zu ihrer Herstellung haben wir Süßholzmasse mittels Pastillenstechern geformt und anschließend gestempelt.

Ohne Zucker ging nichts

"Ein Apotheker ohne Zucker ist ein armer Schlucker." Zucker war neben Honig ein wichtiger Grundstoff für verschiedene Arzneiformen und diente zur Konservierung. In einer raumfüllenden Ausstellung wurden verschiedene Zuckerpflanzen wie Zuckerrohr, Zuckerrübe, Zuckerpalme, Ahornzucker, Stevia, Süßholz, Momordica und unzählige Zuckerspezialitäten aus aller Welt vorgestellt.

Der Kurs endete mit der Herstellung von rosa Zuckerwatte mithilfe einer echten Zuckerwattemaschine.


Dr. Ursula Barthlen, Dußlingen
Süßholzpastillen
Foto: Barthlen