Arzneiporträt

Obstipation bei Kindern und Säuglingen

Von Jessica Y. Schneider
Obstipation gehört bei Kindern zu den häufigen Gründen für die Inanspruchnahme medizinischer oder pharmazeutischer Hilfe. Miniklistiere, Glycerin-Suppositorien oder Sorbit-Klysmen gelten entsprechend den aktuellen Leitlinien als Mittel der ersten Wahl zur initialen Darmentleerung bei Säuglingen und Kindern. Eine Anwendungsbeobachtung belegt jetzt die gute Wirksamkeit und Verträglichkeit von Miniklistieren mit einer Wirkstoffkombination aus Sorbitol, Natriumcitrat und Natriumlaurylsulfoacetat bei dieser Indikation.
Weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche weisen auf eine Obstipation hin. Um eine Chronifizierung zu vermeiden, empfiehlt sich bei Säuglingen und Kleinkindern die Gabe eines Miniklistiers.
Foto: ABDA

Obstipation wird als eine Stuhlretention infolge unvollständiger Stuhlentleerung definiert [1]. Dauern die Beschwerden länger als zwei Monate an, spricht man von chronischer Obstipation. Die Zahl der betroffenen Kinder variiert weltweit, die publizierten Daten liegen zwischen 0,7% und 30% [2]. Bei den meisten Obstipationen handelt es sich um akute oder chronisch habituelle Obstipationen, nur in seltenen Fällen (< 5%) sind organische Erkrankungen und Fehlbildungen die Ursache für eine chronische Obstipation [3, 4].

Akute Obstipationsepisoden sind in allen Altersgruppen häufig und können durch verschiedene Auslöser getriggert werden: Neben Dehydratation, Bewegungsmangel, akuten Infektionen, Änderungen der Ernährung, Medikamenten und psychischen Belastungssituationen können schmerzhafte Veränderungen im Analkanal oder im perianalen Bereich zur Obstipation führen (Analfissuren, Windeldermatitis, Streptokokken-Infektion etc.). Aus einer akuten Obstipation kann sich unter ungünstigen Rahmenbedingungen eine chronische Obstipation entwickeln. Insofern gilt bei jeder akuten Obstipation, dass diese rasch und konsequent behandelt werden muss.

Therapie der Obstipation im Kindesalter gemäß den Leitlinien der GPGE

Therapieziel in der Behandlung der Obstipation bei Kindern ist die vollständige und regelmäßige Stuhlentleerung. Für die symptomatische Behandlung werden in der Leitlinie der Gesellschaft Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE) verschiedene Medikamente zur rektalen Anwendung bei Kindern empfohlen [1]. Hier kommen einerseits Stoffe in Frage, welche über eine Dehnung die Darmwandrezeptoren stimulieren (z. B. durch erhöhtes Flüssigkeitsvolumen) oder die Darmwand chemisch reizen (z. B. Glycerol). Andererseits kann durch Zufuhr von Flüssigkeit oder osmotisch wirksamen Stoffen harter Stuhl aufgeweicht und so die Entleerung erleichtert werden. Doch ist zu beachten, dass bestimmte Medikamente bei Säuglingen und Kleinkindern kontraindiziert sind:

  • orale Medikamente mit Paraffinum subliquidum aufgrund der Aspirationsgefahr (bei Kindern unter zwei Jahren);
  • phosphathaltige Klysmen wegen der Gefahr schwerer Elektrolytverschiebungen (bei Kindern unter drei Jahren).

Bei dieser Altersgruppe kommen deshalb Medikamente mit geringem Volumen wie Suppositorien und Miniklistiere zur Anwendung. Ein großer Vorteil der Miniklistiere ist die rasche und einfache Applikation.

Miniklistiere bei Kindern und Säuglingen sehr gut wirksam und verträglich

Neue Daten zur Verträglichkeit und Wirksamkeit von Miniklistieren mit der Wirkstoffkombination Sorbitol, Natriumcitrat und Natriumlaurylsulfoacetat liefert eine kürzlich durchgeführte offene, multizentrische, prospektive Studie zur symptomatischen Therapie bei Kindern und Säuglingen mit Obstipation. Insgesamt 411 Kinder und Säuglinge wurden von 87 niedergelassenen Kinderärzten in Deutschland unter Praxisbedingungen in die Beobachtung eingeschlossen.

Das durchschnittliche Alter der Studienteilnehmer lag bei 32 Monaten, die Durchschnittsgröße betrug 88,2 cm und das mittlere Körpergewicht 13,1 kg. Bei den meisten Kindern handelte es sich um eine erstmalige (46,6%) oder um eine wiederkehrende (41,6%) Obstipation, in 11,8% der Fälle lag eine chronische Obstipation vor. Zwischen dem letzten Stuhlgang und der Diagnosestellung lagen im Mittel 5,0 Tage. Die Dosierung der Studienmedikation erfolgte nach Ermessen des behandelnden Arztes unter Berücksichtigung der Fachinformation [5]. Demnach erhielten 29,3% der Patienten ein halbes Klistier, 57,1% erhielten ein Klistier, und 13,4% wurden mit zwei Klistieren behandelt. Die Wirkstoffe der verabreichten Klistiere führen über ihr physikalisch-chemisches Wirkprinzip zu einer Erweichung der harten Stuhlmassen. Natriumcitrat setzt in den Fäzes adsorptiv gebundenes Wasser frei, Sorbitol verstärkt diese Wirkung, und Natriumlaurylsulfoacetat erleichtert das Eindringen des Klistiers in die Fäzes.

Nach Anwendung der Studienmedikation hatten 99% der Patienten Stuhlgang: alle unter zwölf Monate alten, 97,1% der ein- bis dreijährigen und 99,4% der älteren Kinder. Die Wirksamkeit und Verträglichkeit des Medikaments wurde auch von den Eltern sehr positiv bewertet: 89,6% bewerteten die Wirksamkeit mit "gut", 9,2% mit "mäßig" und 1,2% mit "unzureichend". Die Verträglichkeit wurde von 96,8% der Eltern mit "gut", von 2,5% mit "mäßig" und von 0,7% mit "unzureichend" bewertet. Während der Anwendungsbeobachtung wurden keine unerwünschten Ereignisse berichtet [6].

Fazit

Miniklistiere mit der untersuchten Wirkstoffkombination sind seit 45 Jahren weltweit zur kurzfristigen Anwendung bei Obstipation sowie bei Erkrankungen, welche eine erleichterte Defäkation erfordern, zugelassen. Die Wirkstoffkombination zeichnet sich durch eine zuverlässige und schnelle Wirkung bei Obstipation aus. Verglichen mit anderen rektal zu applizierenden Klysmata mit höheren Volumina ist das Risiko von Störwirkungen bei Miniklistieren aufgrund des geringeren Volumens deutlich niedriger. Die Wirkstoffkombination aus Natriumcitrat, Sorbitol und Natriumlaurylsulfoacetat wird vom Körper nicht resorbiert und führt zu einer kontrollierten Defäkation, ohne dass der Darm gereizt wird. Die neu gewonnenen Ergebnisse der Anwendungsbeobachtung unterstreichen die Aussage früherer Daten zur sehr guten Wirksamkeit und Verträglichkeit von Miniklistieren mit der Wirkstoffkombination Sorbitol, Natriumcitrat und Natriumlaurylsulfoacetat. Aufgrund des geringen Nebenwirkungspotenzials sind sie zur kurzfristigen Anwendung bei Obstipation, insbesondere für Säuglinge und Kleinkinder sehr zu empfehlen.


Literatur
[1] Gesellschaft für Pädiatrische Gastroenterologie und Ernährung (GPGE). Leitlinie "Obstipation im Kindesalter", 2007, AWMF Nr. 068/019.
[2] van den Bergen MM, Benninga MA, Di Lorenzo C. Epidemiology of childhood constipation: a systematic review. Am J Gastroenterol 2006;101:2401– 2409.
[3] Claßen M. Kindergastroenterologisches Gutachten zur Anwendung von Microklist® bei Kindern mit Obstipation.
[4] Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie. Leitlinie "Obstipation (chronisch)", 1999, AWMF Nr. 006/041.
[5] McNeil Consumer Healthcare GmbH. Fachinformation Microklist® , 2008.
[6] McNeil Consumer Healthcare GmbH. Anwendungsbeobachtung bei Kindern und Säuglingen mit Obstipation unter symptomatischer Therapie mit Microklist® , Abschlussbericht.

Anschrift der Verfasserin:
Dr. Jessica Y. Schneider, Medical Advisor OTC
Johnson & Johnson GmbH
Raiffeisenstraße 9, 41470 Neuss
jschnei5@its.jnj.com

Das könnte Sie auch interessieren

Risiko schwerer Hyperphosphatämien

Keine phosphathaltigen Klistiere bei Säuglingen

Pharmazeutische Beratung von Patienten mit Obstipation

Wenn nichts mehr geht

Die wichtigsten Laxanzien im Überblick

Verstopft

Wie Kindern mit Obstipation geholfen werden kann

Erleichterung!

Obstipation bei Kindern lässt sich durch konsequente Behandlung lösen

Ohne Druck

Pädiatrische Arzneimittel sind stark erklärungsbedürftig

Kein Kinderspiel

Empfehlungen zur individuellen Therapie mit und ohne Laxanzien

Chronische Obstipation

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.