Arzneimittel und Therapie

Diabetes mellitus

Gefäßschäden Folge vonVitamin-B1 -Mangel?

Niedrige Vitamin-B1 -Spiegel bei Diabetikern könnten für gefürchtete vaskuläre Spätkomplikationen mitverantwortlich sein. Auf diesen möglichen Zusammenhang weist eine britische Studie hin. Von einer Supplementierung mit Vitaminpräparaten wird jedoch abgeraten. Weitere Forschungen und klinische Studien seien notwendig. Sie sollen den Zusammenhang eindeutig belegen und prüfen, ob durch die Supplementierung vaskuläre Spätschäden zu verhindern sind.

Eine Forschergruppe um Paul Thornalley von der Universität Essex hatten bei 26 Typ-1-Diabetikern, 48 Typ-2-Diabetikern und 20 gesunden Probanden die Spiegel von Thiamin und seinen Metaboliten im Plasma, in Erythrozyten und Urin bestimmt. Darüber hinaus wurden die Transketolase-Aktivität in Erythrozyten sowie Stoffwechselmarker und Marker der vaskulären Dysfunktion wie das Adhäsionsmolekül VCAM-1 gemessen. Die Transketolase ist ein in Erythrozyten lokalisiertes Enzym, das Thiamin als Kofaktor benötigt. Thiaminmangel sollte sich daher in einer erniedrigten Transketolase-Aktivität widerspiegeln. Um einen Thiaminmangel nachzuweisen, wird standardmäßig ein Transketolase-Aktivierungskoeffizient bestimmt, was bei Diabetikern jedoch zu irreführenden Ergebnissen geführt haben könnte. Denn bei ihnen scheint eine durch den Thiaminmangel induzierte verstärkte Produktion von Transportproteinen dafür zu sorgen, dass in die Erythrozyten genügend Thiamin geschleust wird. Darauf deutet eine erhöhte Aktivität von Transporterproteinen bei Diabetikern hin. Eine reduzierte Transketolase-Aktivität in den Erythrozyten konnte man jedenfalls bei Diabetikern nicht feststellen. Dagegen fanden die Forscher einen im Vergleich zu gesunden Probanden um 75% niedrigeren Thiaminspiegel im Blutplasma. Verantwortlich dafür scheint eine gesteigerte Thiamin-Ausscheidung über die Nieren zu sein. Bei Typ-1-Diabetikern war die Thiamin-Clearance im Vergleich zu den gesunden Probanden um das 24-Fache erhöht, bei Typ-2-Diabetikern um das 16-Fache. Gleichzeitig stellten die Forscher fest, dass der Thiaminmangel bei den Diabetikern mit einem Anstieg des löslichen vaskulären Adhäsionsmolekül (s1-VCAM-1) einherging. VCAM-1 ist ein Marker für entzündliche Veränderungen in den Gefäßwänden und damit für die endotheliale Dysfunktion und arteriosklerotische Prozesse. Die Forscher vermuten, dass ein Thiaminmangel über den Anstieg von sl-VCAM vaskuläre Spätkomplikationen bei Diabetes mellitus fördert. Weitere Studien müssen nun bestätigen, dass Thiaminmangel ein generelles Problem bei Diabetes mellitus ist. Geprüft werden muss, ob durch Behebung des Thiaminmangels durch Thiamin und Thiaminderivate die vaskuläre Dysfunktion zu korrigieren und vaskuläre Gefäßschäden zu verhindern sind. Darüber hinaus müssen, so die Forscher, die Mechanismen aufgeklärt werden, die zu der erhöhten Thiamin-Clearance bei Diabetes führen. Denn die niedrigen Thiaminspiegel ließen sich nicht auf eine unzureichende Thiaminaufnahme mit der Nahrung zurückführen.

Quelle

Thornalley PJ et al.: High prevalence of low plasma thiamine concentration in diabetes linked to a marker of vascular disease. Diabetologica. 2007; 50: 2164-2170

du

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