Arzneimittel und Therapie

Dermatologie: Krätze – juckend, ansteckend und zunehmend

Skabies ist eine ansteckende, stark juckende, parasitäre Hauterkrankung, die sich schnell ausbreiten kann. Besonders in einigen tropischen Regionen wie Zentral- und Mittelamerika betrifft sie nahezu jeden. In Industriestaaten tritt die Krätze überwiegend in Gemeinschaftseinrichtungen auf, in denen Menschen auf engem Raum zusammen sind.

Dort ist das Ansteckungsrisiko besonders hoch. Schlechte Hygiene und mangelnde Aufklärung begünstigen die Ausbreitung. Betrifft die Krankheit öffentliche Einrichtungen wie zum Beispiel Pflegeheime und Krankenhäuser, ist sie nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.

Übertragung durch intensiven Hautkontakt

Verursacher des durch direkten Hautkontakt übertragenen Leidens sind die Krätzmilben (Sarcoptes scabiei). Die etwa einen halben Millimeter große weibliche Krätzemilbe gräbt kleine Gänge in die Oberhaut und legt dort ihre Eier ab. Aus diesen schlüpfen nach etwa zwei bis drei Tagen Nymphen, welche sich dann innerhalb von elf Tagen zu geschlechtsreifen Krätzemilben entwickeln. Eine neue Generation der Milben ist nun in der Lage, sich zu vermehren. Die Erstinfektion zeigt sich nach zwei bis sechs Wochen als Folge einer Immunreaktion auf die eingegrabenen Parasiten. Dann kommt es zum juckenden Ausschlag. Die Absonderungen der Milben bringen Bläschen, Papeln, Pusteln, Blasen, Quaddeln, Infiltrationen und als Sekundärläsionen Krusten, Kratzwunden und Furunkel hervor. Befallen sind vor allem Hand- und Ellenbogengelenke, Finger- und Fingerzwischenräume, vordere Achselfalten sowie Hautareale an Brustwarzenhof und Genitalien. Die Krätze kann unter anderem mit der Neurodermitis verwechselt werden. Milbengänge sind feine, rötliche Linien, deren Enden als Aufenthaltsort der Milben leicht erhöht sind. Der vor allem nächtliche Juckreiz, die Milbengänge und der mikroskopische Nachweis von Krätzemilben oder ihrer Eier führen zur eindeutigen Diagnose.

Nicht medikamentöse Behandlung

Zur Behandlung gehören, neben Medikamenten, konsequente hygienische Maßnahmen. Alle Gegenstände, mit denen andere Personen in Kontakt kommen, müssen regelmäßig desinfiziert werden, um eine Übertragung zu verhindern. Der Wechsel von Bekleidung und Unterwäsche sowie Bettwäsche und Bettdecken erfolgt alle zwölf bis vierundzwanzig Stunden, der Austausch der Handtücher alle zwölf Stunden. Alle Textilien sind bei mindestens 60 Grad zu waschen, einer Temperatur, bei der die Krätzemilben abgetötet werden. Nichtwaschbare Gegenstände oder lediglich bei 30 Grad waschbare Kleidung werden für eine Woche im Freien gelüftet, die Milben können nicht sehr lange außerhalb des menschlichen Körpers überleben. Wenn dies nicht möglich ist, kann die Wäsche für mindestens 72 Stunden zum Beispiel in Plastiksäcken fest eingelagert werden, um den Milben die Nahrungsgrundlage zu entziehen. Teppiche und Polstermöbel werden gründlich gesaugt, gegebenenfalls mit Insektiziden behandelt. Diese Maßnahme ist bei Epidemien besonders zu beachten.

Medikamentöse Behandlung

In Deutschland zur Behandlung von Skabies zugelassene Mittel sind Externa mit Permethrin (Infectoscab®), Lindan (Jacutin®), Crotamiton (Crotamitex®-Gel 5%, Eraxil® 10%), Benzylbenzoat (Antiscabiosum®) und Bioallethrin (Spregal®). Ebenso können Schwefelzubereitungen (Sulfur praecipitatum) als Rezeptur verordnet werden. Zur systemischen Therapie gibt es ferner das Medikament Ivermectin (Stromectol®), jedoch sind Mittel zur oralen Behandlung von Skabies in Deutschland nicht zugelassen.

Die Gemeinsamkeit aller Skabiesmittel ist ihre toxikologische Wirkung. Ein Wirksames und zugleich toxikologisch unbedenkliches Mittel gibt es nicht. Die Zusammensetzung und die Art der Anwendung sind bei allen Medikamenten verschieden, daher kann keine konkrete Angabe zum Therapieerfolg und zur Therapiedauer gemacht werden. Es fehlen bisher einheitliche Studien hierzu. Als problematisch gelten alle verfügbaren Skabiesmittel in der Schwangerschaft. Hier sollten sie nur in begründeten Ausnahmefällen und zwingender Indikation beziehungsweise erst nach dem ersten Drittel der Schwangerschaft angewendet werden. Es fehlen auch hier systematische Studien. Nicht gesichert ist ebenso die Unbedenklichkeit des oft als Alternative genannten Schwefels. Aufgrund dieser unbefriedigenden Datenbasis raten deutsche Experten während der Schwangerschaft vor allem zu Crotamiton.

Neurologische Nebenwirkungen

Zu Mitteln mit guter Wirksamkeit bei Skabies, die zudem auch besser geprüft sind, gehören Permethrin 5% und Lindan 1%. Jedoch sind beide zu den toxischeren Substanzen zu zählen. Als Nebenwirkung können neurologische Störungen wie Krampfanfälle, sowie eine Resistenzentwicklung auftreten. Besonders sind dabei Patienten mit Anfallsleiden gefährdet, oder bei Einnahme von krampffördernden Mitteln wie Antidepressiva. Das wegen seiner guten Wirkung bisher bevorzugte Lindan wird inzwischen nur noch als Mittel der Reserve angesehen. Nach europäischen Umweltrichtlinien darf es nur noch bis zum 31. Dezember 2007 verwendet werden. Nach Vergleich aller Daten zu Wirksamkeit und Toxizität und wegen fehlender gut untersuchter Alternativen wird derzeit Permethrin als Mittel der Wahl angesehen, auch weil es selbst bei Kleinkindern angewendet werden kann.

Schwefelzubereitungen auch für Kinder

Widersprüchliche Daten sind zu den Mitteln Crotamiton und Benzylbenzoat bekannt, zudem sind diese schlechter geprüft. Allgemein werden beide als weniger toxisch eingestuft. Als Nebenwirkungen sind Überempfindlichkeitsreaktionen und nach Daten der WHO auch Krampfanfälle bekannt. Durch die geringere Toxizität ist die Anwendung bei Schwangeren möglich, bei Kindern in Verbindung mit Schwefelzubereitungen. Von der Anwendung bei Säuglingen wird abgeraten, da vor allem bei Crotamiton die Gefahr einer Methämoglobinanämie besteht.

Ein weiteres Pyrethroid zur Skabiesbehandlung ist Bioallethrin, welches in Deutschland als Spray zugelassen ist. Studien, die die Wirksamkeit dieser Anwendungsform bestätigen, sind nicht bekannt. Durch die Vernebelung wird die Aufnahme des Insektizides erhöht, was aber insbesondere Asthmatiker gefährdet. Von der Anwendung wird allgemein abgeraten, denn der Wirkverstärker Piperonylbutoxid steht im Verdacht, krebserregend und mutagen zu sein.

Schwefelzubereitungen werden als wenig toxisch und daher auch als geeignetes Mittel für Kinder angesehen. Schon seit Jahrhunderten bekannt, fehlt aber bis heute noch immer der Nachweis der Unbedenklichkeit dieses Therapiemittels. In Salbenform wird präzipitierter Schwefel in Vaseline empfohlen. Der Heilungserfolg bei Skabies ist hoch, als Nebenwirkungen sind Hauttrockenheit, Erytheme und Ödembildung bekannt. In höherer Konzentration treten Reizungen von Bindehäuten und Atemwegen auf.

Ivermectin war früher als Veterinärmedikament weltweit verbreitet. Es ist als einziges Mittel zur systemischen Skabiestherapie als Stromectol® in Frankreich zugelassen. Seine Wirkung beruht auf seiner Bindung an glutamatgesteuerte Ionenkanäle von Nerven- und Muskelzellen. Bei den Scabiesmilben führt das zu Hyperpolarisation und Lähmung. Das Mittel gilt ebenfalls als neurotoxisch. In Verbindung mit der Einnahme wurde ein Anstieg von Todesfällen vor allem älterer Patienten verzeichnet. Das in Deutschland nicht zugelassene Medikament gilt bei Versagen oder Nichtanwendbarkeit anderer Mittel als letzt mögliches Mittel zur Behandlung von Skabies.

Zusammenfassung

Die juckende Hautkrankheit, die von Krätzmilben verursacht wird, tritt in letzter Zeit wieder häufiger auf. Hauptsächlich Kinder, junge Erwachsene und alte Menschen sind davon betroffen. Die Krankheit ist extrem ansteckend und sollte deshalb so früh wie möglich behandelt werden. Die neuen Möglichkeiten der Behandlung helfen gemeinsam mit ergänzenden Maßnahmen, die Spinnentiere ein für alle Mal los zu werden.

Skabies ist eine stark juckende, parasitäre Hauterkrankung, die sich schnell ausbreiten kann. Sie wird von Krätzmilben verursacht und tritt in letzter Zeit wieder häufiger auf. Schlechte Hygiene und mangelnde Aufklärung begünstigen die Ausbreitung. Die Krankheit ist extrem ansteckend und sollte deshalb so früh wie möglich behandelt werden.

Krätze tritt wieder häufiger auf

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) meldet einen Anstieg um 500% bei erkranktem Personal in Altenheimen an Krätze.

Grund hierfür ist, dass die Krätze häufig noch als ein Hygieneproblem gesehen wird und deshalb das Thema oft nicht offen angesprochen wird. Die Übertragung bei pflegerischen Tätigkeiten ist jedoch nicht zu unterschätzen. Oftmals wird Krätze auch als Allergie oder Ekzem fehl gedeutet.

Wiederansteckung verhindern

Eine einfache Methode ist die Behandlung von Bett- und Leibwäsche mit mindestens 60ľC heißem Wasser, und zwar am besten mittels einer Waschmaschine oder mit einem Dampfstrahler. Für empfindliche Wäsche bleibt oft nur die Möglichkeit, die relativ große Wirtsspezifität der Milben auszunutzen und ihnen die Nahrungsgrundlage zu entziehen: praktisch und einfach ist es, die Wäsche z.B. in festen Müllsäcken für mindestens 72 Stunden einzulagern - unabhängig von der Außentemperatur. Die Milben und Larven verhungern in dieser Zeit und die Gefahr der erneuten Wirtsfindung und damit Wiederansteckung, wie sie bei offener Wäsche möglich ist, kann so verhindert werden.

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