Arzneimittel und Therapie

Skabies weiter auf dem Vormarsch

Infektionen mit Krätzmilben (Skabies) breiten sich in Deutschland immer weiter aus. Häufig wird die Infektion zu spät oder gar nicht diagnostiziert. Wenn sie dennoch rechtzeitig erkannt wird, ergeben sich nicht selten Probleme bei der Therapie. Denn vor allem Kinder, Schwangere oder Stillende sollten nicht mit topischen Wirkstoffen behandelt werden, die die Gefahr der Resorption in sich bergen.


Insbesondere in Alten- und Pflegeheimen, aber auch in Krankenhäusern, Kindergärten und Schulen breiten sich Krätzeinfektionen immer weiter aus. Gefährlich ist, dass die Betroffenen ihre Erkrankung aus Scham oft verschweigen. Bei der Krätze handelt es sich um eine infektiöse Erkrankung. Hervorgerufen wird die Krätze durch die Skabiesmilbe Sarcoptes scabiei, die winzige Gänge in die obersten Hautschichten bohrt und dort ihre Eier ablegt. Betroffen sind vor allem die Bereiche zwischen den Fingern, den Hand- und Fußgelenken, aber auch der Genitalbereich. Wichtigstes Symptom ist der starke nächtliche Pruritus und die ekzematös veränderte Haut. Skabies wird insbesondere durch engen Hautkontakt übertragen, aber auch durch kontaminierte Bettwäsche und Kleidungsstücke ist eine Übertragung möglich. Nicht selten wird die Krätze zunächst als allergische Erkrankung oder Ekzem fehlinterpretiert.

Wichtigstes Symptom: Juckreiz


Wichtiges Symptom der Skabies ist schwerster, vor allem nächtlicher Juckreiz. Typisch ist das Bild eines Ekzems, das stark exkoriiert wird und meist Kopf, Gesicht und oberen Rücken ausspart. Bei Verdacht auf Skabies gilt es, die charakteristischen Milbengänge - fragezeichenartig gewundene, bis 5 mm lange strichförmige Effloreszenzen, die sich bestens an den Handgelenken und Fingerseitenkanten nachweisen lassen - zu suchen. Die 0,3 mm große Milbe kann mit einer Kanülenspitze am Ende eines solchen Ganges herausgehebelt werden, um die Diagnose zu sichern.
Erschwert wird die Skabiesdiagnostik durch zahlreiche Sonderformen der Erkrankung. Die Skabies crustosa ist die Maximalvariante einer Krätze. Bei dieser Form beherbergt der Patient in Krusten und Schuppenkrusten so zahlreiche Milben, dass auch eine Infestation über tote Gegenstände möglich ist; hier treten immer wieder kleine Endemien in Krankenhäusern und Pflegeheimen auf.

Lokaltherapie


Zur Therapie der Skabies sind in Deutschland Lindan, Benzylbenzoat, Crotamiton, eine Kombination aus Allethrin I und Piperonylbutoxid sowie Mesulfen zugelassen. Die Behandlung von Schwangeren, von stillenden Müttern und von Kindern unter drei Jahren wirft allerdings immer wieder Probleme auf. Wichtig ist die sorgfältige Applikation des Skabizids auf dem gesamten Integument sowie die ausnahmslose Behandlung aller engen Kontaktpersonen des Patienten, auch wenn sie (noch) keine Symptome zeigen.
Bei unkomplizierter Skabies eignet sich Lindan. Grundsätzlich anders ist die Situation aber bei besonders empfindlichen Patienten, etwa Kleinkindern, Schwangeren oder Frauen in der Stillperiode. Hier bietet sich als Alternative beispielsweise der Wirkstoff Benzylbenzoat (Antiscabiosum(r)) an. Seine Vorteile: er ist hochwirksam und einfach anzuwenden. Darüber hinaus wirkt er im Gegensatz zu Lindan streng kutan und lässt sich auch in der Muttermilch nicht nachweisen.
Um beispielsweise ein begleitendes Ekzem zu behandeln, kann eine Magistralrezeptur durchaus eine sinnvolle Ergänzung der bestehenden Möglichkeiten darstellen. Allerdings müssen alle enthaltenen Wirkstoffe einer solchen Rezeptur wissenschaftlich überprüft sein, damit es nicht zu Inkompatibilitäten kommt. Sind diese Bedingungen gewährleistet, kann je nach Lokalisation und Akuität des Krankheitsbildes eine individuelle Rezeptur angefertigt werden. Quelle
Dr. Monika Agathos, München, Symposium der Strathmann AG, Kluvensiek bei Kiel, 29. bis 31. Januar 1999.
Priv.-Doz. Dr. Wolfgang Gehring, Karlsruhe

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