Arzneimittel und Therapie

Zulassungserweiterung: Hoffnung für Kinder mit Morbus Fabry

Die europäische Zulassungsbehörde EMEA hat die Zulassung für Agalsidase alfa (Replagal®) geändert, wie Shire mitteilte. Diese schließt jetzt auch Kinder ab sieben Jahren ein, die an Morbus Fabry leiden. Dadurch ist Agalsidase alfa die einzige Enzymersatztherapie, die Daten für diese Altersgruppe im offiziellen Zulassungstext enthält, was neue Hoffnung für diese Kinder und deren Angehörige bedeutet. Denn zum gegenwärtigen Zeitpunkt kann der Morbus Fabry nicht geheilt werden Ų die Behandlung verläuft im Allgemeinen symptomatisch.

Agalsidase alfa ist zur langfristigen Enzymersatztherapie bei Patienten mit bestätigter Diagnose des Fabry-Syndroms (α-Galactosidase A Mangel) angezeigt. Der Morbus Fabry ist die zweithäufigste lysosomale Speicherkrankheit und betrifft sowohl Männer als auch Frauen. Ohne Behandlung ist die Lebenserwartung im Allgemeinen um 15 bis 20 Jahre verkürzt.

Patienten mit Fabry-Syndrom können ein wichtiges Enzym, die α-Galactosidase A (α-Gal A) nicht produzieren bzw. leiden an einem Mangel davon. Ohne α-Gal A sammelt sich eine als Globotriaosylceramid oder Gb3 bezeichnete Fettsubstanz in Lysosomen der Zellen im ganzen Körper an, was zu Organversagen und lebensgefährlichen Komplikationen führt. Der Morbus Fabry ist progredient und betrifft nahezu alle Organe, einschließlich Nieren, Herz, Gehirn, Augen, Gastrointestinaltrakt, Nervensystem und Haut. Ohne Behandlung sterben Fabry-Patienten oft frühzeitig aufgrund von Nieren-, Herz- oder zerebrovaskulären Komplikationen.

Agalsidase alfa ist eine aus menschlichen Zellen gewonnene Enzymersatztherapie, die für die Langzeitbehandlung von Patienten mit Morbus Fabry zugelassen ist. Agalsidase alfa ist darauf ausgerichtet, die dem Fabry-Syndrom zu Grunde liegenden Ursachen zu behandeln, indem defektes oder fehlendes Enzym durch aktives Enzym ersetzt wird, um die klinischen Symptome aufzuhalten bzw. zu verbessern. So werden z. B. die klinischen Manifestationen aufgehalten und die Nierenfunktion stabilisiert, die Schmerzen gelindert und kardiale Symptome und gastrointestinale Beschwerden verbessert, was zu einer erheblichen Verbesserung der Lebensqualität führt.

Späteren Komplikationen vorbeugen Diese Zulassungserweiterung für Kinder ab sieben Jahre beruht auf neuen Sicherheits- und Wirksamkeitsdaten, die zeigten, dass Agalsidase alfa als intravenöse Infusion jede zweite Woche über einen Zeitraum von 40 Minuten verabreicht, gut verträglich ist. Mehr als die Hälfte der Patienten, die wegen neuropathischer Schmerzen, die die häufigsten, stark einschränkenden und frühen Symptome des Morbus Fabry darstellen, behandelt wurden, konnten die Schmerzmittel reduzieren oder ganz absetzen. Zusätzlich wurden die Plasmaspiegel der Fettsubstanz Globotriaosylcer–amid (Gb3) signifikant reduziert. Vom fötalen Stadium an kann sich Gb3 in den Lysosomen der Körperzellen von Fabry-Patienten ansammeln und zu progredientem Organversagen führen. Dieser Rückgang des Gb3-Spiegels hat das Potenzial, die Anzeichen der Fabry-Erkrankung bei Kindern zu verhindern.

Diagnose und Therapie des Morbus Fabry Das Fabry-Syndrom ist eine Störung der Glykosphingolipid-Speicherung, die durch fehlende Aktivität des lysosomalen Enzyms α-Galactosidase A verursacht wird und zu einer Ansammlung von Globotriaosylceramid (Gb3) führt, dem Glyko–sphingolipid-Substrat für dieses Enzym. Agalsidase alfa katalysiert die Hydrolyse von Gb3 durch Abspaltung eines Galactose-Endrückstands von dem Molekül. Es hat sich gezeigt, dass die Behandlung mit diesem Enzym die Ansammlung von Gb3 in vielen Zelltypen reduziert. Für Patienten mit Morbus Fabry stehen zwei Präparate zur langfristigen Enzymsubstitution zur Verfügung.

Agalsidase alfa (Replagal®) und Agalsidase beta (Fabrazyme®). Agalsidase alfa ist das auf gentechnologischem Weg in einer menschlichen Zell-Linie produzierte menschliche Protein α-Galactosidase A, das somit ein menschliches Glykosylierungsmuster hat.

Agalsidase beta ist eine rekombinante Form der humanen α-Galactosidase A, die mittels rekombinanter DNA-Technologie aus Säugetierzellkulturen der Eierstöcke des chinesischen Hamsters (CHO) hergestellt wird. Die Aminosäuresequenz der rekombinanten Form und die für die Codierung erforderliche Nukleotidsequenz sind mit der natürlichen Form der α-Galactosidase identisch.

X-chromosomal rezessiv vererbbar Der Morbus Fabry wird durch ein defektes Gen auf dem X-Chromosom verursacht, d. h. bei den meisten Betroffenen wird die Erkrankung vererbt und von Generation zu Generation übertragen. Die Inzidenz der Erkrankung wird auf 1:40.000 bei Männern geschätzt, ebenso die Zahl der heterozygoten Trägerinnen. Die Krankheit kann jederzeit – sogar vor der Geburt – diagnostiziert werden. Die exakte Diagnose des M. Fabry erfolgt durch die Messung der Aktivität der α-Galactosidase. Alle betroffenen männlichen Personen haben Werte, die weit unter denen gesunder Personen liegen. Bei Frauen kann die Enzymaktivität im unteren Normbereich liegen, da Trägerinnen ein gesundes und ein verändertes X-Chromosom besitzen. Hier ist in jedem Fall eine genetische Analyse nötig.

Auf frühe Symptome achten! Die ersten Symptome können zu unterschiedlichen Zeitpunkten auftreten und sind auch hinsichtlich der Art der auftretenden Beschwerden uneinheitlich. Das Leiden beginnt normalerweise in der Kindheit oder im Jugendalter mit wiederkehrenden schmerzhaften Krisen, Angiokeratomen und kornealer Dystrophie, mit Schmerzen, Fieber, verminderter Schweißbildung, Müdigkeit sowie Wärme- und Kälteunverträglichkeit. Andere Symptome wie Proteinurie, Ödeme, Anhidrose und gastrointestinale Probleme entwickeln sich in dem Maße, in dem der Patient älter wird. Die schwerwiegenden Manifestationen von Morbus Fabry (d. h. Herzerkrankungen, Niereninsuffizienz und zerebrovaskuläre Attacken) treten im Allgemeinen im 4. oder 5. Lebensjahrzehnt auf. Diagnostiziert werden die Patienten im Durchschnitt jedoch erst im Alter von 29 Jahren, wenn sie bereits jahrelang mit Symptomen zu kämpfen hatten. Die in jüngeren Jahren bereits aufgetretenen Beschwerden bleiben oft bestehen. Patienten mit Morbus Fabry haben ein erhöhtes Risiko, an renalen, kardiovaskulären oder zerebrovaskulären Erkrankungen zu versterben. ck

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