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Praxisgebühr und Zuzahlung: Gesundheitsreform beginnt zu wirken

BERLIN (ks). Die Gesundheitsreform zeigt erste Wirkung Ų dies vermeldete der Sprecher des Bundesgesundheitsministerium Klaus Vater am 20. Februar. Vater führte dies unter anderem darauf zurück, dass die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente im Januar um ein Prozent gesunken seien und der Versandhandel in Gang komme.

Noch seien die vorliegenden Zahlen von "begrenztem Aussagewert", räumte der Ministeriumssprecher ein. Dennoch: Die Zahl der Arztkontakte ist um sieben bis 15 Prozent zurückgegangen; die Apothekerverbände melden ebenfalls rückläufige Umsätze in bestimmten Bereichen. Dies seien wichtige Indizien für das Wirken der Reform, erklärte Vater.

Der Gesundheitsbereich ist viele Jahre lang ein fest gefügter Bereich mit ganz wenig Bewegung gewesen. Das, was sich jetzt abspielt, zeigt, dass wirklich Bewegung in das gesamte System kommt." Vater verwies darauf, dass sich derzeit noch zwei Einflüsse mischen: Zum einen mache es sich bemerkbar, dass es im Dezember bei Arztbesuchen und Arzneimittel-Verordnungen einen Vorzieheffekt gegeben habe.

Dennoch gingen die Fachleute des Ministeriums davon aus, dass sich in dem Preissignal bei Arzneimitteln "auch schon die ersten Hinweise für die Wirksamkeit der Gesundheitsreform dokumentieren". Darüber hinaus, so Vater weiter, bereiteten die Krankenkassen ihre Bonusprogramme vor und komme die integrierte Versorgung voran.

Lauterbach optimistisch gestimmt

Auch der Gesundheitsökonom Karl Lauterbach zeigt sich nahezu überrascht über die Wirkungen der Reform: Ihn stimmt besonders die steigende Zahl der Überweisungen optimistisch. Ihre Zunahme sei ein gutes Zeichen, da sie auch ein bewussteres Verhalten der Patienten bei der Arztauswahl signalisiere. Früher seien zu viele Patienten "oft von sich aus zu falschen Fachärzten gegangen", sagte Lauterbach der Financial Times Deutschland (Ausgabe vom 20. Februar).

Insofern steuere die Gebühr von zehn Euro die Patienten "stärker, als ich das selbst erwartet habe". Lauterbach erwartet, dass Besuche bei Fachärzten wie Orthopäden oder Hals-Nasen-Ohren-Ärzten dauerhaft um etwa 20 Prozent zurückgehen werden.

Zudem rechnet er in den nächsten Monaten mit einer besseren integrierten Versorgung in Krankenhäusern, die zu Versorgungszentren umgebaut würden. Die hier zu erwartenden Einsparungen der Kassen gingen weit über die Einnahmen aus der Praxisgebühr oder den Zuzahlungen hinaus, sagte der Berater Ulla Schmidts der FTD.

Unterschiedliche Reaktionen der Kassen

Zufrieden zeigt sich auch der Vorstandsvorsitzende der Barmer Ersatzkasse, Eckart Fiedler: "Die Vorzieheffekte aus dem Dezember, die die Barmer insgesamt rund 100 Mio. Euro gekostet haben, haben wir im Januar zur Hälfte wieder reingeholt", zitiert ihn die FTD. Der Vize-Chef der DAK, Herbert Rebscher, warnt hingegen noch zur Vorsicht. "Ich glaube erst an echte Steuerungseffekte, wenn das erste Halbjahr vergangen ist", so Rebscher.

Auch der Chef des AOK-Bundesverbands, Hans-Jürgen Ahrens, erklärte, es sei noch zu früh, dauerhafte Entlastungen für die Kassen zu berechnen. Noch könne die Zurückhaltung der Patienten auch Folge des Ansturms auf Praxen und Apotheken im Dezember sein.

Kassenvorstände legen Bezüge offen

Als "eine Facette des Belegs dafür, dass die Gesundheitsreform zu wirken beginnt" nannte Vater zudem den Vorstoß verschiedener Krankenkassen-Chefs, ihre Vorstands-Bezüge offen zu legen. Dies sieht die Reform ohnehin vor, doch einige Vorstände handelten schneller als sie gemusst hätten.

So hatte Barmer-Chef Fiedler am 20. Februar erklärt, seine Jahresvergütung habe sich 2003 auf "185 422 Euro inklusive Nebenleistungen" belaufen. Andere Kassenvorstände zogen nach: So soll etwa der Chef der Deutschen Angestellten-Krankenkasse, Hansjoachim Fruschki, 221 000 Euro im Jahr erhalten, der Chef der Techniker Krankenkasse, Norbert Klusen verdient 216 730 Euro.

Die Gesundheitsreform zeigt erste Wirkung – dies vermeldete der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums Klaus Vater am 20. Februar. Vater führte dies unter anderem darauf zurück, dass die Preise für verschreibungspflichtige Medikamente im Januar um ein Prozent gesunken seien und der Versandhandel in Gang komme. Noch seien die vorliegenden Zahlen von "begrenztem Aussagewert. Dennoch: Die Zahl der Arztkontakte ist um sieben bis 15 Prozent zurückgegangen; die Apothekerverbände melden ebenfalls rückläufige Umsätze in bestimmten Bereichen. 

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