Arzneimittel und Therapie

Hyperlipidämie: Erst Diät, dann Medikamente

Eine spezielle Diät kann denselben Effekt wie die Einnahme von Statinen bewirken. Zu diesem Ergebnis kam eine amerikanische Studie, in der Patienten mit Hyperlipidämie diätetisch oder medikamentös behandelt wurden. Beide Vorgehensweisen führten zu einer Reduktion des Cholesterolspiegels um rund 30%.

Mit den üblichen fettarmen Diäten kann eine Senkung des Cholesterolspiegels um 4 bis 13% erzielt werden. Die Einnahme von Statinen führt hingegen zu einer 28 bis 35%igen Senkung und wird deshalb als die effektivere Therapie angesehen. In jüngster Zeit sind kardioprotektive Effekte bestimmter Diäten in umfangreichen Studien bestätigt worden, und es stellt sich die Frage, ob diese Diätformen auch zur Senkung des Cholesterolspiegels beitragen können und welchen Benefit sie im Vergleich zu Statinen aufweisen.

Bei der erwähnten Diät handelt es sich um eine Ernährung, die reich an pflanzlichen Sterolen, Faserstoffen, Nüssen und Sojaproteinen ist, aber wenig gesättigte Fettsäuren enthält. In einer Studie wurde der Effekt dieser Diätform bei Vorliegen einer Hyperlipidämie nun direkt mit der Einnahme von Statinen verglichen.

Studie mit drei Behandlungsarmen

Für die Studie wurden 46 gesunde Erwachsene (25 Männer und 21 Frauen mit einem Durchschnittsalter von 59 Jahren und mit einem mittleren Body-Mass-Index von 27,5) ausgewählt, die zu hohe Cholesterol- (zwischen 240 und 275 mg/dl) und zu hohe Triglyceridwerte aufwiesen. Nach einer einmonatigen Periode, in der alle Studienteilnehmer eine Diät mit wenig gesättigten Fettsäuren einhielten, wurden sie in drei Gruppen eingeteilt:

  • Gruppe 1 erhielt ein Diät mit wenig gesättigten Fettsäuren, viel Zerealien und fettarmen Lebensmitteln (Kontroll-Gruppe mit konventioneller Diät)
  • Gruppe 2 dieselbe Diät plus 20 mg Lovastatin am Tag (Statin-Gruppe mit konventioneller Diät)
  • Gruppe 3 eine Diät mit pflanzlichen Sterolen (1,0 g/1000 kcal), Sojaproteinen (21,4 g/1000 kcal), Pflanzenfasern (9,8 g/1000 kcal) und Mandeln (14 g/1000 kcal) (spezielle Diät-Gruppe)

Alle Diäten waren vegetarisch und wurden während mindestens vier Wochen eingehalten. In regelmäßigen Abständen wurden Lipidparameter und das C-reaktive Protein gemessen sowie Blutdruck und Körpergewicht festgehalten. Die Auswertung der gesammelten Daten erfolgte mit Hilfe einer Intention-to-treat-Analyse.

Effektive Cholesterolsenkung durch spezielle Diät

In allen drei Gruppen lag die Compliance bei über 90%. Nach Ablauf von vier Wochen war bei allen drei Gruppen eine Abnahme des LDL-Wertes festzustellen. Diese betrug in der KontrollGruppe 8%, in der Statin-Gruppe 30,9% und in der Diät-Gruppe 28,6%. Die Abnahme von C-reaktivem Protein betrug 10% in der Kontroll-Gruppe, 33,3% in der Statin- und 28,2% in der Diät-Gruppe.

Die Senkung der Lipidparameter und die Abnahme von C-reaktivem Protein waren in der Statin- und Diät-Gruppe statistisch signifikant (im Vergleich zur Kontroll-Gruppe). Die Unterschiede zwischen der Statin- und der Diät-Gruppe waren statistisch nicht signifikant. Durch die effektive Lipidsenkung nahm das kalkulierte Herz-Kreislauf-Risiko in der Statin- und Kontroll-Gruppe um rund 5% ab. In allen drei Gruppen wurde ein geringfügiger Gewichtsverlust verzeichnet, ferner wurde eine leichte, nicht signifikante Senkung des Blutdrucks registriert.

Mögliche Konsequenzen

Dank spezieller diätetischer Maßnahmen konnte bei einer kleinen Studiengruppe der Lipidspiegel gleich effektiv gesenkt werden wie durch die Einnahme von Statinen. Sollte sich dieses Ergebnis auch im Rahmen größerer und längerer Studien bestätigen, könnte dies mehrere Konsequenzen haben:

  • Kostenaspekt (keine Therapiekosten, dafür Aufwendungen für die spezielle Diät)
  • Alternative bei Statinintoleranz
  • Alternative für Patienten, die eine nicht-medikamentöse Therapie vorziehen

Es bleibt abzuwarten, wie viele Patienten bereit und motiviert sind, diese Diät konsequent einzuhalten und ob eine solche Diät auch bei gastrointestinalen Beschwerden durchführbar ist. Für geschulte und motivierte Patienten scheint aber eine Alternative zur Therapie mit Statinen vorzuliegen.

Literatur

Jenkins D., et al.: Effects of a dietary portfolio of cholesterol-lowering foods vs Lovastatin on serum lipids and C-reactive protein. J. Am. Med. Ass. 290, 502 – 510 (2003). Anderson J.: Diet first, then medication for hpyercholesterolemia. J. Am. Med. Ass. 290, 531 – 533 (2003).

Eine spezielle Diät kann denselben Effekt wie die Einnahme von Statinen bewirken. Zu diesem Ergebnis kam eine amerikanische Studie, in der Patienten mit Hyperlipidämie diätetisch oder medikamentös behandelt wurden. Beide Vorgehensweisen führten zu einer Reduktion des Cholesterolspiegels um rund 30%.

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