Arzneimittel und Therapie

Diäten punkten bei NAFL

Intervallfasten und Low-Carb-High-Fat-Diät sind Lebensstilberatung überlegen

Die nichtalkoholische Fettleber (NAFL) zählt zu den häufigsten Lebererkrankungen – Tendenz steigend. Allein in Deutschland ist jeder vierte Bürger über 40 Jahre betroffen. Übergewicht, ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel begünstigen die Entstehung. Da es keine pharmakologische Therapie gibt, stehen insbesondere Diätmaßnahmen im Fokus der Behandlung und das Verhindern des Fortschreitens der Erkrankung. Doch welche der zahlreichen Diätformen können tatsächlich empfohlen werden?

Unter der nichtalkoholischen Fettlebererkrankung versteht man eine erhöhte Infiltration von Fett in der Leber, obwohl die Betroffenen keinen oder nur wenig Alkohol trinken. In den meisten Fällen entsteht sie im Rahmen des metabolischen Syndroms. So sind insbesondere Typ-2-Diabetiker und Menschen mit Adipositas von der Erkrankung betroffen. Durch falsche Ernährung, Insulinresistenz und Übergewicht kommt es zu einer Hyperlipidämie. Infolgedessen steigt die Neusynthese an Triglyceriden, und es wird vermehrt Fett in der Leber gespeichert.

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Bei der 5:2-Diät darf an fünf Tagen normal gegessen werden. An den zwei Fastentagen darf man maximal 25% der üblichen Kalorienmenge zu sich nehmen.

Lange keine Symptome

Das Gefährliche an der nichtalkoholischen Fettleber ist, dass die Patienten lange Zeit nichts von der Erkrankung bemerken – oft handelt es sich um eine Zufallsdiagnose im Rahmen einer Check-up-Untersuchung. Erst wenn die Erkrankung fortgeschritten ist, kommt es zu Symptomen wie Müdigkeit, Druckgefühl oder Schmerzen im rechten Oberbauch. Findet keine Behandlung statt und kommt es zur weiteren Progression, können Leberzirrhose oder hepatozelluläre Karzi­nome entstehen. Zur Diagnostik der nichtalkoholischen Fettleber zählen bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) und die Bestimmung der Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (GOT) und der Glutamat-Pyruvat-Transaminase (GPT). Da bisher keine Arzneimittel zur Behandlung der nichtalkoholischen Fettleber zugelassen sind, besteht die derzeitige Therapie aus Gewichtsreduktion, gesunder Ernährung und Bewegung.

Welche Diät ist die beste?

Es gibt verschiedene Diätformen, die dabei unterstützen können, doch welche ist auch wirklich zur Behandlung der nichtalkoholischen Fettleber hilfreich? Dieser Frage ging eine aktuelle Studie von Holmer et al. (Karolinska Universitätsklinik, Stockholm) nach, die vor Kurzem im Preprint veröffentlicht wurde. In der randomisierten Open-Label-Studie wurden die Effekte von Intervallfasten (5:2) und Low-Carb-High-Fat-Diät (LCHF) zur Reduktion der Fettlebererkrankung untersucht. Das Intervallfasten (intermittierendes Fasten) ist eine derzeit sehr beliebte Fastenform, da sie leicht durchzuführen ist: So soll ein vorzeitiger Abbruch der Diät vermieden und das „Durchhalten“ gefördert werden. Bei der 5:2-Form wird an fünf Tagen der Woche normal gegessen und an den zwei Fastentagen maximal ein Viertel der üblichen Kalorienmenge zugeführt. Bei der Low-Carb-High-Fat-Diät werden Kohlenhydrate deutlich reduziert und dafür vermehrt Fette aufgenommen, mit dem Ziel, Gewicht zu reduzieren und das Wohlbefinden zu verbessern. Beide Diätformen führen nicht nur zur Gewichtsreduktion, sondern auch zu einer Besserung der Insulinresistenz. Es gab bisher jedoch keine Studie, in der die Wirksamkeit der beiden Diäten bei nichtalkoholischer Fettleber untersucht wurde. In der aktuellen Studie wurden ins­gesamt 74 Patienten mit nichtalko­holischer Fettleber eingeschlossen.

Drei Formen der Ernährungs­umstellungen im Test

Alle Studienteilnehmer erhielten 24 bis 72 Stunden vor der Randomisierung eine MRT-Untersuchung zur genauen Bestimmung der Fettleber­erkrankung. Die Randomisierung erfolgte 1:1:1 in drei Blöcken – 5:2-Diät, Low-Carb-High-Fat-Diät oder allge­meine Lebensstilberatung (SoC) durch einen Hepatologen mit einer Dauer von zwölf Wochen. Die Studienteilnehmer bekamen unterstützende Materialien und Diät-spezifische Kochbücher zur Hand. Sie sollten ein Ernährungstagebuch führen und erhielten im Verlauf regelmäßige Follow-up-Telefonate, um die Adhärenz zu fördern. Bei der intermittierenden Diät wurde die Kalorienzufuhr an den beiden Fastentagen auf 500 kcal/Tag für Frauen und 600 kcal/Tag für Männer begrenzt; an den restlichen Tagen lag die maximal Kalorienzufuhr bei 2000 kcal/Tag bzw. 2400 kcal/Tag. Dabei sollten die Mahlzeiten aus 45 bis 60% Kohlenhydraten, 25% Fett und 10 bis 20% Eiweiß bestehen. Die Kalorienzufuhr bei der Low-Carb-High-Fat-Diät wurde auf 1600 kcal/Tag für Frauen bzw. auf 1900 kcal/Tag für Männer begrenzt. Der Kohlenhydratanteil wurde auf maximal 5 bis 10% reduziert, während der Fettanteil bei 50 bis 80% und der Eiweißgehalt bei 15 bis 40% lagen. Die Standardbehandlung beinhaltete allgemeine Lebensstiländerungen wie gesunde Ernährung, Reduktion von Süßigkeiten und gesättigten Fettsäuren und drei kleinen, regulären Mahlzeiten pro Tag. Primärer Endpunkt war die Reduktion der Fettlebererkrankung diagnostiziert anhand von MRT-Untersuchungen. Sekundäre Endpunkte umfassten unter anderem die Verbesserung der Insulinresistenz, Bestimmung der Blutfette und transiente Elastografie-Untersuchungen (zur Bestimmung des Bindegewebeanteils der Leber).

Deutliche Ergebnisse

In der Studie konnte gezeigt werden, dass die Low-Carb-High-Fat- und die intermittierende Diät der Standard­behandlung in der Reduktion der Fett­lebererkrankung überlegen sind (absolute Reduktion: LCHF: -7,2%; 5:2-­Diät: -6,1%; SoC: -3,6%). Auch die Gewichtsreduktion war bei beiden Diäten höher als unter der Standardtherapie (LCHF: -7,3 kg; 5:2-Diät: -7,4 kg; SoC: -2,5 kg). Zwischen den beiden Diät-Formen gab es jedoch keinen statistisch signifikanten Unterschied. Der Bindegewebsumbau der Leber (Grad der Fibrose) konnte durch das intermittierende Fasten und Standardtherapie verbessert werden; in der Low-Carb-High-Fat-Gruppe trat keine Besserung ein. Des Weiteren konnte gezeigt werden, dass Patienten, die eine der beiden Diäten angewandt hatten, signifikant reduzierte HbA1c-Werte aufwiesen und die Insulinresistenz verbessert werden konnte. In der Gruppe konnte auch eine deutliche Reduktion der Blutfette gemessen werden, der Effekt trat jedoch nicht bei den Teilnehmern der Low-Carb-High-Fat- und der Standardbehandlung auf. In der Low-Carb-High-Fat-Gruppe wurden sogar höhere LDL- und HDL-Cholesterol-Werte gemessen als zu Studienbeginn, was bei Patienten mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko berücksichtigt werden sollte.

Unerwünschte Ereignisse waren in der Low-Carb-High-Fat-Gruppe häufiger, so berichteten einige Teilnehmer über gastrointestinale Beschwerden. In der 5:2-Gruppe traten an den Fastentagen bei einigen Patienten Hunger und Müdigkeit auf.

Fazit

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass beide Diätformen zur Behandlung der Fettlebererkrankung geeignet sind. Darüber hinaus führen sie zur deutlichen Gewichtsreduktion und Verbesserung der Insulinresistenz, was sich auch auf Begleiterkrankungen wie Diabetes Typ II positiv auswirkt. Im Hinblick auf die Senkung der LDL-Cholesterol-Werte und Reduktion des Bindegewebsumbaus der Leber scheint die intermittierende Diät vorteilhafter zu sein, was jedoch durch weitere größere und länger andauernde Studien belegt werden sollte. |
 

Literatur

Aue KM. Richtig ernährt bei Lebererkrankungen. DAZ 2012, Nr. 22, S. 67

Ernährungspraxis Intervallfasten. Informationen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. www.dge.de/ernaehrungspraxis/diaeten-fasten/intervallfasten/, Abruf am 17.März 2021

Holmer M, Lindqvist C, Petersson S, Moshtaghi-Svensson J, Tillander V, Brismar TB, Hagström H, Stal P. Treatment of NAFLD with intermittent calorie restriction or low-carb high-fat diet – a randomized controlled trial. JHEP Reports 2021; doi.org/10.1016/j.jhepr.2021.100256

Wiebner B. Nicht-alkoholische-Fettleber (NAFL) – Platz eins der Fettleber-Diagnosen. Informationen der Deutschen Leberstiftung. www.deutsche-leberstiftung.de/presse/pressemappe/lebererkrankungen/fettleber/nicht-alkoholische-fettleber/, Abruf am 11. März 2021

Apothekerin Dr. Martina Wegener

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