Arzneimittel und Therapie

Schwere Systemmykosen: Caspofungin verbessert Überlebenschancen

Für Patienten mit geschwächtem Immunsystem sind invasive Mykosen eine lebensbedrohliche Komplikation. Unter der Behandlung mit herkömmlichen Antimykotika sterben noch immer mehr als 50% der Patienten. Caspofungin, ein Vertreter der neuen Breitband-Antimykotika-Klasse der Echinocandine, soll nach einer Pressemitteilung von MSD Sharp & Dohme GmbH die Überlebenschancen dieser Patienten in Zukunft deutlich verbessern. Die Substanz ist in den USA und in Europa zugelassen und soll bei uns in den nächsten Wochen auf den Markt kommen.

Neben Caspofungin gehören zwei weitere noch in der Entwicklung befindliche Wirkstoffe, Anidulafungin und Micafungin, zu der Gruppe der Echinocandine. Ihr Wirkprinzip ist bereits von den Penicillinen bekannt: So wie Penicilline die Zellwandsynthese bei Bakterien hemmen, hemmen Echinocandine die Zellwandsynthese bei Pilzen, indem sie den Aufbau der Zellwand des Pilzes durch Hemmung der Glucan-Synthese verhindern.

Caspofungin ist der erste Vertreter dieser Inhibitoren, der in Europa zugelassen ist. Die Zulassung ist zunächst auf die Behandlung invasiver Aspergillosen nach Vortherapie beschränkt. Die Zulassung zur Behandlung von Candida-Infektionen ist beantragt.

Fungizide Wirkung auch gegen Problemstämme

Die mikrobiologischen Daten von Caspofungin sind vielversprechend: Es wirkt fungizid gegen alle Candida-Spezies, selbst problematische Stämme wie C. parapsilosis können voraussichtlich mit einer leicht erhöhten Dosis abgetötet werden. Die genauen Daten hierzu stehen noch aus. Da keine Kreuzresistenz zu Azolen oder Polyenen vorliegt, lassen sich auch bisher resistente Candida spp. erfolgreich therapieren.

Das breite Wirkspektrum von Caspofungin umfasst alle Candida-Arten und entspricht in etwa dem von Amphotericin B. Das neue Antimykotikum hat zusätzlich, aufgrund seines selektiven Wirkansatzes, erheblich weniger unerwünschte Wirkungen. Auch gegen Aspergillus weist der Glucan-Synthese-Inhibitor eine hohe Aktivität auf. Er bietet dabei eine bisher noch nicht beobachtete Besonderheit: Caspofungin zerstört nur die wachsenden Segmente des Schimmelpilzes, die ruhenden Anteile überleben.

Gut wirksam und verträglich

Nach den bisher vorliegenden Daten einer randomisierten, doppelblinden Vergleichsstudie von Caspofungin und Amphotericin B zeichnet sich bereits jetzt für beide Substanzen ein gleich guter Therapieerfolg, vielleicht sogar eine leichte Überlegenheit für Caspofungin, ab. Besonders deutlich sei nach Firmenangaben die gute Verträglichkeit des neuen Präparates zu erkennen.

Wirksam bei immunsuppressiven Risikopatienten

Seine Wirksamkeit als Salvage-Therapie bei nachgewiesener invasiver Aspergillose hat Caspofungin in einer offenen Studie mit immunsuppressiven Risikopatienten unter Beweis gestellt. Die schwer kranken Patienten hatten entweder auf eine antimykotische Standardtherapie nicht angesprochen oder mussten aufgrund von akuten Unverträglichkeitsreaktionen die Therapie vorzeitig abbrechen. Nach Umstellung auf Caspofungin zeigten 41% der Patienten eine positive Therapieantwort. Hierzu gehörten Patienten, die neutropenisch waren, die hochdosiert Cortison oder Tacrolimus erhalten hatten, die unter chemotherapeutischer Behandlung standen oder bei denen es während der Therapie zu einer Progression der Krankheit gekommen war. Bis auf wenige Ausnahmen wurde die Behandlung gut vertragen.

Anderen wirksamen Antimykotika mindestens ebenbürtig

Die FDA hat aufgrund der bisher vorliegenden Daten festgestellt, dass Caspofungin bei nachgewiesener Aspergillose anderen gegen Aspergillus wirksamen Antimykotika gegenüber mindestens ebenbürtig ist. Aufgrund ihres hohen Sicherheitsprofils sollte den Echinocandinen auch gegenüber dem liposomalen Amphotericin B AmBisome® der Vorzug gegeben werden. Denn AmBisome® ist zwar wesentlich weniger toxisch als Amphotericin B, aber es kann zu Elektrolytstörungen und zu Nephrotoxizität kommen.

Salvage-Therapie mit Caspofungin

Bei nachgewiesenen Aspergillus-Infektionen empfiehlt es sich, die Behandlung mit Voriconazol zu beginnen und bei Problempatienten auf eine Salvage-Therapie mit Caspofungin umzusteigen. Azole (Fluconazol, Itraconazol) haben aufgrund zunehmender Resistenzen bei Problemstämmen und eingeschränkter Anwendung bei Nierenfunktionsstörungen ihren Platz eher in der Prophylaxe von Pilzinfektionen. Kommt es unter der Prophylaxe jedoch zu einer manifesten Infektion, sei die Behandlung mit einer AmBisome®/Echinocandin-Kombination der Anwendung eines weiteren Azols vorzuziehen, so die Mitteilung der Firma.

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