Arzneimittel und Therapie

Neues Malariatherapeutikum: Riamet wirkt selbst in Multiresistenzgebieten

In diesen Tagen wird nach einer Information von Novartis ein neues Präparat gegen Malaria im deutschen Markt eingeführt: Riamet® mit den Wirkstoffen Artemether und Lumefantrin. Das Mittel zeichnet sich durch seine hohe Wirksamkeit und gute Verträglichkeit aus. Mit ihm steht eine neue Alternative für die Behandlung der noch immer oft tödlich verlaufenden Krankheit zur Verfügung.

Ungenügende Prophylaxe

Die Vorschriften zur Malaria-Prophylaxe werden von Tropenreisenden meist nicht gewissenhaft befolgt. Zwar schützt sich etwa gut die Hälfte der Reisenden in gewissem Umfang gegen Moskitostiche, doch nur vier Prozent kombinieren wirksame Schutzmaßnahmen. Die Tragweite nicht vollständig durchgeführter Vorsorgemaßnahmen wird bei einer Analyse der Malariaerkrankungen bzw. -sterbefälle in Deutschland deutlich: Nur etwa jeder Fünfte, der mit einer Chemoprophylaxe begann, führte diese auch während der Auslandsreise regelmäßig fort. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Reisenden ansteigt, die aus Endemiegebieten mit einer Malariainfektion zurückkehren – im Jahre 1999 wurden ca. 12 000 Fälle allein unter europäischen Reisenden registriert.

Kombination aus Artemether und Lumefantrin

Riamet ist eine Fixkombination aus 20 mg Artemether und 120 mg Lumefantrin zur Therapie der Malaria tropica, verursacht durch Plasmodium falciparum. Das Präparat zeichnet sich durch eine sehr schnelle Fieber- und Parasitenclearance von bis zu 97 Prozent aus, selbst in Gebieten mit Multiresistenz. Auch gibt es bislang keine Hinweise auf Neuro- oder Kardiotoxizität, was in Verbindung mit der sehr kurzen Therapiedauer von drei Tagen sowie der einfachen Verabreichungsform die Compliance fördert.

Im Gegensatz zu verschiedenen anderen Malaria-Therapeutika ist für Riamet keine Resistenz gegen die einzelnen Wirksubstanzen bekannt – die Kombination des Artemisinin-Derivats (Artemether) mit Lumefantrin reduziert die Möglichkeit einer Resistenzentwicklung auf ein Minimum. Artemether hat einen raschen Wirkungseintritt, während Lumefantrin langsamer wirksam ist. Dieser synergistische Effekt führt zu einer schnellen Parasitenclearance, einhergehend mit einem Rückgang der meisten Malariasymptome. Er verhindert zugleich das Überleben von Parasiten in Erythrozyten (Rekrudeszenz), wozu es nach einem Versagen der Therapie bzw. bei unvollständiger Therapie kommen kann.

In der Reiseapotheke mitnehmen

Riamet wird in der Schweiz bereits seit mehr als einem Jahr mit Erfolg zur Malaria-Therapie eingesetzt. Da das Präparat – wie viele andere Medikamente – in Endemiegebieten oft nicht sicher verfügbar ist, nehmen es bereits viele Urlaubs- und Geschäftsreisende oder auch Flugzeugbesatzungen, die sich oft nur wenige Tage in Endemiegebieten aufhalten, in der Reiseapotheke mit. Nach entsprechender Diagnostik der Malaria durch einen ortsansässigen Arzt kann sofort eine hochwirksame Therapie eingeleitet werden. Selbst bei falsch positiv diagnostizierter Malaria ist die Einnahme von Riamet aufgrund des guten Sicherheitsprofils unproblematisch.

Literatur: European Riamet Summary of Product Characteristics. Novartis Pharma AG, Basel, Schweiz. 28. November 2000. van Vugt, M., et al.: Efficacy of six doses of artemether-lumefantrine (benflumetol) in multidrug-resistant Plasmodium falciparum malaria. Am. J. Trop. Med. 60 (6), 936 – 942 (1999). van Vugt, M., et al.: Artemether-lumefantrine for the treatment of multidrug-resistant falciparium malaria. Transactions of the Royal Society of Tropical Medicine and Hygiene 94, 545 – 548 (2000). Lefevre, G., et al.: A clinical and pharmacokinetic trial of six doses of artemether-lumefantrine in multidrug resistant Plasmodium falciparium malaria in Thailand. 2001 (Publikation angemeldet)

Das könnte Sie auch interessieren

Artemisia annua: Streit um eine wundersame Pflanze

Gegen Malaria ist ein Kraut gewachsen

Malaria ist nach wie vor eine Herausforderung

Gefährliches Reisesouvenir

Gute Heilungschancen bei rechtzeitiger Diagnose und Therapie

Trotz Ebola Malaria nicht aus dem Blick verlieren

Resistenzen bei Afrika-Rückkehrern beunruhigen

Unbekannte Malaria-Erreger importiert

Die WHO lehnt alle pflanzlichen Darreichungen von Artemisia zur Behandlung der Malaria ab

„Ein gefährlicher Irrweg“

0 Kommentare

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.