Prisma

Sonnencremes: Haben möglicherweise östrogene Wirkung

Sonnenschutz ist wichtig, das wird jedes Frühjahr aufs Neue betont und kurbelt den Umsatz von Sonnencremes, -gels und -lotionen an. Schweizer Wissenschaftler haben im Tierversuch nun jedoch festgestellt, dass die Produkte gegen den Sonnenbrand möglicherweise nicht nur schützen, sondern auch östrogene Wirkungen vermitteln können.

Sechs verschiedene UV-Filter untersuchten die Wissenschaftler von der Universität Zürich zunächst im Labortest und anschließend im Tierversuch bei Ratten. Bei fünf der Filter - Benzophenon-3, Homomethylsalicylat, 4-Methylbenzyliden-Campher (4-MBC), Octyl-Methoxyzimtsäureester und Octyl-Dimethyl-p-Aminobenzoesäure - handelte es sich um UVB-Filter. Sie zeigten alle im Laborversuch östrogene Wirkung, führten beispielsweise zum schnelleren Wachstum von Krebszellen. Drei der Substanzen, darunter der gebräuchlichste UVB-Filter 4-MBC, vermittelten auch im Tierversuch entsprechende Effekte. Wurde z. B. 4-MBC vermischt mit Olivenöl auf die Haut von jungen weiblichen Ratten aufgetragen, ließ es die Gebärmutter der Tiere doppelt so schnell wachsen wie gewöhnlich. Die verwendete Konzentration entsprach dabei der in Sonnencremes gebräuchlichen Dosierung.

Der einzige Filter, der weder im Labor- noch im Tierversuch eine Wirkung zeigte, war der UVA-Filter Butyl-Methoxydibenzoylmethan (B-MDM). Er ist somit - zumindest in Hinsicht auf eine mögliche östrogene Wirkung - als sicher einzustufen. Ob dies auch für die getesteten UVB-Filter gilt, kann derzeit nicht gesagt werden. Die im Tierversuch beobachteten Effekte lassen noch keinen Schluss darauf zu, dass derartige Wirkungen tatsächlich auch beim Menschen eintreten können. Hierzu sind erst weitere Studien notwendig.

Die Studiendurchführenden betonen, dass ein Verzicht auf Sonnencremes aufgrund ihrer Ergebnisse nicht empfohlen werden kann und soll. Wer auf "Nummer sicher" gehen will, dem raten sie zur Anwendung von Sunblockern, die Mikropigmente aus Zinkoxid enthalten. ral

Quelle: New Scientist vom 18.4.2001