Arzneimittel und Therapie

Allergische Rhinitis: Pollen im Anflug

Kaum sind die ersten Sonnenstrahlen da, beginnt für viele Allergiker das alljährliche "Schniefen und Schneuzen". Die Haselblüte führt schon seit Anfang Februar zu Niesen, Juckreiz, Fließschnupfen und verquollenen Augen. Die allergische Rhinitis ist jedoch nicht nur lästig und beeinträchtigt die Betroffenen in ihrer Lebensqualität, sondern sie ist zum Teil eine schwere chronische Erkrankung der Atemwege und ein Risikofaktor für Asthma bronchiale.

Eine Allergie ist eine gezielte Reaktion des menschlichen Immunsystems. Prinzipiell werden vier Typen unterschieden, die allergische Rhinitis gehört dem Typ I an. In diesem Fall bildet der Organismus bei Allergenkontakt verstärkt Immunglobuline des Typs IgE. Diese IgE-Antikörper heften sich an die Oberfläche von Mastzellen, basophilen und eosinophilen Granulozyten. Bei wiederholtem Kontakt reagieren die aufgenommenen Allergene mit den membranständigen IgE-Antikörpern. Das führt zu einer Degranulation der Mastzellen. Dabei werden hochaktive Mediatorstoffe wie Histamin, Serotonin und Bradykinin freigesetzt. Diese verursachen die Allergiesymptome und können bis hin zum anaphylaktischen Schock führen.

Die allergische Rhinitis manifestiert sich im Kindesalter

Die allergische Rhinitis ist genetisch bedingt und manifestiert sich in der Regel im Kindesalter oder der Pubertät. Sie ist eine entzündliche Reaktion der Nasenschleimhaut und hauptsächlich gekennzeichnet durch Juckreiz in der Nase, Niesen, vermehrte Bildung von wässrigem Nasensekret und eine behinderte Nasenatmung. Meist ist in Folge auch die Bindehaut des Auges betroffen. Mit zunehmender Erkrankungsdauer kommt es aufgrund der mangelnden Ventilation und Drainage über die Nase auch zu einer entzündlichen Schleimhautschwellung in den Nasennebenhöhlen.

Etagenwechsel droht

Neben diesen beiden Begleiterkrankungen - allergischer Konjunktivitis und chronischer Sinusitis - ist die allergische Rhinitis ein Risikofaktor für die Entstehung eines Asthma bronchiale. Bei diesem so genannten Etagenwechsel breiten sich die Beschwerden vom Nasen-Rachenraum in die Bronchien aus. Plötzlich treten neben dem Fließschnupfen, den Niesattacken und dem Augenjucken auch Atembeschwerden auf. Bei etwa 50 Prozent aller Patienten mit allergischer Rhinitis entwickelt sich im Laufe der Zeit ein Asthma bronchiale, 90 Prozent der Asthmatiker leiden auch an allergischer Rhinitis.

Eosinophile Granulozyten fördern die Entzündung

Bei der allergischen Rhinitis infiltrieren vermehrt Entzündungszellen die Nasenschleimhaut und setzen dort Mediatorstoffe frei, die zu einer lokalen Gewebeschädigung führen. Wesentlich beteiligt sind hierbei T-Lymphozyten, neutrophile Granulozyten, mononukleäre Zellen und insbesondere eosinophile Granulozyten. Diese besitzen basische Proteine, das eosinophile kationische Protein (ECP) und das Major Basic Protein (MBP), die Zellwände auflösen und Gewebe zerstören. Bei einer akuten Exposition mit Allergen können die ECP-Werte innerhalb von sechs Stunden bis auf das hundertfache ihres Ausgangswertes ansteigen und über mehrere Tage erhöht bleiben. Mit der Bestimmung der ECP-Werte können zelluläre Entzündungsreaktionen an der Schleimhaut gemessen werden.

Intermittierende und persistierende Rhinitis

Treten die Symptome hauptsächlich saisonal zur Pollenflugzeit auf, spricht man von "intermittierender" allergischer Rhinitis. Bestehen die Beschwerden über länger als vier Wochen an mehr als vier Tagen pro Woche, besteht eine "persistierende" allergische Rhinitis. Die Begriffe "intermittierend" und "persistierend" wurden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als neue Definition eingeführt und ersetzen die bisherigen Bezeichnungen "saisonal" und "perennial".

Die neue Begriffsdefinition soll dem Tatbestand Rechnung tragen, dass die Entzündung auch ohne Allergenkontakt fortschreitet und zu einer Weiterentwicklung und häufig auch Ausbreitung der allergischen Erkrankung führt, ohne dass der Patient unter den typischen Symptomen leidet. Dies ist auch der Grund, weshalb die allergische Rhinitis dauerhaft therapiert werden sollte.

Vier Prinzipien der Therapie

Die Therapie beruht auf vier Prinzipien. Die Allergenkarenz ist das wirkungsvollste Prinzip. Bei einer Tierhaarallergie beispielsweise lässt sie sich eventuell noch durchführen, bei einer Allergie auf Milben oder Pilze ist sie jedoch illusorisch. Bei einem Großteil der Allergiker ist eine Hyposensibilisierung gut wirksam. Durch kontrollierte subkutane Allergenzufuhr soll der Patient eine Toleranz gegenüber den symptomauslösenden Substanzen entwickeln.

Medikamentöse Therapie

Die häufigste Maßnahme ist eine medikamentöse Therapie. Systemische und lokale Alpha-Sympathomimetika helfen, die Nasenschleimhäute abzuschwellen und sorgen für die nötige Belüftung der Nebenhöhlen. Cromoglicinsäure kann - prophylaktisch eingesetzt - die nasalen Symptome lindern oder sogar vollständig unterbinden. Systemische H1-Antihistaminika bilden zusammen mit den Glucocorticoiden die wichtigste Säule der Pharmakotherapie. Bei sekundärer Sinusitis kann sogar eine operative Maßnahme erforderlich sein, wenn die Nasennebenhöhlen trotz medikamentöser Behandlung ständig "verschattet" sind.

Topische Glucocorticoide gegen die Entzündung

Glucocorticoide erzielen die beste antiinflammatorische Wirkung bei Allergien. Wegen der möglichen Nebenwirkungen sollten nasal wirksame Präparate eingesetzt werden. Verschiedene Glucocorticoide stehen zur Verfügung. Sie unterscheiden sich durch eine C17-Veresterung von den systemisch verwendeten Steroiden und können - aufgrund der daraus resultierenden stärkeren Lipophilie - besser in die Schleimhäute penetrieren.

Mometason (Nasonex®) ist laut aktueller Studien das Glucocorticoid, das die geringste systemische Bioverfügbarkeit aufweist. Die Konzentration im Serum lag bei intranasaler Anwendung in allen Untersuchungen unterhalb der Nachweisgrenze von 50 pg/ml. Mometason vermag die Anzahl der Eosinophilen und deren Sekretionsprodukt ECP und auch die T-Lymphozyten zu reduzieren.

Die Entzündungsreaktion wird dadurch gehemmt. Dauerschäden, wie die Zerstörung der Schleimhäute, werden vermieden und der Patient von seinen Beschwerden befreit. Auch bei Langzeitanwendung wurde Mometason gut vertragen, und an den Nasenschleimhäuten waren keine Anzeichen einer Atrophie oder Epithelverdickung zu erkennen. Somit besteht auch für Kinder ab sechs Jahren die Möglichkeit einer langfristigen Therapie ohne nennenswerte Risiken im Sinne systemischer Steroideffekte. Mometason hat keinen Einfluss auf das Längenwachstum und die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse.

Mometason zeigt auch gute Erfolge bei der Anwendung zur Prophylaxe der allergischen Rhinitis. Die Behandlung sollte vier - spätestens jedoch zwei - Wochen vor dem voraussichtlichen, symptomauslösenden Pollenflug begonnen werden. Sind schon deutliche Symptome einer Allergie vorhanden, bietet sich in der Akutphase eine Kombinationstherapie mit einem systemischen H1-Antihistaminikum und einem topischen Glucocorticoid an. Der Patient erhält meist sofortige Linderung, und seine Lebensqualität wird wieder verbessert. Um der Entzündung Einhalt zu gebieten, sollte das nasale Glucocorticoid über einen längeren Zeitraum, entsprechend der Allergendisposition, angewendet werden.

Quelle: Prof. Dr. Claus Bachert, Gent; Priv.-Doz. Dr. Gerd Rasp, Großhadern; Priv.-Doz. Dr. Ludger Klimek, Wiesbaden; Prof. Dr. Ulrich Wahn, Berlin; Prof. Dr. Ralph Mösges, Köln; Pressesymposium "Nasonex - ein Jahr nach der Markteinführung", Nürnberg, 18. Februar 2000, veranstaltet von Essex Pharma.

Kaum sind die ersten Sonnenstrahlen da, beginnt für viele Allergiker das alljährliche "Schniefen und Schneuzen". Die Haselblüte führt schon seit Anfang Februar zu Niesen, Juckreiz, Fließschnupfen und verquollenen Augen. Die allergische Rhinitis ist jedoch nicht nur lästig und beeinträchtigt den Betroffenen in seiner Lebensqualität, sondern sie ist zum Teil eine schwere chronische Erkrankung der Atemwege und ein Risikofaktor für Asthma.

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