Gehaltskasse

Wie werden Apothekerinnen in Österreich bezahlt?

Stuttgart - 27.05.2024, 07:00 Uhr

Nicht nur das Apotheken-A sieht in Österreich anders aus als in Deutschland, auch das Gehaltssystem ist nicht dasselbe wie in der Bundesrepublik. (Foto: BreizhAtao/AdobeStock)

Nicht nur das Apotheken-A sieht in Österreich anders aus als in Deutschland, auch das Gehaltssystem ist nicht dasselbe wie in der Bundesrepublik. (Foto: BreizhAtao/AdobeStock)


Deutschlands Apothekeninhaber und -inhaberinnen zahlen Monat für Monat Gehälter an ihre angestellten Apotheker. So weit so normal. Beim Blick auf unser Nachbarland Österreich stellt sich schnell heraus, dass es auch andere Möglichkeiten gibt.

Haben Sie schon einmal was von der pharmazeutischen Gehaltskasse gehört? Apothekerinnen und Apotheker, die sich bisher wenig mit dem österreichischen Gesundheitssystem beschäftigt haben oder keine Berührungspunkte mit österreichischen Apotheken hatten, könnten davon überrascht sein, dass das Gehaltssystem dort ein völlig anderes ist, als bei uns in Deutschland.

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Die 1908 gegründete Gehaltskasse hat es sich zur Aufgabe gemacht, Gehälter festzulegen und an Österreichs angestellte Apotheker und Apothekerinnen sowie Aspirantinnen (siehe Kasten „Das Österreichische Aspirantenjahr“) auszubezahlen. Das System funktioniert folgendermaßen: Alle Arbeitgeber aus öffentlichen Apotheken oder Krankenhausapotheken zahlen eine sogenannte Umlage an die Ge­­haltskasse. Dabei handelt es sich um einen einheitlichen Betrag, der ebenfalls von der Gehaltskasse festgesetzt wird und der nicht von den jeweiligen Gehaltsstufen ihrer angestellten Approbierten abhängt.

Dafür muss eine Apotheke den Beginn und das Ende all ihrer Angestelltenverhältnisse mit Pharmazeuten samt Arbeitsumfang bei der Gehaltskasse anzeigen. Dies geschieht heutzutage digitalisiert und kann beispielsweise auch vom Steuerberater der Apotheke durchgeführt werden.

Zulagen und Sonderzahlungen

Doch die Gehaltskasse zahlt nicht nur das monatliche Gehalt. Auch bestimmte Zulagen und Sonderzahlungen sind möglich, wie beispielsweise Familienzulagen oder Urlaubs- und Weihnachtszuwendungen. Sie werden ebenfalls über das Umlagesystem abgewickelt.

Zusätzlich zu den Gehältern und den Familienzulagen, die von der Gehaltskasse bezahlt werden, gibt es aber auch Anteile der Entlohnung, die direkt von den Apothekenbetrieben an ihre angestellten Pharmazeuten gezahlt werden, wie beispielsweise die Leiterzulage. Diese sind im sogenannten Kollektivvertrag festgelegt.

Da diese Entlohnungsbestandteile aber mit Ausnahme von Überstunden, weitgehend unabhängig sind von den Dienstjahren angestellter Apotheker, sind sie im Grunde immer gleich. Somit ergeben sich auch durch sie keine negativen Auswirkungen auf ältere Arbeitskräfte auf dem Arbeitsmarkt und ihr Schutz vor Benachteiligung bleibt gewahrt, da das Gehalt nicht durch das Alter beeinflusst wird.

Das Österreichische Aspirantenjahr

Das österreichische Aspirantenjahr ist in etwa mit dem deutschen „praktischen Jahr“ vergleichbar. Nach dem erfolgreich abgeschlossenen Pharmazie-Masterstudium wird ein Aspirantenjahr in Vollzeit in einer öffentlichen Apotheke oder Krankenhausapotheke und ein Aspirantenkurs mit einer abschließenden Aspirantenprüfung im letzten Monat absolviert, um in Österreich als Apotheker arbeiten zu dürfen. Mit ihrem Bestehen wird die „allgemeine Berufsberechtigung“ als Apotheker erlangt. In bestimmten Fällen ist mit Bewilligung der österreichischen Apothekerkammer ein Dienst in Teilzeit möglich, etwa wenn Kleinkinder betreut oder Angehörige gepflegt werden müssen. Die Dauer verlängert sich dann entsprechend. Die Entlohnung der Aspirantinnen und Aspiranten erfolgt ebenfalls über die Gehaltskasse. Sie erhalten während des Ausbildungsjahres und ggf. bei einer Verlängerung ein monatliches Gehalt, das 2,2% der Summe der 18 Gehaltsstufen beträgt.

Vorteile der pharmazeutischen Gehaltskasse

Die Idee im Hintergrund zur Einführung einer Gehaltskasse war und ist es, dass angestellte Apotheker im Laufe ihrer Dienstjahre eine steigende Besoldung erhalten sollen und man gleichzeitig einer möglichen Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt aufgrund höherer Kosten für „dienstältere“ Kollegen entgegensteuern möchte.

Mit dem System werden zusätzlich die Risiken, die mit einem höheren Alter einhergehen, wie etwa höhere Urlaubsansprüche oder möglicherweise mehr Krankheitstage, teilweise von der gesamten Standesgemeinschaft getragen und hinsichtlich der Kosten gleichmäßig geteilt.

Auf die Frage, ob dieses System tatsächlich funktioniert, ist auf der Website der pharmazeutischen Gehaltskasse ein eindeutiges „Ja“ zu lesen. „Selbst wenn die Gehaltskasse kein Allheilmittel gegen alle Probleme des Arbeitslebens ist, stellt sie sicher, dass ältere Dienstnehmer und -nehmerinnen am Arbeitsmarkt nicht aus finanziellen Gründen diskriminiert werden“, ist dort beschrieben.

Je nach Lage auf dem Arbeitsmarkt, gibt es trotzdem auch ältere Apotheker, die von Arbeitslosigkeit betroffen sein können. Die Rate ist jedoch bei den älteren Apothekern nicht höher als bei den jüngeren. Trotzdem gibt es insgesamt gesehen für die Arbeitgeber aus den Apothekenbetrieben keine Veranlassung aus finanziellen Gründen jüngere Approbierte bei der Stellenbesetzung zu bevorzugen, wie es teils in anderen Branchen der Fall ist.

Rezeptabrechnung als Aufgabe der Gehaltskasse

Insgesamt umfassen die Aufgaben der Gehaltskasse drei Schwerpunkte. Neben der bereits erwähnten und namensgebenden Bemessung und Auszahlung der Gehälter an angestellte Apotheker in öffentlichen sowie Krankenhausapotheken liegt der zweite Fokus auf der Abrechnung der Krankenkassenrezepte aus den Apotheken mit den Sozialversicherungsträgern analog zu den Apothekenrechenzentren in Deutschland. In Österreich „Rezeptverrechnung“ genannt. So sollen die Apotheken entlastet werden, um nicht mit allen in Österreich existierenden Kostenträgern, wie Krankenkassen und sonstigen Rechtsträgern, selbst einzeln abrechnen zu müssen. Dabei übernimmt die Gehaltskasse auch die Vorfinanzierung des Zahlungsverkehrs in Richtung der Apotheken. Hierbei senden Apotheken monatlich ihre Rezepte an die Gehaltskasse und erhalten die Zahlungen daraus bereits vier Tage nachdem die Rezepte die Gehaltskasse erreicht haben, und das obwohl die gesetzliche Zahlungsfrist 14 Tage beträgt.

Seit 2020 werden sogar 80% bereits nach zwei Tagen abgeführt. Eine merkliche Verbesserung der finanziellen Situation der Apotheken. Die Gehaltskasse wirkt zudem als zentrale Clearingstelle, übernimmt die Kontrolle allfälliger Retaxierungen sowie bei Bedarf das Mahnwesen. Finanziert wird die Rezeptabrechnung über einen bestimmten Prozentsatz des abgerechneten Umsatzes des jeweiligen Apothekenbetriebs.

Historie der österreichischen Gehaltskasse

Auf freiwilliger Basis 1908 als Körperschaft des öffentlichen Rechts mit Sitz in Wien gegründet, besteht seit 1919 Pflichtmitgliedschaft auf gesetzlicher Basis. Zusammen mit der Österreichischen Apothekerkammer bildet sie eine Verwaltungsgemeinschaft. In ihren Gremien sind paritätisch angestellte und selbstständige Apotheker vorhanden. Aktuell gilt das Gehaltskassengesetz vom 1. Januar 2002, welches das Gehaltskassengesetz von 1959 ersetzt hat.

Stellenbörse und wirtschaftliche Absicherung durch die Gehaltskasse in Österreich

Die dritte Aufgabe der Gehaltskasse beläuft sich auf eine unentgeltliche Stellenvermittlung und die soziale und wirtschaftliche Absicherung von Apothekern und Apothekerinnen. Dazu zählen verschiedene Unterstützungsleistungen, wie die von kleinen Apotheken auf dem Land und die Zuschüsse zu Geburtskosten sowie Arbeitslosen- und Krankengeld oder Zusatzaltersversorgung zur gesetzlichen Pension von Apothekern im Ruhestand, auf der Basis von Dienstjahren, auf die der Großteil der Leistungen entfällt. Die Kosten trägt ein Wohlfahrts- und Unterstützungsfond, der durch die Mitgliedsbeiträge von angestellten und selbstständigen Apothekern getragen wird. Zusätzlich zum Umlageverfahren sorgen Kapitalansparverfahren für die Beiträge der eigenen Altersversorgung für angestellte Apotheker.

Tab.: Was verdienen angestellte Apotheker in Österreich? 18-stufiges Gehaltsschema der österreichischen Gehaltskasse seit dem 1. Januar 2024. Aspirantinnen und Aspiranten erhalten monatlich 1971 Euro.

Der österreichische Apotheker Clemens Feldmann, freiberuflich tätig bei der Apothekerkammer Tirol in Innsbruck und Inhaber der Engel Apotheke in Telfs, Tirol, ist von der österreichischen Gehaltskasse überzeugt. Für ihn stellt das System eine sehr sinnvolle und einzigartige Einrichtung dar, die im Grunde nur Vorteile bietet, sowohl für angestellte Approbierte als auch für Apothekeninhaber und -inhaberinnen. „Das Umlagesystem sorgt dafür, dass ältere angestellte Pharmazeuten auf dem Arbeitsmarkt nicht benachteiligt werden, da sie einen Apothekeninhaber nicht mehr kosten, als jeder andere Pharmazeut“, so der selbstständige Apotheker. Der soziale Gedanke hinter dem System, das auch eine Unterstützung in Notsituationen und zusätzliche Absicherungen beinhaltet, ist in seinen Augen bemerkenswert. „Auch wir Inhaber profitieren“, so Feldmann weiter, „beispielsweise funktioniert die Rezeptabrechnung über die Gehaltskasse sehr gut“, meint er. Innerhalb von zehn Tagen kommen erste Zahlungen, die genaue Abrechnung erfolgt innerhalb von drei Monaten, Retaxationen sind kein großes Thema und auch mit der unkomplizierten Stellenbörse ist er zufrieden. Müsste er einen Knackpunkt finden, dann berichtet der Apotheker, dass ab und zu Stimmen laut werden, welche die Pflichtbeiträge aller angestellten Apotheker und Apothekerinnen sowie der Apothekenbetriebe an die Gehaltskasse kritisieren.

Dieser Ansicht ist Feldmann jedoch nicht. Seiner Meinung nach sind die Beiträge wegen des sehr guten Services der Gehaltskasse im allgemeinen und dem reibungslosen Ablauf im Umgang mit den Mitarbeitenden der Gehaltskasse auf jeden Fall gerechtfertigt und zahlen sich aus. 

Literatur

Apotheker:in werden: Das Aspirantenjahr. Österreichische Apothekerkammer, www.apothekerkammer.at/apotheker-werden/aspirantenjahr

Aspirantenjahr – was ist das? Herausgeber Thomas Hohenadler, Nina Hohenadler, https://aspirantenjahr.at/

Aufbau und Aufgaben. Pharmazeutische Gehaltskasse für Österreich, www.gehaltskasse.at/

Das Sozial- und Wirtschaftsinstitut der österreichischen Apothekerinnen. Pharmazeutische Gehaltskasse für Österreich, www.gehaltskasse.at/

Gehalt und Umlage. Pharmazeutische Gehaltskasse für Österreich, www.gehaltskasse.at/

Gespräch mit Apotheker Clemens Feldmann am 18. April 2024


Michaela Theresia Schwarz, Apothekerin, PTA, DAZ-Autorin
redaktion@daz.online


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2 Kommentare

Österreichischer Gehaltskasse

von Gabriele Thomas am 28.05.2024 um 13:18 Uhr

Da würde mich schon interessieren wie hoch diese Umlage ist und wie sie berechnet wird

» Auf diesen Kommentar antworten | 1 Antwort

AW: Österreichischer Gehaltskasse

von Bellis am 29.05.2024 um 12:17 Uhr

In dem Text ist eine Tabelle mit den Gehältern zu entnehmen.

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