Aus den Verbänden

„Immer einen Schritt voraus“

Europäisches Pharmazeutinnen-Treffen in Wien

Vom 29. September bis 1. Oktober fand in Wien das 12. Europäische Pharmazeutinnen-Treffen statt. Knapp 70 Kolleginnen aus Österreich, Deutschland, Großbritannien und einigen anderen europäischen Ländern waren der Einladung vom Verband Angestellter Apotheker Österreichs (VAAÖ) gefolgt. Das Motto des diesjährigen Treffens lautete „Immer einen Schritt voraus“.

In ihrer Begrüßung erinnerte Prof. Mag. Elfriede Dolinar, Mitglied des Organisationskomitees, an das erste Europäische Pharmazeutinnen-Treffen am 27. November 2004 in Frankfurt. Es sei Zweck und Ziel dieser Treffen, ein europäisches Netzwerk von Apothekerinnen aufzubauen.

Aktuelles aus Österreich

Dolinar vermittelte einen kleinen Einblick in den aktuellen Arbeitsmarkt für Apotheker in Österreich: Im letzten Jahr gab es dort 1470 Apothekeninhaber und 4355 angestellte Apotheker (in öffentlichen und Krankenhausapotheken), die zu 55,4% bzw. 87,2% Frauen sind. Seit drei Monaten ist Dr. Ulrike Mursch-Edlmayr die erste Präsidentin der Österreichischen Apothekerkammer seit deren Gründung im Jahr 1908, hob Dolinar hervor. Leider gebe der Arbeitsmarkt für Apotheker in Österreich derzeit nicht mehr genügend freie Stellen her. 181 Apotheker kämen in Österreich auf 47 freie Stellen. Der VAAÖ sei deshalb auf der Suche nach anderen Betätigungsfeldern für Pharmazeuten.

Foto: H. Blasius
Raimund Podroschko

Raimund Podroschko, Präsident des VAAÖ und Vizepräsident der Österreichischen Apothekerkammer, sprach in seiner Begrüßung den neuen Entwurf der österreichischen Regierung für die Zukunft des Gesundheitswesens an, in dem sogenannte Primärversorgungseinheiten eine wichtige Rolle spielen sollen. Leider kämen die Apotheker hierin nicht vor, kritisierte Podroschko. Trotzdem wolle man sich weiter im Gespräch halten. Direkt an das weibliche Auditorium adressiert, sagte Podroschko: „Nicht nur die Apotheke ist von Frauen dominiert, sondern auch die Kundschaft. Sie sind die Gesundheitsmanager der Familie, und dafür möchte ich Ihnen von ganzem Herzen danken.“

Niederlande: zukunftsfähig

Mit der Neudefinition der Bachelor- und Masterstudiengänge im Jahr 2016 sind die Niederländer auf dem Weg zu einer stärkeren Betonung der klinischen Pharmazie einen großen Schritt vorangekommen. An den drei Universitäten Groningen, Leiden und Utrecht sollen Pharmaziestudenten nun auch Kompetenzen erwerben, die sie befähigen, in einem multidisziplinären Team zu arbeiten und Patienten bei ihrer Arzneimitteltherapie individuell zu begleiten. Mit den Reformen habe man einen guten Job gemacht, sagte Dr. Martina Teichert von der Universität Leiden, Präsidentin des Niederländischen Pharmazeutinnen-Verbandes (NOVA). Als weiteren wichtigen Meilenstein führte sie die gesetzliche Anerkennung des Weiterbildungstitels „öffentlicher Apotheker“ im Jahr 2016 an. Die Tätigkeit in der Offizin habe in den letzten Jahren eine größere klinische Ausrichtung und Patientenorientierung bekommen. Heute macht dort mehr als die Hälfte der Apotheker mindestens 30 Medikationsreviews pro Jahr. Dafür bekommen sie von den Kassen 75 bis 80 Euro.

Apotheker in Hausarztpraxen

Die Briten gelten, was die Zusammenarbeit mit den Ärzten und die klinische Kompetenz anbelangt, ebenfalls als sehr fortschrittlich. Helen Kilminster aus Malvern, England, berichtete von ihren Erfahrungen als Apothekerin in einer Allgemeinarztpraxis. Im April 2016 sei für das Modell die Phase 1 gestartet worden, mit 490 Apothekern und 650 Arztpraxen. Im Dezember dieses Jahres soll mit einer finanziellen Unterstützung durch den National Health Service England in Höhe von 112 Millionen Pfund die Phase 2 beginnen, und weitere 1500 Apotheker sollen sich in Vollzeit direkt in das Team einer Hausarztpraxis einbringen. Kilminster ist mit ihrer Tätigkeit sehr zufrieden. In ihrem Tagesgeschäft gehe es vielfach darum, unnötige Medikationen zu stoppen und Krankenhauseinweisungen zu vermeiden. Sie habe die Autonomie, um ihre Rolle wirklich auszufüllen, und nach einer Umfrage seien die Patienten mit ihrem Service hochzufrieden.

Foto: H. Blasius
Referentinnen (v. l.): Prof. Elfriede Dolinar, Ulrike Mayer, Helen Kilminster, Dr. Martina Teichert, Dr. Verena Plattner, Joan Peppard.

Weiterbildung harmonisieren

Die europäischen Krankenhausapotheker haben eine Initiative zur gegenseitigen Anerkennung ihrer Zusatzqualifikation in den EU-Mitgliedstaaten auf den Weg gebracht. Es sei an der Zeit, stellte Joan Peppard, Präsidentin der Europäischen Gesellschaft der Krankenhausapotheker (EAHP) aus Tullamore, Irland, fest, denn diese Art der Weiterbildung gebe es bereits seit 40 Jahren. Nun arbeite die EAHP auf einen EU-harmonisierten Ausbildungsrahmen (Common Training Framework, CTF) hin. Über einen entsprechenden Entwurf sei intern bereits eine Einigung erzielt worden, nun sollen eine Auswertung der Literatur und eine Befragung der Krankenhausapotheker hinsichtlich der Arbeits-Mobilität folgen. Die Ergebnisse sollen zusammen mit dem Ausbildungsrahmen bis zum Jahresende veröffentlicht werden. Danach stehen Gespräche mit der Europäischen Kommission an. Das Ziel sei die gegenseitige Anerkennung des Weiterbildungstitels und die Aufnahme in die Richtlinie zur Anerkennung der Befähigungsnachweise für Apotheker.

Training „on the Job“

Dr. Verena Plattner, die bei der österreichischen Arzneimittelagentur AGES im Institut Überwachung in der Abteilung Blut, Gewebe & Vigilanz (BTVI) tätig ist, schilderte die besonderen Befähigungen, die für diese Arbeit nötig sind und die Apotheker nicht unbedingt im Studium vermittelt bekommen, sondern „on the job“ erwerben. Außerdem sei für die Tätigkeit eine ständige Fortbildung, d. h. lebenslanges Lernen an der Tagesordnung, was aber ihrer Meinung nach mit einer abwechslungsreichen und verantwortungsvollen Tätigkeit belohnt wird.

Pharmazeutische Gehaltskasse auf solidarischer Basis

Apothekerinnen wollen nicht nur anspruchsvolle Arbeitsfelder in Augenhöhe mit den Ärzten. Sie wollen auch eine angemessene Bezahlung. In Österreich hätten sie diesbezüglich keinen Grund zur Klage, meint Mag. pharm. Ulrike Mayer, bis vor Kurzem Erste Obfrau der Abteilung der Arbeitnehmer in der Pharmazeutischen Gehaltskasse für Österreich. Die Gehaltskasse, die auf dem Solidaritätsprinzip beruht, sei in Europa einzigartig, betonte Mayer. Sie erfüllt für ihre Mitglieder vielfältige Aufgaben mit drei Schwerpunkten:

  • die Bemessung und Auszahlung der Gehälter der angestellten Apotheker,
  • die Abrechnung der Krankenkassenrezepte mit den Sozialversicherungsträgern sowie
  • die soziale und wirtschaftliche Absicherung von Apothekern.

Das Modell funktioniert wie folgt: Die Arbeitgeber zahlen der Gehaltskasse einen einheitlichen Betrag für ihre angestellten Apotheker, unabhängig von deren Gehaltsstufe. Die Angestellten erhalten ihren Lohn von der Kasse nach einem Gehaltsschema mit 18 Stufen (2017: zwischen 2697 und 5022 €). Nach jeweils zwei Kalenderjahren rücken sie in die nächsthöhere Gehaltsstufe vor, unabhängig davon, ob sie Vollzeit arbeiten oder nicht. Für Frauen sei diese Regelung von erheblicher Bedeutung, hob Mayer hervor, denn sie arbeiteten viel häufiger Teilzeit als Männer. Dafür, dass Teilzeitarbeitende diesbezüglich gleichbehandelt werden, hatten die Frauen vor rund zehn Jahren heftig gestritten, mit Erfolg. Zusätzlich zur Besoldung durch die Gehaltskasse, die auch Familienzulagen vorsieht, bekommen angestellte Apotheker einen kollektivvertraglichen Entlohnungsbestandteil direkt vom Arbeitgeber.

Außerdem bietet die Gehaltskasse eine unentgeltliche Stellenvermittlung für Apotheker und unterhält einen Wohlfahrts- und Unterstützungsfonds. Der Großteil des Fonds wird für Zuschüsse zu den gesetzlichen Pensionen ehemaliger angestellter Apotheker ausgegeben. Hinzu kommen Stipendien für Studierende, Geburtskostenzuschüsse, Zuschüsse zum Arbeitslosen- und Krankengeld sowie zu Kurkosten. Außerdem werden selbstständige Apotheker in relativ kleinen Landapotheken, die durch zahlreiche Nachtdienste besonders stark belastet sind, aus dem Fonds unterstützt. |

Dr. Helga Blasius/cae

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