Trotz angeblich steigender Zahlen

Direktabrechner Scanacs meldet Insolvenz an

Stuttgart - 10.11.2023, 10:45 Uhr

Die Direktabrechnung von E-Rezepten ist vorerst gescheitert. Anbieter Scanacs ist insolvent. (Foto: MiS/imago images)

Die Direktabrechnung von E-Rezepten ist vorerst gescheitert. Anbieter Scanacs ist insolvent. (Foto: MiS/imago images)


Das Start-up Scanacs, das unter anderem Direktabrechnung anbietet, ist insolvent. Am vergangenen Mittwoch wurde beim Amtsgericht Dresden ein Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Abrechnung und Online-Zuzahlungsprüfung sollen aber vorerst weiterlaufen.

Es klingt ohne Frage charmant: Direktabrechnung von E-Rezepten mit den Krankenkassen, ohne ein Rechenzentrum zwischen zuschalten. Vor dem Hintergrund der AvP-Pleite umso mehr. Aber offenbar ist es dem Dresdener Start-up Scanacs, das neben der Online-Zuzahlungsprüfung, genau dies anbietet, nicht gelungen genug Apotheken und Investoren von ihrem Modell zu überzeugen. Denn wie am heutigen Freitag bekannt wurde, hat Scanacs Insolvenz angemeldet. Am vergangenen Mittwoch wurde einer Mitteilung zufolge beim Amtsgericht Dresden die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt.

Trotz intensiver Bemühungen sowie stark steigender Ergebnisse bei der Abrechnung von E-Rezepten in den letzten Monaten habe sich das Unternehmen zu diesem Schritt gezwungen gesehen, heißt es. Der Geschäftsbetrieb werde nun durch die Geschäftsführung mit dem vom Gericht bestellten vorläufigen Insolvenzverwalter Christian Heintze von der Restrukturierungskanzlei BBL fortgesetzt. Die Beschäftigten seien bereits über die aktuelle Situation informiert. Die Löhne und Gehälter seien über das Insolvenzgeld abgesichert.

Die Plattform werde aber mit den vorhandenen Mitteln weiterbetrieben. Die Abrechnung von E-Rezepten sei also vorerst sichergestellt sein. Und auch die Online-Zuzahlungsprüfung soll vorgenommen werden können.

Viel Gegenwind im Markt

Die Direktabrechnung von E-Rezepten, also Abrechnung ohne den Zwischenschritt eines Apothekenrechenzentrums, hatte von Anfang an viel Gegenwind im Markt erfahren. Vor allem aus der Ecke der Rechenzentren war immer wieder deren wichtige Rolle zwischen Kassen und Apotheken betont worden. Nicht umsonst habe man diese vor langer Zeit gegründet und diese Vorteile hätten Bestand. 

Zudem ist, solange noch irgendwo Papierrezepte ausgestellt werden, zumindest nach aktuellem Stand, kein Verzicht auf Rechenzentrum möglich. Es braucht parallele Strukturen. Je weniger Rezepte aber über Rechenzentrum laufen, desto teurer wird die Abrechnung pro Rezept. Auch erhalten Apotheken, die direkt abrechnen, ihr Geld nicht unbedingt schneller. Denn die Kassen haben zehn Tage Zeit, ein abgerechnetes Rezept zu erstatten. Die meisten Rechenzentren bieten daher zahlreiche Vorfinanzierungsmodelle an, dass Apotheken zeitnah vergütet werden.

Doppelabrechnung und Gerüchte

Meldungen aus dem August, dass Rezepte doppelt abgerechnet wurden – also über Scanacs und ein Rechenzentrum – haben vermutlich auch nicht dazu beigetragen, das Vertrauen in das Modell zu stärken. Zudem gab es Gerüchte, der Kooperationspartner CGM Lauer habe sich aus der Zusammenarbeit zurückgezogen. Das wollte eine Scanacs-Sprecherin auf Nachfrage zum damaligen Zeitpunkt weder bestätigen noch dementieren. Kurz danach wurde dann bekannt, dass eine Finanzierungsrunde gescheitert sei. Man stehe bereits in Verhandlung mit neuen Investoren, um den Betrieb der Scanacs-Plattform zu sichern, hieß es damals. Das hat offenbar nicht geklappt.

Frank Böhme, Gründer und Geschäftsführer von Scanacs, findet es bedauerlich und ist enttäuscht, dass bislang keine abschließenden Gespräche geführt werden konnten. Denn mit wachsender E-Rezept-Quote sei auch die Anzahl der über die Scanacs-Plattform abgerechneten E-Rezepte in den letzten Monaten steil gestiegen. Der vorläufige Insolvenzverwalter Heintze ergänzt: „Das Umfeld für die Finanzierung von Start-up Unternehmen ist aktuell sehr schwierig. Wir werden an die bisherigen Gespräche umgehend anknüpfen, um eine weitere Finanzierung zu ermöglichen.“


Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ
jborsch@daz.online


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