Empfehlungsentwurf der USPSTF

Doch kein Low-Dose-ASS in der Primärprävention?

Stuttgart - 21.10.2021, 07:00 Uhr

Die USPSTF will die kardiovaskuläre und onkologische Primärprävention mit niedrig dosiertem ASS einschränken. (s / Foto: blueskies9 / AdobeStock)

Die USPSTF will die kardiovaskuläre und onkologische Primärprävention mit niedrig dosiertem ASS einschränken. (s / Foto: blueskies9 / AdobeStock)


Kein ASS mehr zur Darmkrebsprävention

Und wie sieht es bei Darmkrebs aus? 2016 empfahl die USPSTF ASS noch zur Primärprävention – davon ist sie 2021 gänzlich abgekommen. Die USPSTF kam zu dem Schluss, dass die Evidenz für die Verringerung der Inzidenz oder Mortalität eines Kolorekatalkarzinoms durch niedrig dosiertes ASS unzureichend ist.

Die US Preventive Services Task Force stützt ihre neuen Empfehlungen zur kardiovaskulären Primärprävention mit ASS auf 13 randomisierte klinische Studien mit insgesamt 161.680 Teilnehmern. Zumeist hatten die Proband:innen 100 mg oder weniger ASS täglich eingenommen (in den Vereinigten Staaten liegt die gängige Dosis der kardiovaskuläre Prävention bei 88 mg). Das USPSTF fand heraus, dass durch primärpräventives ASS zwar das Risiko für Myokardinfarkt und Schlaganfall sank, nicht jedoch die kardiovaskuläre Mortalität oder Gesamtsterblichkeit.

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Weniger Daten (vier Studien) konnte das USPSTF zum Kolorektalkarzinomrisiko finden, zudem widersprachen sich die Studienergebnisse teilweise. Die ASPREE-Studie ergab ein erhöhtes Risiko für Darmkrebssterblichkeit, längerfristige Nachbeobachtungsdaten, wie in der WHS (Women`s Health Study) zeigten ein statistisch nicht signifikant reduziertes Risiko für Koloreaktalkarzinome nach 17,5 Jahren, doch könnte der Effekt über einen weiteren Zeitraum (17,5 bis 26 Jahre) nicht anhalten.

Risiko schwerer Blutungen

Dem potenziellen Nutzen einer Primärprävention mit ASS bei kardiovaskulären und Dickdarmkrebs-Erkrankungen stellte die USPSTF die möglichen Risiken durch Nebenwirkungen gegenüber. Eine gepoolte Analyse aus zehn Studien (119.130 Teilnehmer:innen), die laut USPSTF für die derzeitige Praxis am relevantesten war, zeigte, dass die Einnahme von maximal 100 mg ASS täglich ein um 58 Prozent erhöhtes Risiko für schwere gastrointestinale Blutungen mit sich brachte. Eine weitere gepoolte Analyse berücksichtigte elf Studien mit insgesamt 134.470 Proband:innen. Dort kam es durch ASS zu einem Anstieg der intrakraniellen Blutungen um 31 Prozent (verglichen mit Placebo). Allerdings schien die Einnahme von ASS nicht mit einem statistisch signifikanten Anstieg von tödlichen hämorrhagischen Schlaganfällen einherzugehen.

Bislang liegt die aktualisierte Empfehlung lediglich als Entwurf vor, sie wird bis zum 8. November öffentlich zur Diskussion gestellt. Erst danach soll eine abschließende Empfehlung publiziert werden.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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