„Auch Apothekenpersonal hat keine große Lobby“

Adexa schreibt an Laumann wegen Impfpriorisierung in NRW

Stuttgart - 11.05.2021, 16:45 Uhr

Der Adexa-Vorsitzende Andreas May versteht nicht, warum Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogerien bei der Coronaimpfung gegenüber Apothekenmitarbeitern bevorzugt werden sollten. (Foto: Adexa)

Der Adexa-Vorsitzende Andreas May versteht nicht, warum Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogerien bei der Coronaimpfung gegenüber Apothekenmitarbeitern bevorzugt werden sollten. (Foto: Adexa)


Apothekenpersonal und Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel und Drogerien sind laut Coronaimpfverordnung des Bundes in derselben Gruppe, der Gruppe drei mit „erhöhter Priorität“. Allerdings scheint in Nordrhein-Westfalen innerhalb dieser Gruppe noch einmal ein Unterschied gemacht zu werden. Mitabeiter:innen von Rewe, Aldi, dm und Co. werden mittlerweile zum Impfen aufgerufen. Apothekenpersonal noch nicht. Die Apothekengewerkschaft Adexa hat sich deshalb nun in einem offenen Brief an NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann gewandt.

Apothekenmitarbeiter:innen, die keine Coronatests durchführen oder in Impfzentren mitarbeiten, haben laut der Coronaimpfverordnung des Bundes, „erhöhte“ und damit dieselbe Priorität wie beispielsweise Personen, die im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind. Das entspricht der Gruppe drei. In manchen Bundesländern ist man davon abgewichen. So ist zum Beispiel in Baden-Württemberg das Apothekenpersonal grundsätzlich in Gruppe zwei eingestuft und dürfte mittlerweile zu großen Teilen zumindest einmal geimpft sein.

Anders in Nordrhein-Westfalen. Hier scheint es noch eine Unterteilung der Impfpriorisierung innerhalb der Gruppe drei zu geben: Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogerien werden mittlerweile zum Impfen aufgerufen – gemeinsam mit Lehrerinnen und Lehrern sowie weiteren Beschäftigten an weiterführenden Schulen und im Justizvollzug mit Gefangenenkontakten, Gerichtsvollzieher:innen, Beschäftigten in den Servicebereichen der Gerichte und Justizbehörden, Richter:innen sowie Staatsanwält:innen und Beschäftigten im Ambulanten Sozialen Dienst der Justiz.

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Wer aber in einer Apotheke arbeitet, muss sich weiter gedulden. Begründet wird das Impfangebot an die Beschäftigte im Lebensmitteleinzelhandel und in Drogerien seitens des Ministeriums in einer Pressemitteilung folgendermaßen 


„Sie haben täglich Kundenkontakt und halten unsere Versorgung seit Beginn der Corona-Pandemie aufrecht. Und sie haben keine große Lobby wie andere Berufsgruppen. Sie erhalten jetzt ein Impfangebot, damit sie bei ihrer täglichen Arbeit keine Angst mehr vor einer möglichen Infektion haben müssen.“

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann, CDU




Julia Borsch, Apothekerin, Chefredakteurin DAZ.online
jborsch@daz.online


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2 Kommentare

Impfpriorisierung in Gruppe 3

von Ute Müller am 13.05.2021 um 14:25 Uhr

Es ist glaube ich einigen unbekannt, dass Apothekenmitarbeiter regelmäßig körpernahe Dienstleistungen durchführen, in der Apotheke und im Hausbesuch, regelmäßig bei älteren und schwer erkrankten Menschen. Dass man sehr oft hinter dem Schutzschild hervortritt und an diesem vorbeisprechen muss und häufigst unklar erkrankte Patienten ,,während oder vor PCR-Testung" vor sich hat war schon im März 2020 abzusehen und ist tägliche Realität. Vermutlich musste uns unser Wissen schützen oder unsere Meinung ist gefragt.
Ich bin fast geimpft, geschützt ab Anfang Juni 2021 und heilfroh. Eine besorgt auf NRW blickende PTA aus Sachsen.

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Impfpriorisierung Gruppe 3

von Ernst am 12.05.2021 um 1:19 Uhr

Die Argumentation der Adexa ist absolut nachvollziehbar. Genauso willkürlich und völlig unverständlich ist die Entscheidung des NRW-Gesundheitsministers die Impfung von in der Gruppe 3 priorisierten über 60jährigen Personen in den Impfzentren zu verbieten, um diese in den Arztpraxen mit Astrazeneca impfen zu lassen. Ich bin 66, kann nach Aussage meiner Hausärztin wegen mehrerer Thrombosen und Herzrhytmusstörungen auf keine Fall mit einem Vectorimpfstoff versorgt werden. Eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff scheitert leider an der Tatsache, dass die Menge der an die Hausärzte gelieferten entsprechenden Impfstoffe völlig unzureichend ist. Was tun? Astrazeneca Impfung mit Hirnthrombose riskieren oder potentielle Corona-Erkrankung incl. Intensivstation.
Danke Herr Laumann.

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