Efluelda bei ab 60-Jährigen

Ist ein Ausweichen auf andere Grippeimpfstoffe wirklich unmöglich?

Stuttgart - 26.02.2021, 17:50 Uhr

Welche Möglichkeiten gibt es, bei Nichtverfügbarkeit von Efluelda, eine mögliche Nichtimpfung der Senioren doch noch abzuwenden? (Foto: Максим Корабельщиков / stock.adobe.com) 

Welche Möglichkeiten gibt es, bei Nichtverfügbarkeit von Efluelda, eine mögliche Nichtimpfung der Senioren doch noch abzuwenden? (Foto: Максим Корабельщиков / stock.adobe.com) 


Ältere Menschen ab 60 Jahren sollen ab der Grippesaison 2021/22 ausschließlich mit einem Hochdosis-Grippeimpfstoff gegen Influenza geimpft werden. Sie müssen es sogar, für alternative standarddosierte Vakzinen lässt die Schutzimpfungs-Richtlinie, die am 1. April 2021 in Kraft tritt, keinen Raum. Fehlt Efluelda, dürfen die Senioren eigentlich gar keine Grippeimpfung erhalten. Hat die STIKO gepennt, warum hat der G-BA nicht interveniert, und welche Möglichkeiten gibt es, eine mögliche Nichtimpfung der Senioren doch noch abzuwenden?

Bietet die neue Schutzimpfungs-Richtlinie keine Möglichkeit, dass bei potenzieller Knappheit von Efluelda® ältere Menschen ab 60 Jahren auch mit anderen Grippeimpfstoffen vor Influenza geschützt werden können? Oder ist mit der am 1. April 2021 in Kraft tretenden aktualisierten Schutzimpfungs-Richtlinie in Stein gemeiselt, dass bei Nichtverfügbarkeit der einzigen Hochdosisvakzine – Efluelda – Senior:innen leer ausgehen, da es „den Versicherten grundsätzlich nicht zuzumuten (ist), auf eine im Vergleich unterlegene Leistung verwiesen zu werden“, wie der G-BA in den tragenden Gründen zum Beschluss zur Änderung der Schutzimpfungs-Richtlinie erklärt.

Hochdosis-Grippeimpfung wird Standard für Ab-60-Jährige

Ab der kommenden Grippesaison 2021/22 sollen alle Älteren ab 60 Jahren mit einem Hochdosis-Grippeimpfstoff vor Influenza geschützt werden – die STIKO empfahl es im November 2020, der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) änderte die Schutzimpfungs-Richtlinie im Januar 2021 und das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beanstandete diese Aktualisierung im Februar nicht. Somit tritt die geänderte Schutzimpfungs-Richtlinie am 1. April 2021 in Kraft und die Hochdosis-Grippeimpfung wird zur Standardimpfung für ältere Menschen. Allerdings bedeutet dies, dass fortan Ab-60-Jährige nur noch mit der Hochdosisgrippevakzine vor Influenza geschützt werden dürfen. Der einzige seit Mai 2020 in der EU zugelassene Hochdosisimpfstoff ist Efluelda von Sanofi Pasteur. Erst vor kurzem wurde die Indikation erweitert, sodass Efluelda nun ab 60 Jahren geimpft werden darf. Zuvor hatte die Zulassung nur Ab-65-Jährige erfasst.

Warum hat die STIKO nicht daran gedacht, dass die monopolisierende Empfehlung von nur einer Vakzine eines einzigen Herstellers Tür und Tor für Lieferengpässe öffnet? Warum hat der G-BA nicht widersprochen und welche Optionen bleiben nun? DAZ.online hat nachgeforscht.

Efluelda-Monopol: Dachte die STIKO nicht an Lieferengpässe?

Nun könnte erst einmal die Frage aufkommen: Warum hat die STIKO nur den Hochdosisimpfstoff empfohlen? Andere Länder, wie die USA und Kanada, sprechen keine so rigorose Empfehlung aus. Hat die STIKO die Gefahr der Monopolisierung vielleicht „vergessen“ oder nicht überblickt? Dem ist nicht so: Die STIKO sieht durchaus das Risiko einer Monopolisierung mit Efluelda durch Empfehlung der Hochdosis-Grippeimpfung und der sodann erhöhten Gefahr für Lieferengpässe. Im Epidemiologischen Bulletin 1|2021 schreibt sie: „Bei einem Lieferengpass oder Nicht-Verfügbarkeit eines Hochdosis-Impfstoffs sollen ersatzweise andere inaktivierte quadrivalente Influenza-Impfstoffe (unabhängig vom Impfstofftyp) angewendet werden.“

Empfehlen andere Länder auch nur den Hochdosis-Grippeimpfstoff für Ältere?

Neben dem Hochdosis-Grippeimpfstoff Efluelda ist auch die adjuvantierte Grippevakzine Fluad® Tetra (Seqirus) speziell für Senior:innen in der EU zugelassen. Eingesetzt werden darf das Präparat ab einem Alter von 65 Jahren. Auch die USA und Kanada impfen mit diesen Impfstoffen – empfehlen die dortigen Impfkommissionen ebenfalls nur den Hochdosis-Grippeimpfschutz für Ältere?

In den Vereinigten Staaten erklären die CDC (Centers for Disease Control and Prevention): „Menschen ab 65 Jahren können sich mit jedem Grippeimpfstoff impfen lassen, der für diese Altersgruppe zugelassen ist, ohne dass ein bestimmter Impfstoff gegenüber einem anderen bevorzugt wird. Die CDC empfiehlt die Grippeimpfung als ersten und wichtigsten Schritt zum Schutz vor Grippe.“

Das National Advisory Committee on Immunization (NACI) in Kanada rät: „Wenn verfügbar, sollte ein trivalenter Hochdosis-Grippeimpfstoff einem trivalenten standarddosierten Grippeimpfstoff vorgezogen werden, da die Belastung durch eine Influenza A(H3N2)-Erkrankungen hoch ist und es gute Belege für einen besseren Schutz im Vergleich zu standdarddosierten Vakzine bei Erwachsenen ab 65 Jahren gibt.“ Ob ein hochdosierter Dreifachimpfstoff besser schütze als ein standarddosierter, dafür fehle die Evidenz, doch könne angesichts der erhöhten Krankheitslast, die mit Influenza A(H3N2) bei älteren Erwachsenen assoziiert ist, ein besserer Schutz gegen Influenza A(H3N2) wichtiger sein als ein besserer Schutz gegen Influenza B. Vergleichende Empfehlungen zwischen adjuvantierten und hochdosierten Dreifachimpfstoffen und standarddosierten tetravalenten Vakzinen spricht das NACI nicht aus. Jedoch: „Jeder der verfügbaren Influenza-Impfstoffe wäre besser, als ungeimpft zu bleiben. (…) Daher empfiehlt das NACI in Ermangelung eines spezifischen Produkts, dass jeder der verfügbaren Influenza-Impfstoffe verwendet werden sollte.“



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


Diesen Artikel teilen:


Das könnte Sie auch interessieren

G-BA ändert Schutzimpfungs-Richtlinie

Krankenkassen erstatten Hochdosisgrippeimpfung ab 60 Jahren

BMG stimmt Schutzimpfungs-Richtlinie zu

Efluelda ab 60 Jahren ist Standardimpfung

Hochdosis-Grippeimpfstoff mit vierfacher Antigenmenge

Reichen die Eier für Efluelda?

Adjuvantierte Grippeimpfung für ältere Menschen

Fluad Tetra erhält Zulassung in Europa

7 Kommentare

Vom Stamme RAFFGIER!

von Andrea Velten am 27.02.2021 um 17:29 Uhr

HERR lass Hirn regnen und nimm den Bedürftigen den Schirm weg!
Ich nenne sowas Lug und Trug !
So werden Pharma Firmen dick und fett und kugelrund und scheren sich einen Dreck um die Bedürfnisse der Menschen!
Hauptsache Kohle scheffeln auf Teufel komm raus! Welcher hohlroller hat denn diesen Deal vereinbart und dafür abkassiert?

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

weltfern

von Thomas Kerlag am 26.02.2021 um 23:32 Uhr

Ein nicht lieferbarer Impfstoff mit geringfügiger, aber signifikanter Überlegenheit der Impfeffektivit
ist natürlich die beste Lösung für eine Immunisierung. Herrgott schützte uns vor diesen klinisch nicht relevanten "Experten".
Stünden sie doch selbst vor den unversorgten Patienten, dann gäbe es das nicht.
Wie Politiker, die andere in den Krieg schicken

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Efluelda

von Monika Prinz am 26.02.2021 um 19:26 Uhr

Wir sind nicht nur in Rom sondern auch auf der Amtsschimmel-Ranch, wo sie kräftig im Chor wiehern. Dann bleiben wir halt ungeimpft und sparen dass Geld, denn dieses Jahr war Corona teuer!

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Die Rechnung geht nicht auf

von Susanne Dolfen am 26.02.2021 um 18:38 Uhr

Der Artikel ist gut geschrieben und alles ist gut erklärt, nur.....
Hier wird doch die Rechnung jetzt schon ohne den Wirt gemacht, oder vielleicht besser: ohne das Hühnerei, das dann ganz kurzfristig und spontan nicht mehr bebrütet werden möchte
Soll denn ggf. Bei einem erst im Sommer sichtbaren Lieferengpass oder gar Ausfall der Verteilungskampf um die wenigen tetravelenten und verfügbaren Impfdosen beginnen? Wer bleibt dann auf der Strecke? Denn die jüngeren Risikopatienten dürften dann wiederum nicht mit einem verspätet gelieferten Hochdosis Impfstoff geimpft werden.
Momentan sieht es für mich aus, als befänden wir uns im alten Rom und alle suchen nach dem Passierschein A38

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Efluelda

von Gregor Huesmann am 26.02.2021 um 18:33 Uhr

Wenn ich das richtig verstehe, ist Efluelda 4x so "stark" wie der normale Grippeimpfstoff. Dann wäre doch praktikabel, die Patienten zweimal mit je einer Spritze rechts und links zu impfen. Ergibt vierfache Dosis. Ich habe mich im letzten Jahr auch zweimal impfen lassen. Falsch gedacht???

» Auf diesen Kommentar antworten | 2 Antworten

AW: ...Boostern mit Quadrivalenten ...

von Gunnar Müller, Detmold am 28.02.2021 um 8:37 Uhr

Interessanter Ansatz! Die Frage ist nur:
Wie reagiert das Immunsystem darauf?
Wie sind die Nebenwirkungen bei der zweiten Impfung?
Wie ist die Zulassung - dafür?
@ letztes Jahr zweimal geimpft:
Schlage vor, Sie stellen sich für eine Studie zur Verfügung…

AW: Zulassung - wofür auch immer ....

von Bernd Jas am 01.03.2021 um 10:42 Uhr

Nebenwirkungen, Wechselwirkungen, Langzeitstudien, usw. wofür? - Zeit dafür wird heute mit frisch gerucktem Geld einfach gekauft, wenn die Knete fließt ist doch alles gut.
Vielleicht bekommt ja Herr Huesmann eine Notfallzulassung, da Conterga(r)n icht so schnell fiebern wie die da war.

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.