Erfolge im Mausmodell

Impfen gegen Multiple Sklerose?

Stuttgart - 15.01.2021, 15:00 Uhr

Forscher haben einen Impfstoff gegen MS entwickelt. (s / Foto: vetre / stock.adobe.com)

Forscher haben einen Impfstoff gegen MS entwickelt. (s / Foto: vetre / stock.adobe.com)


Biontech hat gemeinsam mit der Universitätsmedizin Mainz einen Impfstoff gegen Multiple Sklerose entwickelt. Die mRNA-Vakzine verhinderte in verschiedenen Mausmodellen das Fortschreiten der Erkrankung, stellte motorische Funktionen wieder her und reduzierte auch die Demyelinisierung in ZNS und Rückenmark deutlich.

Eine Impfung gegen MS? Mit dem gemeinsamen Forschungsansatz von Biontech und dem biopharmazeutischen Forschungsinstitut TRON (Translationale Onkologie) an der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz könnte das in ein paar Jahren vielleicht Wirklichkeit werden. Eine Forschergruppe um Christina Krienke veröffentlichte jüngst präklinische Daten zu einem mRNA-Impfstoff, durch den die Krankheitsaktivität in verschiedenen Mausmodellen der Multiplen Sklerose (MS) unterdrückt werden konnte. Eingesetzt wurden Mäuse mit experimenteller Autoimmun-Enzephalomyelitis (EAE), sie sind klinisch relevante Mausmodelle für MS beim Menschen. Die Wissenschaftler:innen veröffentlichten ihre Arbeit in der Fachzeitschrift „Science“ unter „A non-inflammatory mRNA vaccine for treatment of experimental autoimmune encephalomyelitis“. Die gute Botschaft vorweg: „In Mausmodellen von MS verzögerte der Impfstoff den Ausbruch und reduzierte den Schweregrad bei bestehender Erkrankung, ohne dass Symptome einer allgemeinen Immunsuppression auftraten“, heißt es in der Originalarbeit.

Toleranz gegen MS-spezifische Autoantigene

Der mRNA-Impfstoff von Biontech verfolgt einen völlig anderen Ansatz als bisherige Wirkstoffe. Versucht man bislang bei MS die überschießende Immunreaktion abzufangen (z. B. durch Antikörper gegen CD20+-B-Zellen (Ocrelizumab in Ocrevus®) oder indem bestimmte weiße Blutkörperchen, T-Lymphozyten, in den Lymphknoten zurückgehalten werden und nicht ins Zentralnervensystem einwandern könne, um die Myelinscheiden zu schädigen (Fingolimod in Gilenya®)), zielt die Impfung darauf ab, dass der Körper eine Toleranz gegen Antigene entwickelt, die mit Multipler Sklerose assoziiert sind. Eine Antigen-spezifische Toleranz würde selektiv die Erkrankung auslösende Autoimmunität schwächen – ohne die normale Immunfunktion zu beeinträchtigen, schreiben die Wissenschaftler:innen. Diese Toleranz entsteht, wenn die Antigene von spezialisierten Zellen (Antigen-präsentierende Zellen, APC) präsentiert werden, ohne dass costimulierende Signale exprimiert werden.

Durch eine Fehlfunktion des Immunsystems und dadurch bedingte Entzündungsreaktionen werden bei MS die Nervenfaser umgebenden und schützenden Mylelinscheiden zerstört – es kommt zu motorischen und neurologischen Symptomen, da die Signalübertragung zwischen den Nervenzellen und dem Zielgewebe unterbrochen wird. Unter anderem spielen autoreaktive T-Zellen hier eine wichtige Rolle.



Celine Müller, Apothekerin, Redakteurin DAZ.online (cel)
redaktion@daz.online


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3 Kommentare

Weiter so, bitte

von Mi Ola am 11.02.2021 um 8:44 Uhr

Eine tolle Neuigkeit von BionTech. Weiter so, bitte! Ich bin mir sicher, dass auch zu MS eine Heilung auffindbar ist.

KKNMS's skeptische kommentare zu der Sache finde ich sehr schade.
Vielleicht hat die Krankheitsbezogene Kompetenznetz aber auch Angst, dass MS zu einen heilbaren Krankheit wird... Wer weiß...?

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Impfung

von jacki am 21.01.2021 um 21:51 Uhr

ich habe eine Frage der möglichen MS Impfung..
ich habe die Variante ms spms mit aufgesetzten schüben die schleichende veriate, meine Frage ist ,ist auch diese Impfung später dafür gedacht?

MIT freundlichen Grüßen Jacqueline dietel

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Impfung gegen MS

von Carmen Oberberger am 21.01.2021 um 8:28 Uhr

Ich leide seit 20 Jahren an MS und warte seitdem auf den Durchbruch.
Ich verstehe nicht, warum bei Corona innerhallb von ein paar Monate ein Impfstoff aus dem Boden getreten werden kann und bei weitaus besser bekannten Krankheiten es soviele Jahre dauert bis etwas freigegeben wird

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