Pflanzenporträt

Kamille: altbewährt und neu belegt

15.06.2020, 16:28 Uhr

Kamillenblüten sind vielfältig anwendbare Arzneidrogen. (c / Foto: matka_Wariatka / stock.adobe.com)
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Kamillenblüten sind vielfältig anwendbare Arzneidrogen. (c / Foto: matka_Wariatka / stock.adobe.com)


Entzündungskaskade im Visier 

Als ein wichtiger Wirkmechanismus von Kamillenblütenzubereitungen gilt die Hemmung der Cyclooxygenase und Lipoxygenase – also entscheidender Enzyme in der Entzündungskaskade. Infolge dieser Enzyminhibition werden weniger schmerz- und entzündungsfördernde Mediatoren wie Prostaglandine und Leukotriene gebildet. Als hauptverantwortlich für diese Kamillenwirkung erwiesen sich Bestandteile ihres ätherischen Öls, insbesondere die Substanzen α-Bisabolol und Chamazulen. Das Chamazulen verursacht übrigens die intensive Blaufärbung von Kamillenöl. Es bildet sich erst bei der Gewinnung des Öls durch Wasserdampfdestillation aus der farblosen Vorstufe Matricin. 

Ätherisches Öl, Flavonoide, Schleimstoffe

Die Ätherisch-Öl-Komponenten sind noch für weitere pharmakologische Eigenschaften der Kamille verantwortlich, darunter die antibakterielle Wirkung und der Magenschutz. Bisabolol hemmt offenbar die Pepsinsekretion im Magen und kann damit einem Ulkus entgegenwirken. Das ätherische Öl von Matricariae flos ist in Drüsenschuppen auf den Blüten loksalisiert. Sein Anteil beträgt 0,3 bis 1,5 Prozent. Je nach Herkunft des Drogenmaterials kann die quantitative Zusammensetzung des Öls erheblich variieren. Spezialkamillensorten aus deutschen Anbaugebieten gelten als besonders hochwertig.

Eine weitere wirksamkeitsrelevante Inhaltsstoffgruppe von Matricariae flos bilden die Flavonoide, insbesondere die Substanz Apigenin. Ihr schreibt man eine maßgebliche Beteiligung an den spasmolytischen und karminativen Effekten der Droge zu. Möglicherweise kommt die entkrampfende Wirkung zustande, indem der Calciumeinstrom in die glatten Muskelzellen des Magen-Darm-Trakts gehemmt wird. An der Gesamtwirkung von Kamillenblütenzubereitungen sind zudem weitere Inhaltsstoffe mitbeteiligt, darunter Schleimstoffe mit möglichen immunstimulierenden Effekten sowie Cumarine. 



Ulrike Weber-Fina, Diplom-Biologin, Autorin PTAheute.de
redaktion@daz.online


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