Pflanzenporträt

Kamille: altbewährt und neu belegt

15.06.2020, 16:28 Uhr

Kamillenblüten sind vielfältig anwendbare Arzneidrogen. (c / Foto: matka_Wariatka / stock.adobe.com)
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Kamillenblüten sind vielfältig anwendbare Arzneidrogen. (c / Foto: matka_Wariatka / stock.adobe.com)


Mit jeder Menge Superlativen kann die Kamille aufwarten: Sie zählt zu den ältesten pflanzlichen Heilmitteln, gleichzeitig zu den am besten erforschten. Der Korbblütler ist außerdem eines der beliebtesten Arzneikräuter überhaupt. Damit nicht genug: Kamillenblüten sind auch eine der am vielseitigsten verwendbaren Drogen. In der Selbstmedikation gehören Kamillenpräparate deshalb zu den wichtigsten Arzneimitteln. 

Tradition als Universalheilmittel

Schon vor Jahrhunderten wurde die Kamille (Martricaria recutita = Chamomilla recutita) als Universalheilmittel eingesetzt. Der berühmte griechische Arzt Dioskurides rühmte die Pflanze im 1. Jahrhundert nach Christus für eine ganze Reihe von Heilwirkungen, etwa zum Harn- und Steintreiben, gegen Blähungen und bei Leberleiden. Die mittelalterliche Klostermedizin verwendete die Kamille zudem äußerlich bei Hautentzündungen. 

Ganz weiblich 

Der heimische Korbblütler (Asteraceae) galt im Mittelalter überdies als Frauenmittel: Man setzte Kamille ein, um die Geburt zu erleichtern oder die Menstruation herbeizuführen. Die frauenheilkundliche Verwendung brachte der Pflanze ihren Gattungsnamen Matricaria ein. Er ist abgeleitet vom lateinischen Wort „matrix“, was „Gebärmutter“ bedeutet. 

Wissenschaftlich fundiert 

Seit dem 15. Jahrhundert wird Matricaria recutita in der Volksmedizin als verdauungsförderndes, krampflösendes und wundheilendes Mittel genutzt. Entsprechende Wirkungen konnte die moderne Phytotherapieforschung tatsächlich bestätigen. Für Auszüge aus der Droge Kamillenblüten (Matricariae flos) oder für einzelne Inhaltsstoffe sind heute zahlreiche pharmakologische Effekte wissenschaftlich nachgewiesen. Im Vordergrund stehen dabei antientzündliche, wundheilungsfördernde, spasmolytische und antimikrobielle Wirkungen. 



Ulrike Weber-Fina, Diplom-Biologin, Autorin PTAheute.de
redaktion@daz.online


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