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Heilkraft in der Tasse: Wert von Arzneitees

01.03.2019, 13:00 Uhr

(Foto: chamillew / stock.adobe.com)
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Teebeutel in die Tasse, mit kochendem Wasser übergießen und nach Belieben ziehen lassen – für ein schmackhaftes Wellnessgetränk ist diese Methode akzeptabel. Um einen wirksamen Arzneitee zuzubereiten, sollte man hingegen differenzierter vorgehen. Damit die Medizin aus der Tasse tatsächlich die erwünschte Heilkraft entfaltet, sind noch weitere Faktoren wichtig.

„Ruhe, Stille, Sofa und eine Tasse Tee geht über alles.“ – Diesem Zitat des Dichters Theodor Fontane (1819–1889) können auch heutzutage viele Menschen beipflichten, Teeliebhaber ganz besonders. Die hübsche Lebensweisheit bringt auch gleich einen wichtigen psychologischen Wert zum Ausdruck: Ein Tee kann die Krönung eines Rituals der Gemütlichkeit und Entspannung sein. Dass so ein Getränk aber noch mehr vermag als bloß die Seele zu streicheln, wusste auch Fontane. Schließlich war der berühmte Literat zunächst im Apothekerberuf tätig.

Auf die Zubereitung kommt es an

Ob Fontane mit der zitierten Tasse Tee nun einen Schwarztee, einen Früchte- oder einen Kräutertee im Sinn hatte, bleibt offen. Eines ist aber gewiss: Es kommt auf die richtige Zubereitung an. Ausschlaggebend ist die Zubereitungsart vor allem dann, wenn es sich um einen Arzneitee handelt. Schließlich sollen pharmakologisch relevante Pflanzeninhaltsstoffe in die wässrige Phase überführt werden. Je nach Art des Drogenmaterials und dessen Wirkstoffen kann die Zubereitungsart erheblich variieren. Da der Patient ja selbst der Hersteller dieser Darreichungsform ist, sollte er in der Apotheke beim Kauf entsprechende Abgabehinweise erhalten.

Heißaufguss für weiche Pflanzenteile

Die gebräuchlichste Form der Teezubereitung ist ein Infus, also ein Heißaufguss. Meist kann man sich dabei an der allgemeinen Regel orientieren: Erforderliche Drogenmenge (häufig 1 gestrichener Teelöffel) mit 150 bis 200 Milliliter siedendem Wasser übergießen, abgedeckt ziehen lassen, dabei gelegentlich umrühren und nach 5 bis 15 Minuten abseihen. Ein Infus eignet sich für weiche Pflanzenteile wie Blatt-, Blüten- und Krautdrogen sowie für fein zerkleinerte Rinde oder Wurzeln. Enthält die Droge thermolabile Wirkstoffe wie etwa Bitterstoffe oder leicht flüchtige wie die ätherischen Öle, empfiehlt sich eine kürzere Ziehzeit (ca. 3 min) oder etwas abgekühltes Wasser. Bei der Zubereitung aquaretischer Tees kann hingegen durch ein längeres Ziehenlassen (15 bis 30 min) ein höherer Anteil an wirksamkeitsrelevanten Flavonoiden gelöst werden (z.B. Birkenblätter, Goldrutenkraut, Hauhechelwurzel). 

Sonderfall: Früchte mit ätherischem Öl

Die Teetasse abzudecken ist vor allem dann ratsam, wenn flüchtige ätherische Öle im Spiel sind. Ein wichtiger Hinweis darf bei der Abgabe von ätherisch-Öl-haltigen Früchten – insbesondere Apiaceenfrüchten wie Anis, Fenchel und Kümmel, aber auch Wacholderbeeren – nicht fehlen: Vor dem Heißaufguss anstoßen! Ist kein Mörser zur Hand, können die Früchte mit Hilfe von zwei Löffeln leicht gequetscht werden. Auf Wunsch des Kunden kann man die Droge bereits in der Apotheke anstoßen. Sie sollte dann innerhalb von zwei Wochen aufgebraucht werden. Übrigens lassen sich diese Drogen statt mit Wasser auch mit heißer Milch extrahieren. Die lipophilen Ätherisch-Öl-Komponenten können sich in der Lipidphase der Milch besser lösen. Untersuchungen zeigten, dass ein mit Vollmilch zubereiteter Anistee fast doppelt so viel des Hauptinhaltsstoffs trans-Anethol enthält wie eine wässrige Zubereitung.



Ulrike Weber-Fina, Diplom-Biologin, Autorin PTAheute.de
redaktion@daz.online


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