Coronavirus-Pandemie

Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande gründen Impfstoff-Allianz

Berlin - 15.06.2020, 07:00 Uhr

Das Bundesgesundheitsministerium hat am Samstag bekannt gegeben, dass Deutschland gemeinsam mit drei anderen Ländern eine Impfstoff-Allianz gegründet hat. (x / Foto: imago images / Müller-Stauffenberg)

Das Bundesgesundheitsministerium hat am Samstag bekannt gegeben, dass Deutschland gemeinsam mit drei anderen Ländern eine Impfstoff-Allianz gegründet hat. (x / Foto: imago images / Müller-Stauffenberg)


Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande haben einen ersten Vertrag über 300 Millionen Impfdosen gegen das Coronavirus geschlossen. Das teilte das Bundesgesundheitsministerium am Samstag in Berlin mit. Die Entwicklung eines Impfstoffs könnte im günstigen Fall schon Ende des Jahres abgeschlossen sein, hieß es aus dem Ministerium.

Vertragspartner ist das Pharmaunternehmen Astra-Zeneca. Profitieren sollen alle EU-Staaten, die dabei sein wollen. Die Impfdosen würden relativ zur Bevölkerungsgröße aufgeteilt. „Viele Länder der Welt haben sich schon Impfstoffe gesichert, Europa noch nicht", erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). „Durch das zügige koordinierte Agieren einer Gruppe von Mitgliedstaaten entsteht in dieser Krise Mehrwert für alle EU-Bürger. Wir wollen gemeinsam mit der Kommission künftig noch schneller und verhandlungsstärker werden.“

Die vier Staaten haben sich nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums zu einer Impfallianz zusammengeschlossen und sind mit mehreren Unternehmen im Gespräch, die an aussichtsreichen Impfstoffkandidaten forschen. „Damit Impfstoffe sehr zügig nach einer möglichen Zulassung in diesem oder im nächsten Jahr in großer Zahl verfügbar sind, müssen Produktionskapazitäten schon jetzt vertraglich gesichert werden“, hieß es weiter. Bei der Videokonferenz der EU-Gesundheitsminister am Freitag sei zudem vereinbart worden, die Aktivitäten der Impfallianz mit denen der EU-Kommission zusammenzuführen.

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Dabei geht es um den an der britischen Universität Oxford entwickelten COVID-19-Impfstoff AZD1222. Dieser beruht auf einer abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen. Es enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem das Virus SARS-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Die Impfung soll das Immunsystem auf Trab bringen, damit es den Erreger im Falle einer Infektion unschädlich machen kann. In den kommenden Monaten soll der Impfstoff in einer Studie, die im Mai begonnen hat, mit insgesamt gut 10.000 Erwachsenen geprüft werden.

Wann ist mit Resultaten zu rechnen?

„Dieses Projekt ist momentan am weitesten fortgeschritten“, sagt der Leiter des Instituts für Virologie der Universität Marburg, Professor Stephan Becker, der selbst einen ähnlichen Impfstoff erforscht. „Die bisherigen Daten zeigen, dass AZD1222 eine Immunantwort auslöst. Ob der Impfstoff tatsächlich vor SARS-CoV-2 schützt, kann man noch nicht genau sagen.“

Wie lange die britische Studie braucht, um belastbare Resultate zu erbringen, hängt auch vom Verlauf der Pandemie ab: „Wenn die Übertragungsrate hoch bleibt, könnten wir in einigen Monaten genug Daten haben, um zu beurteilen, ob die Impfung funktioniert“, schrieb die Universität Oxford. „Aber wenn die Übertragung abfällt, könnte dies bis zu sechs Monate dauern.“

Daher würden in der Studie vor allem Menschen mit erhöhtem Infektionsrisiko wie Mitarbeiter im Gesundheitswesen getestet. Möglicherweise, so Becker, sei es sinnvoll, Teile der Studie in Regionen auszulagern, in denen die Epidemie noch akut sei.

Und wenn die Impfung doch nicht schützt oder andere Hersteller schneller sind? Die Uni Oxford räumt ein, dass ein beträchtlicher Teil der Impfstoffe in klinischen Studien scheitert. Dafür, so das Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage, gebe es Vertragsklauseln. Auf jeden Fall, sagt der Virologe Becker, sollten Staaten mehrere Impfstoff-Projekte im Auge behalten: „Es macht Sinn, seine Eier nicht nur in ein Nest zu legen.“

DAZ.online-Autorin Dr. Helga Blasius hat den derzeitigen Stand in der Impfstoff-Entwicklung unter die Lupe genommen und in einem Artikel die zehn aussichtsreichsten Kandidaten vorgestellt. Hier kommen Sie zu dieser Übersicht.

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Hinweis der Redaktion: Wir haben den Text um 9.30 Uhr um Informationen zum Impfstoff AZD1222 ergänzt.



bro / dpa
brohrer@daz.online


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