Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

23.02.2020, 07:15 Uhr

Wir lernen fürs Apothekerleben: drei Lektionen der Woche! (Foto: Andi Dalferth) 

Wir lernen fürs Apothekerleben: drei Lektionen der Woche! (Foto: Andi Dalferth) 


19. Februar 2020

Unser ABDA-Präsident Friedemann Schmidt, langjähriges Mitglied der FDP, hat dieser Partei den Rücken gekehrt. Das Verhalten der Thüringer Liberalen war der Anlass, aus dieser Partei  auszutreten. In einem Interview mit der „Welt“ liefert Schmidt mehrere, teils auch sehr emotional vorgetragene allgemeinpolitische Gründe, warum er nun nicht mehr dieser Partei angehören kann. Kemmerich habe ihm dabei eher leid getan, aber Lindner mit seinem Herumlavieren und Rumgeeiere und Kubicki mit seinem Glückwunsch für Kemmerich – „diese Reaktion hat mich so angewidert, dass ich gesagt habe: Hier musst du raus“, lässt Schmidt den Welt-Leser wissen. Aber es ist nicht nur das, was ihn an der FDP störte. Er habe auch den Eindruck, dass es in der FDP eine Art national-liberale Strömung zum Migrationsthema und zum Euro gebe, was er „abstoßend“ finde: „Da ist für mich Schluss.“ Kann man gut verstehen, mein liebes Tagebuch. Was Friedemann Schmidt übrigens noch sagt: Nach wie vor betrachte er den Liberalismus als seine politische Heimat. Und er werde auch Ende des Jahres, wenn er nicht mehr ABDA-Präsident sei, politisch aktiv bleiben, aber ohne Parteizugehörigkeit. By the way, in Deutschland fehlt doch eine echte liberale Partei, so wie es die FDP früher mal ansatzweise war…

 

Ich sag’s immer wieder, mein liebes Tagebuch: Gut, dass es die Bayern in Deutschland gibt. Sie wollen sich nämlich jetzt dafür einsetzen, dass die Produktion wichtiger Wirkstoffe wieder nach Deutschland oder in die EU zurückverlagert wird. Der Bayerische Landtag hat einem von der CSU-Fraktion eingebrachten Dringlichkeitsantrag zugestimmt, der sich genau dafür einsetzen soll. Man will sogar prüfen, mit welchen Anreizen die Arzneimittelforschung intensiviert werden könnte. Der bayerische Antrag macht auch deutlich, dass das Auftreten des Corona-Virus und seine Folgen wie zum Beispiel Betriebs- und Fabrikschließungen in China die Problematik verschärft und die Versorgungssicherheit zusätzlich gefährdet. Die Bayern machen also deutlich, dass sie raus wollen aus der Abhängigkeit von Wirkstoffherstellern in fernen Ländern. Endlich, mein liebes Tagebuch, dass ein Bundesland dies so deutlich sagt. Und die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml geht sogar noch einen Schritt weiter. Sie sagt, das seien nur erste Schritte und es müsse noch mehr geschehen. Pharmaunternehmen könnten beispielsweise verpflichtet werden, in Europa produzierte Wirkstoffe zu verwenden. Und außerdem müsste das Vergaberecht bei Rabattverträgen entsprechend angepasst werden. Recht hat sie, mein liebes Tagebuch. Vielleicht spricht sie zwischendurch auch mal mit dem GKV-Spitzenverband, der ja nach wie vor glaubt, Rabattverträge hätten nichts mit Lieferengpässen zu tun.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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8 Kommentare

Antworten

von Michael Hennrich am 03.03.2020 um 8:50 Uhr

Lieber Herr Ditzel,

Sie bekommen natürlich eine Antwort. Bezüglich Versandhandelsverbot habe ich meine Meinung immer sehr klar und deutlich zum Ausdruck gebracht, dass ich für ein Versandelsverbot bin. Ich halte das auch für rechtlich möglich; bisher ist aber kein politischer Wille da, es umzusetzen. Bezüglich Kontrolle von Versendern: Ich habe vor zwei Jahren und vor einem Jahr im Sommer eigentlich eine schöne Kampagne fahren wollen bezüglich hohe Temperaturen und Versandhandel. Mit den Journalisten Mihm und Wallet hatte ich zwei Redakteure, die das groß aufgezogen hätten. Nur so viel; an mir ist es nicht gescheitert. Zum Thema Antibiotikaproduktion in Europa: Fragen Sie mal Herrn Houssini von Roland Berger, wer mit ihm schon vor drei Jahren Konzepte entwickelt hat, wie einem dies gelingen könnte. Auch das wollte man nicht. Beim Thema Flexibilisierung und Veränderungen des Rabattvertragssystem war die AOK mit Ihrem Lobbiissmus erfolgreicher. Und auch beim Thema Mehrfachbelieferung sind die Beharrungskräfte stärker als die, die sich für Veränderungen engagieren. Es bleibt also alles beim Alten, Sie müssen sich keine Sorgen machen.

Liebe Grüße Michael Hennrich

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Recht

von Karl Friedrich Müller am 23.02.2020 um 14:30 Uhr

Alle möglichen Leute haben Rechte. Auf AMTS, auf Bonusgewährung, nicht mit Inspektionen behelligt zu werden, geimpft zu werden, auf mehr Gehalt und weniger Arbeitszeit.
Alle? Nein. Der Apotheker bzw. alle Doofen, die in Apotheken vor Ort arbeiten, gehören nicht dazu. Wahrscheinlich haben wir auch kein Recht auf E-Rezepte, nur auf unausgegorene Gesetze und Vorschriften, die hier schon erwähnt wurden.
Was seltsamerweise in der DAZ nicht erwähnt wurde, waren Streiks bei BEK und AOK für 7% mehr Lohn und weniger Arbeit im Ländle. Den Maden im Speck reicht es noch nicht. Ich ärgere mich dermaßen darüber....
RxVV würde für uns kein „Mehr“, sondern nur den Erhalt des Status quo bedeuten. Gönnt man uns nicht. Man hat uns schon OTC genommen, nun versucht man es bei Rx. Ein Mehr ist nicht drin, auch nicht nach 16 Jahren!
Alle (!) Arzneimittel gehören in die Apotheke vor Ort. Auch die in den Drogerien verkauft werden. Als Medizinprodukte, die eigentlich eher vom Markt müssten...
Den „Monopol“ Schreiern entgegne ich, dass es bei 19.000 Apotheken kein Monopol gibt. Ein Monopol hat vielleicht DocMorris, nämlich zur Abgabe von AM, die keine Probleme machen. So eine Art „Easy“ (nicht-) Apotheke (das hat mit der Kooperation nichts zu tun!). Problemlos liefern geht, alles andere nicht. Keine Lieferung, möglicherweise Rezept zurück, sollen sich andere kümmern (also die Apotheke vor Ort).
Womit wir wieder beim Honorar wären. Die 8,50€ minus 1,77€ Kassenrabatt stellen für die Kassen zwar eine Art All-inclusive Währung dar, wobei die Inhalte beliebig erweiterbar sind, für uns aber eher eine Art Mischkalkulation darstellen. Aufwendiges wird mit Problemlosem querfinanziert. Durch den immer stärkeren Versand entfällt das.
Seit „Ulla“ erhalten wir immer weniger für unsere Arbeit. Die Rohgewinnspanne ist um 10%Punkte gefallen, um ein Drittel!
Trotzdem wird man nicht müde, uns immer mehr Aufgaben aufzupacken.
Immer wieder lese sich, dass wir gar kein anerkannter Bestandteil des Gesundheitswesens sind. Also, wenn schon Aufgaben, dann endlich Anerkennung! Auch Anerkennung unserer Entscheidungen. Retaxverbot!
An Schmidt und der ABDA interessiert mich nur noch, wann die endlich verschwinden. Sie haben uns verraten und verkauft.
Zu Henning: so agieren Politiker! Es hat sich auf Klima „spezialisiert“. Da wird ein vermeintlich populärer Spruch rausgehauen, der Mangels Detailkenntnissen viel Unterstützung bringt. (Möglich, dass der Politiker die auch nicht hat). Jaaaaa, der ist für Klima.........
Unter dem Strich halt nur ein Haufen Unsinn. Agieren tun die lieben Politiker sowieso gaaaanz anders. Entsprechend den „Spenden“ aus der Industrie und Konzernen. Lässt sich alles nachlesen....
Ach so, nun lese ich eben in der DAZ, so beiläufig erwähnt, dass man sich nun beeilen solle mit der TI Anbindung.
Eben noch gewarnt von den Verbänden, nun das Gegenteil? Könnten die Warner dann nicht selbst grünes Licht geben?
Ich fühle mich nur noch verarscht. Falsch informiert.
Diese Digitalisierung ist ein heilloses Durcheinander!
Gewollt, vermutlich, damit die „richtigen“ Leute zum Zug kommen.

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AW: Recht

von Michael Zeimke am 23.02.2020 um 15:02 Uhr

@ Karl Friedrich Müller,
nur zur Kenntnis. Unsere Honorarerhöhungen sind Ihnen bekannt.
Honorarzuwachs Ärzte in NIedersachsen.
3tes Quartal 2017 bis 3tes Quartal 2019
Fachärzte + 10,1 Prozent
Hausärzte + 6,7 Prozent.
Ich wollte Ihnen den Sonntag nicht verderben.
Gruß

AW: Recht

von Conny am 23.02.2020 um 15:16 Uhr

Der Mann heisst Hennrich ! ...und nicht Henning

Impfen

von Thomas Kerlag am 23.02.2020 um 13:42 Uhr

Klar. Wenn Apotheken defizitär werden nimmt man noch etwas berufsfremdes Defizitäres hinzu, wenn es ein Apotheker macht. Und dann auch noch im Hauptstudium! Darüber hinaus plädieren die Studierenden auch noch für den Postboten, damit das bisschen was es (kostenlos) zu beraten gibt auch noch an ihnen vorbeigeht. Um etwas anderes nachhaltiges aufzubauen sollte man zuerst um das Brot und Buttergeschäft ringen.
Schon richtig, alles aus der Not geborene wirre Ideen. Die Frage ist doch, "Warum Pharmazie"
Man schaue sich doch die Referenten bei den sogenannten "pharmazeutischen Kongressen" für die öffentliche Apotheke an.
Selbst ein mit mir befreundeter Arzt bemerkte, dass da nur Ärzte referieren. Wer Talent hat muss doch nicht einen Beruf erlernen in den man nicht wirklich etwas für den Patienten mitzuentscheiden hat. Dazu werden die Apotheker viel zu unterwürfig bleiben und deshalb
als Akademiker in der Apotheke entbehrlich.

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ABDA/DAV und das Wiederholungsrezept - gut gemeint ...

von Gunnar Müller, Detmold am 23.02.2020 um 11:13 Uhr

Ist noch lange nicht gut gemacht!
In einer Woche könnte es Wiederholungsrezepte geben – und keiner ist darauf vorbereitet, wie mit diesen umgegangen werden soll (oder habe ich da etwas verpasst? Ich werde diese also – wie bereits jetzt bei den Quartals- und Jahresverordnungen für Inko-Hilfsmittel oder den Monats-Ernährungsverordnungen – wie bisher einzeln pro Patient ablegen/sortieren/verwalten, mehrfach kopieren [was für ein Aufwand!], jeweils einzeln erfüllen, bedrucken und abrechnen).

Aber es gibt auch andere, ich möchte sie einmal „Absurditäten des Apothekenalltags“ nennen:
- dern Rahmenvertrag mit Ankerpreis, 4-Billigsten-Prinzip, Re-Import-Regel, aut-idem-/Rabattvertragsfalle bei Reimport-Vertragsmedikamenten
- die per Gesetz jüngst beschlossene aber ansonsten noch ungeregelte Durchführung der Mehrkostenübernahme durch die KrankenKassen bei Lieferunfähigkeit (sic: warum eigentlich nur bei Rabattvertragsarzneimitteln?)
- AMK Meldungen/Hinweise, ohne Rückgrat „durchgeschobene“ Weisungen, die nicht durchführbar sind (Otriven, Emmerade)
- die DSGVO und die KVen: Keine Auskunft mehr über die Besetzung von Notfalldienstpraxen (ein GAU für jede kleine Apotheke an Sonn- und Feiertagen) und Kammer und ABDA schauen zu

Wozu brauche ich da noch eine - so immer noch genannte - „Berufsvertretung“..?!!

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.

von Anita Peter am 23.02.2020 um 10:47 Uhr

Spahn, ABDA und ausländische Versender gemeinsam gegen die Vor Ort Apotheken. Und alle schauen tatenlos zu. Es ist unglaublich.

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Apothekensterben, Apothekenpreise ... und und keiner tut etwas dagegen ... das ist Kommunikation ...

von Christian Timme am 23.02.2020 um 9:23 Uhr

Ein Kommentar ist ja bereits Kommunikation ... da hilft dann der "Dritten Prüfungsabschnitt" auch nicht mehr ... damit hätten wir den ersten Punkt schon abgearbeitet. Jetzt zum zweiten Punkt ... 30 Euronen vom Versender stehen gegen diese "Apothekenpreise" ... wobei die "20 Mrd." ... WO WAREN DIE NOCH MAL ... gerne "vergessen" werden ... und das war dann schon der dritte Punkt ... hat nichts mit dem Prüfungsabschnitt zu tun ...

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