Die letzte Woche

Mein liebes Tagebuch

26.01.2020, 08:00 Uhr

Unsäglich! Die ABDA traut sich nicht, einen Pharmaziestudenten vor dem Petitionsausschuss fürs Rx-Versandverbot zu unterstützen! (Foto: Andi Dalfert)

Unsäglich! Die ABDA traut sich nicht, einen Pharmaziestudenten vor dem Petitionsausschuss fürs Rx-Versandverbot zu unterstützen! (Foto: Andi Dalfert)


23. Januar 2020

Nochmal Benedikt Bühler: Wenn er seine Forderung nach einem Rx-Versandverbot am 27. Januar im Petitionsausschuss des Bundestags persönlich erläutern darf, wird er gut gerüstet und mit juristischer Unterstützung antreten können. An seiner Seite wird Rechtsanwalt Dr. Morton Douglas sein, der ihn begleiten wird. Und Bühler wird mehrere Gutachten in seiner Aktentasche haben, die zeigen, dass das Rx-Versandverbot mit Verfassungs- und Europarecht im Einklang steht – darunter auch die Gutachten, deren Ausgabe ihm die ABDA verweigerte. Ganz ohne Hindernisse kann er dagegen auf das wettbewerbsökonomische Gutachten von May, Bauer und Dettling zurückgreifen, das 2017 um Auftrag der Noweda und des Deutschen Apotheker Verlags erstellt worden war. Außerdem kann er den Abgeordneten noch eine neue Expertise zu diesem Thema vorlegen, eine Dissertation von Christiana Bauer mit dem Titel „Staatliche Maßnahmen zur Erhaltung einer flächendeckenden Arzneimittelversorgung – Eine Betrachtung unter verfassungsrechtlichen und europarechtlichen Gesichtspunkten“. Mein liebes Tagebuch, angesichts dieser großen Unterstützung von allen Seiten – dämmert es eigentlich der ABDA-Spitze, dass sie sich mit ihrer kleinkarierten und engstirnigen Haltung ins Abseits manövriert?

 

Als Verbraucher muss man derzeit die Meinung haben, das E-Rezept gibt es schon – ab morgen. Das niederländische Versandhaus DocMorris hat richtig Geld in die Hand genommen und eine Anzeigenkampagne losgetreten, die schon seit einigen Wochen auf vielen Werbeflächen von Deutschlands Hauptbahnhöfen, Flughäfen und in Innenstädten läuft („Das E-Rezept kommt.“). Die Kampagne suggeriert dem Bürger, beim E-Rezept habe dieses Versandhaus die Nase vorne. Den ABDA-Mitgliedern war das zu viel, sie haben die ABDA beauftragt, ebenfalls ein Motiv zum Thema E-Rezept entwerfen zu lassen. Endlich! Jetzt ist’s soweit: Die ABDA legt den Kammern und Verbänden ein Poster und einen Handzettel vor. Der Slogan „Das eRezept kommt – in meine Apotheke vor Ort“. Und dazu noch der Einklinker „#unverzichtbar“ und „Digital sein & persönlich bleiben“. Eigentlich wollte die ABDA noch nicht mit dem Thema E-Rezept werben, da es bekanntlich noch eine Weile dauern wird, bis der Patient sein erstes E-Rezept auf dem Smartphone hat. Aber der Markt drängt – und in der Tat, mein liebes Tagebuch, es wäre eine Katastrophe, wenn der Verbraucher das E-Rezept auf Dauer mit dem grün-weißen Logo aus Holland assoziieren würden. Da muss man dagegen halten, auch wenn es noch relativ früh für dieses Thema ist. So ist das heute.

 

Nochmal Bühler-Petition und ABDA-Gutachten. Lange hatte es die ABDA-Spitze nicht für nötig erachtet, sich öffentlich über ihre Gründe zu äußern, warum sie die drei Rechtsgutachten nicht an den Petenten Benedikt Bühler herausgeben will. Sie schickte erst ihren Pressesprecher vor, der mit glücklosen Worten vortrug, dass man keine Realisierungschance für ein Rx-Versandverbot sehe und es „natürlich keinen Sinn macht, die Verbotsforderung jetzt wieder durch die Hintertür zu promoten“ – was allerdings Kopfschütteln und Unverständnis auf Seiten vieler ABDA-Mitglieder hervorrief. Erst als dann Druck von einigen Apothekerkammern und Verbänden kam, bequemte sich unsere ABDA-Spitze dazu, ein wenig näher auf Gründe einzugehen. Ja, und schließlich  konnte sich ABDA-Präsident Friedemann Schmidt auch persönlich nicht den drängenden Fragen entziehen, die ihm die Teilnehmer an der berufspolitischen Diskussion auf dem Pharmacon in Schladming stellten. Dort sagte er, es gebe einen formalen und einen inhaltlichen Grund, die Herausgabe zu verweigern: Formal sei die Petition nämlich ein Instrument für Privatpersonen, nicht für Interessenverbände, weshalb die ABDA die Petition auch nicht unterstützt habe. Und inhaltlich habe sich der Apothekertag dafür ausgesprochen, Spahn und das Apotheken-Stärkungsgesetz zu unterstützen, das Rx-Versandverbot sei nur ein „Nebenweg“, der von dem Vorhaben ablenke und daher zu vermeiden sei. Schmidt nannte das Beharren auf dem Rx-Versandverbot trotz des anderslautenden Apothekertagsbeschlusses „bezüglich der Glaubwürdigkeit der Apothekerschaft eine Katastrophe“. Und er fügte hinzu: „Wir machen uns lächerlich, wenn wir jetzt sagen, das war alles nicht so gemeint‘.“ Mein liebes Tagebuch, wie kann man nur! Seine von ihm genannten Gründe kann man doch nicht wirklich als Gründe zitieren, um einem Pharmaziestudenten, der für das Rx-VV kämpft, die Herausgabe von Gutachten zu verweigern, die ihn bei seinem Vorhaben unterstützen können. Zumal der Apothekertag auch beschlossen hatte, den Gesetzgeber aufzufordern, den Bundesratsbeschluss für ein Rx-Versandverbot in das Gesetzgebungsverfahren zum Apotheken-Stärkungsgesetz „ergänzend einzubringen“. Und glasklar hatte die ABDA-Mitgliederversammlung das Rx-Versandverbot als Handlungsoption bezeichnet! So sieht’s aus, mein liebes Tagebuch. Seit wann macht man sich lächerlich, wenn man für eine Handlungsoption kämpft, zu der sich mittlerweile mehrere Unionspolitiker bekennen. Oh nein, mein liebes Tagebuch, womit haben wir diese ABDA verdient?

Tja, es menschelt eben überall, wie diese persönliche Note zeigt, die Schmidt zum Besten gab und die natürlich noch ins Tagebuch gehört: In Schladming verriet er nämlich sein Geheimnis, wie er es schafft, sich von der Forderung nach einem Rx-Versandverbot zu lösen. Ganz einfach, so Schmidt, man solle einmal laut „Buuuuh“ rufen, sich dann zurücklehnen und nach vorne schauen. Ach was, ist das so einfach? Hmm, mag sein, dass ihm das hilft, dass das ein Teil der Schmidtschen ABDA-Politik ist. Ex-Kammerpräsident Ulrich Krötsch meinte dazu: Man dürfe nach einem „Buuuh“-Ruf nicht einfach das Denken und Handeln einstellen. Mein liebes Tagebuch, das lassen wir dann so stehen.



Peter Ditzel (diz), Apotheker
Herausgeber DAZ / AZ

redaktion@deutsche-apotheker-zeitung.de


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12 Kommentare

Lächerlich

von Meusel am 27.01.2020 um 1:37 Uhr

Gegenstand der Lächerlichkeit sind die Apotheker ob ihres amöben und zahnlosen Wurstelnd schon lange.
Die Regierung Schmidt hat nur durch Nichtstun den Turbogang dazu eingelegt - nicht erst vorgestern.
Worum sorgt sich also Schmidt?
Wie dünn muß die Luft im Olymp sein, dass da Gehirne nicht funktionieren...

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Bestürzend

von Reinhard Rodiger am 26.01.2020 um 13:39 Uhr

„Wir machen uns lächerlich, wenn wir jetzt sagen, das war alles nicht so gemeint‘.“

Eine Führung, die nicht in der Lage ist, potentiell weiterführende Initiativen (Bühler,Dr.Diefenbach etc.) souverän zu unterstützen macht sich selbst und alle Betroffenen nicht nur lächerlich, sondern lähmt. Mehr noch, sie verspielt Vertrauen verkennt ihre Aufgabe und hielt sich nicht an die eigenen Prioritäten und verfolgt hinterrücks diffuse Ziele. Es geht geht um verlorene Glaubwürdigkeit. Das macht sie bestürzend mit aller Konsequenz deutlich.

Diese Lähmung ist umgehend nur durch ein Misstrauensvotum aufzulösen.11 haben schon gehandelt.Das ist schon die Mehrheit.Sie muss umgesetzt werden.




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AW: Bestürzend ... auch noch ein Misstrauensvotum... das wäre der Ehre zu viel ...

von Christian Timme am 26.01.2020 um 17:09 Uhr

Keine sofortige Neuwahl könnte Schlimmeres gebären als das was sich hier seit vielen Jahren in einer Endlosschleife bereits gezeigt hat ... wer mit dem eigenen "Sensemann" auch noch diskutiert ... kann nur ein Apotheker sein. Sorry ...

AW: Bestürzend- wenn niemand aufsteht

von Reinhard Rodiger am 26.01.2020 um 17:37 Uhr

Die Sache mit der Ehre trifft die, die aufstehen sollen und es nicht tun. Misstrauen ist unmissverständlich auszudrücken,um eine Katharsis herbei zu führen.Über die Methode ist zu diskutieren.Sie ist schon davon abhängig, wer und wieviele sich outen. Dabei haben Sie recht, es müssen schon andere sein.Ohne Sense wird es nicht gehen.

UNERTRÄGLICHKEITEN

von Dr.Diefenbach am 26.01.2020 um 12:37 Uhr

Ich sage schon einmal heute:Ich teste mal die Realität der Delegierten und nicht nur,ob man gross auf die ABDA Führung schimpft und dann doch den Mund hält.Mir reicht dieses Hinterzimmerglücksspiel .ich werde auf unserer DV im März einen Antrag an die Hessen stellen,dass ich auf Abstimmung über ein Misstrauensvotum gegen den ABDA-Präsidenten(dessen Intellekt ich schätze,aber immer beleidigt das geht gar nicht) und seinem farblosen Vertreter bestehe.(von ihm hörte man bisher.NICHTS!!!!!).Ich werde sicher zu hören bekommen,dass das "NICHT GEHT",das ist mir aber schlicht egal.Denn würgt man das ab,darf man schlecht markig eine Gegenfront bzgl. der Spitzenposition in der ABDA aufbauen....Und an Königswegen bin ich auch nicht interessiert.Politisches Geschlängel ist die Umkehrung des Schluckvorganges.....

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von Anita Peter am 26.01.2020 um 12:14 Uhr

Liebe ABDA warum solltet ihr nicht mal schnell eure Meinung ändern? Politiker wie Hennrich ändern ihre Meinung auch von Heute auf Morgen um 180 Grad. Einfach Nase in den Wind halten und danach die eigenen Überzeugungen ausrichten.

Und das RXVV hätte von Anfang an die Forderung Nr.1 sein müssen, und das Boni Verbot über das SGB die Handlungsoption. Aber nein, die ABDA weiss mal wieder alles besser.

Der Karren wird immer tiefer in den Dreck gefahren, aber die ABDA glaubt immer noch auf dem richtigen Weg zu sein. So borniert muss man erstmal sein.

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ABDA-Präsident

von Lars Janzen am 26.01.2020 um 11:28 Uhr

Helmut Schmidt hat einmal gesagt: "Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen." Aber wer als ABDA-Präsident keine Visionen hat, kein Durchsetzungsvermögen und keinen langen Atem (oder wie wir hier im Norden sagen würden "klarer Kurs und klare Kante"), ist für diese Position einfach nicht geeignet!
Meinungen ändern sich, und Politiker kommen und gehen. Jens Spahn ist das Thema Rx-Versandverbot nur solange wichtig, wie er für die Gesundheitspolitik verantwortlich ist. Um das Beispiel von Friedemann Schmidt aufzugreifen: Schaut man sich an, dass inzwischen sogar der ADAC ein Temoplimit auf Autobahnen nicht mehr generell ablehnt und dass Herr Scheuer aufgrund seiner desolaten Leistung sicher nicht mehr ewig Verkehrsminister sein wird, dann sieht man, was in der Politik alles möglich sein kann. Und auch bei uns Apothekers wäre ein klarer Kurs (Rx-Versandverbot) und eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit (wir wollen den Bürgern nichts wegnehmen, sondern erhalten, was heute bei uns noch selbstverständlich ist - eine flächendeckende, kompetente Arzneimittelversorgung rund um die Uhr) die richtige Strategie gewesen.
Herrn Bühler Respekt und Anerkennung für diese klarsichtige Petition und viel Erfolg morgen im Petitionsausschuss!

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Schmidt und Abda

von Conny am 26.01.2020 um 11:03 Uhr

Meinen Beitrag habe ich heute lieber selbst zensiert.

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Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit: Stellung der Vertrauensfrage ist notwendig

von Klaus Gärtner am 26.01.2020 um 8:59 Uhr

Der Basis fehlt es an Verständnis für die Aktionen der ABDA-Führung. Den Kammern fehlt es an Verständnis für die Aktionen der Führung. Und wir sind soweit, dass ein Gutachten, welches die ABDA-Führung unter Verschluss halten möchte, durch die Indiskretion von gesamt 11 Personen weitergeleakt wird. Diesen 11 Personen war es völlig egal, was der Chef denkt.

Wären wir im Deutschen Bundestag, müsste die Bundeskanzlerin in einer vergleichbaren Situation die "Vertrauensfrage" stellen. Einfach, um die Handlungsfähigkeit der Bundesregierung wieder herzustellen.
Da kann es dann zu zwei Situationen kommen:
1.) Der Bundestag spricht der Kanzlerin das Vertrauen aus. Damit hat die Kanzlerin ihre Reihen geordnet und wieder hinter sich gebracht
2.) Der Bundestag spricht der Kanzlerin das Vertrauen nicht aus. Daraufhin wird der Bundestag aufgelöst und es kommt zu Neuwahlen.

Beide Varianten führen dazu, dass die Handlungsfähigkeit der Regierung wieder hergestell wird.

Es ist zwingend erforderlich, dass sich auch der gesamte Vorstand der ABDA und Herr Schmidt zeitnah der Vertrauensfrage stellen. Gegenwärtig ist diese Führung nicht mehr handlungsfähig. Nahezu jeder, der sich außerhalb dieses Kreises befindet, hat zutiefstes Misstrauen gegenüber dieser Führung.

Es muss geklärt werden, ob die Apothekerschaft noch hinter Friedemann Schmidt und dem Vorstand der ABDA steht.

PS: Jeder selbstständige Apotheker würde einen Mitarbeiter fristlos entlassen, der interne Dokumente seiner Apotheke an nicht befugte Personen weitergegeben hat - übrigens: völlig zu Recht.

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Etwas stimmt hier schon lange nicht mehr ...

von Christian Timme am 26.01.2020 um 8:54 Uhr

... entweder kann die Apothekerschaft auf 17x2 Mitgliedsorganisationen oder die ABDA verzichten. Den „Rest“ kennt nun wirklich jeder. „Es hätte ... „ wurde ja bereits von ... „Schlimmer geht immer“ ... ersetzt. Gibt es noch eine Steigerung? .... höhere Beiträge für die Mitglieder? ...

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AW: Etwas stimmt hier schon lange nicht mehr

von Ulrich Ströh am 26.01.2020 um 9:49 Uhr

Stimmt!
Wenn es zu 11 ! Indiskretionen innerhalb des
ABDA -Führungszirkels kommt....
dann sagt das viel über den aktuellen Zustand dieser Berufsvertretung aus.

AW: Etwas stimmt hier schon lange nicht mehr ...

von Christian Timme am 26.01.2020 um 14:26 Uhr

Permanent Record ... DAT können wir auch sagt sich die AB ... DA in 2020 ...

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