DAZ.online-Themenwoche

Noventi bastelt am E-Rezept und will eine E-Patientenakte anbieten

Berlin - 23.08.2019, 11:30 Uhr

Die Noventi-Gruppe spielt eine wichtige Rolle bei der Digitalisierung der Arzneimittelversorgung: Im Gespräch mit DAZ.online erklären der Vorstandsvorsitzende Dr. Hermann Sommer (re.) und sein Technikchef Sven Bertram die Pläne des apothekereigenen Konzerns. (c / Fotos: Noventi)

Die Noventi-Gruppe spielt eine wichtige Rolle bei der Digitalisierung der Arzneimittelversorgung: Im Gespräch mit DAZ.online erklären der Vorstandsvorsitzende Dr. Hermann Sommer (re.) und sein Technikchef Sven Bertram die Pläne des apothekereigenen Konzerns. (c / Fotos: Noventi)


Bertram: Das E-Rezept erleichtert den Apothekenalltag

Zuletzt gab es einige Spekulationen, dass sich der Starttermin von GERDA verspäten könnte, weil auf der Ärzteseite eine rechtzeitige Anbindung an den Server nicht realistisch ist. Noventi-Technik-Chef Bertram will sich zu den Vorgängen beim Anschluss der Ärzte nicht äußern. Auf Apothekerseite werde allerdings schon an den letzten Fehlern gearbeitet, bevor das Projekt fertig wird. Bertram wörtlich: „Wir können nicht bewerten, inwieweit es der Ärzte-Seite gelingt, bis dahin E-Rezepte zu erzeugen und sie auf dem Server zu speichern. Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, die letzten möglichen Fehler im System zu beheben. Die Schnittstellen zwischen dem Rezeptserver und den Apotheken sind fertig entwickelt. Ein besonderer Fokus unserer Arbeit liegt darauf, dass das System auch für Wettbewerber zugänglich ist. Aus unserer Sicht steht einem Start im Oktober aber nichts entgegen.“

Im Gespräch mit DAZ.online wies auch Bertram nochmals auf die Vorteile digitaler Verordnungen für Apotheker hin. Das E-Rezept vereinfache die alltägliche Arbeit. „Wir möchten den Apothekern eine neue digitale Heimat für ihre Kunden bauen, in der sie ihre pharmazeutischen Kompetenzen noch besser ausspielen können. (…) Der Vorgang des Einscannens wird nicht mehr nötig sein, weil das Rezept vom Server direkt in die Warenwirtschaft geladen wird. Ein weiterer Vorteil ist die Rezeptprüfung: Man muss nicht mehr handschriftliche Vermerke des Arztes untersuchen, auch Probleme mit Arzt-Unterschriften fallen weg, weil diese Form-Fehler auf E-Rezepten nicht gemacht werden können.“

Mehr zum Thema

Interview ABDA-IT-Chef Sören Friedrich (Teil 2)

„Wir wollen die Basistechnologie für das E-Rezept schaffen“

Themenwoche

E-Rezept

ABDA-IT-Chef Sören Friedrich hatte im DAZ.online-Interview erklärt, dass es der Anspruch der Apotheker sei, die „Basistechnologie“ für das E-Rezept zu entwickeln. Das sieht auch Noventi-Chef Sommer so. Die Zielsetzung seines Unternehmens sei es, „Standards zu setzen und maßgeblich daran mitzuwirken, ein Gesamtsystem zu etablieren, das eine durchgängige, diskriminierungsfreie Kommunikation von A-Z ermöglicht“. Sommer stellt aber klar, dass der Konzern nicht nur am E-Rezept arbeite. Man wolle die Apotheken mit weiteren „additiven Dienstleistungen“ stärken.

Sommer: Von Kassen unabhängige Patientenakte

Eines dieser zusätzlichen Angebote könnte in Zukunft wohl eine E-Patientenakte der Noventi sein. Zur Erinnerung: Der Gesetzgeber hat beziehungsweise will für die Einführung der E-Patientenakte neue Fristen setzen. Einige Kassen haben zuvor schon eigene elektronische Patientenakten entwickelt, zu denen auch Medikationspläne gehören. Noventi-Chef Sommer erklärt, dass er sich aber eine kassenunabhängige Akte wünsche: „Die Überlegungen reichen dabei bis hin zu einer von Krankenkassen unabhängigen elektronischen Patientenakte, die von den Apotheken für Ihre Kunden bereitgestellt werden könnte. Wir sehen es als unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass die Apotheke vor Ort auch in Zukunft Dreh- und Angelpunkt in der Gesundheitsversorgung bleibt. Zusätzlich haben wir den Fokus des Patienten im Visier, dem wir seine Daten jederzeit – ohne Einflussmöglichkeiten Dritter – zu seiner eigenen Verwendung bereitstellen.“

Der einzige Ideengeber und Anbieter ist die Noventi allerdings nicht im Markt. Ähnliche Ansprüche formuliert beispielsweise der „Zukunftspakt Apotheke" von Noweda und dem Burda-Verlag. Beide wollen gemeinsam die Apotheke stärken und neue digitale Produkte anbieten. Immer wieder werden im Markt Rufe laut, dass sich beide Initiativen (Pro AvO und Noweda/Burda) zusammentun, um eine gemeinsame Technologie zu schaffen. Zum Stand der Gespräche wollte sich Sommer nicht äußern. Nur so viel: „Uns ist es wichtig, dass sich auch Wettbewerber auf die von uns entwickelten Systeme aufschalten können. Wir sind stolz, was wir im Bereich Digitalisierung erreicht haben und bieten unseren Wettbewerbern gerne an, ihre Dienstleistungen mit unseren Dienstleistungen zu verknüpfen. Für die Noventi ist es von Vorteil, dass wir keine Investoren befriedigen und auf einen Shareholder Value achten müssen, wir sind ein apothekereigenes Unternehmen und haben andere Interessen.“

----------------------------------------------------------------------------

*Redaktioneller Hinweis: In einer früheren Version des Artikels hieß es, dass der DAV die Ausschreibung bei GERDA durchgeführt hätte. Das ist falsch, es war die ABDA-Tochter NGDA. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.



Benjamin Rohrer, Chefredakteur DAZ.online
brohrer@daz.online


Diesen Artikel teilen:


1 Kommentar

E-Rezept.

von Roland Mückschel am 23.08.2019 um 12:20 Uhr

Ein vernünftiges und praktikables System für die
Apotheken vor Ort ist ein unbedingtes Muss.
Dieser Schweinsgalopp der in dieser Sache, ganz gegen
ihre Art, von der Politik und anderen interessierten Kreisen
vorgelegt wird dient nur zur Verwirrung der stationären
Apotheken und den Weg zum Auslandsversand zu ebnen.

» Auf diesen Kommentar antworten | 0 Antworten

Das Kommentieren ist aktuell nicht möglich.